Brandbrief an die deutsche Gesellschaft
35 Jahre lang konnte ich nicht darüber reden, aus Angst, Scham und Schuldgefühlen. Am 12.03.2003 zeigte ich meine erlebte sexualisierte Gewalt durch Pfarrer Alfons Kamphusmann im Bistum Magdeburg an. Die Verbrechen von diesem Serientäter werden bis HEUTE vom Bistum Magdeburg verschwiegen, verleugnet und vertuscht.
Am 7.11.2003 hat mir das Bistum Magdeburg, „zur therapeutischen Hilfe“, 25.000€ angeboten, unter der Bedingung, dass ich wieder schweige.
Am 9.12.2003 schrieb ich daraufhin Papst Johannes Paul II. und bat ihn um Hilfe und Unterstützung.
Am 27.04.2004 hat mir Papst Johannes Paul II. antworten lassen:
„Papst Johannes Paul II. nimmt ihr Anliegen in sein Beten hinein und ermutigt Sie, den Allmächtigen Gott um seinen starken Beistand für Ihre innere Heilung und die Kraft der Vergebung zu bitten.“
Weil mir der Papst keinerlei Hilfe und Unterstützung zukommen ließ, unternahm ich einen Selbstmordversuch.
Später wollte ich das Bistum Magdeburg wegen Schadensersatzforderung verklagen. Die bestehenden Verjährungsfristen haben das verhindert.
Einer Gesetzesänderung zur Aufhebung der Verjährungsfristen stimmten alle Abgeordneten, nach meiner Rede auf dem Bundesparteitag der SPD 2011, einstimmig zu, mehr dazu hier:
Danach hat die SPD-Führung Opfer von sexualisierter Gewalt wieder VERRATEN.
Deshalb bin ich in den politischen Hungerstreik getreten. Die Medien haben darüber berichtet, mehr dazu hier:
Nach wie vor gibt es Verjährungsfristen. Nach wie vor werden damit Opfer von sexualisierter Gewalt zum Schweigen gebracht!
Meine Darmkrebserkrankung 2018 hätte sehr wahrscheinlich durch eine entsprechende Vorsorgeuntersuchung verhindert werden können. Auf Grund meiner Missbrauchsproblematik konnte ich eine Darmspiegelung jedoch nicht machen lassen.
Seitdem leide ich unter den Folgen von:
- Chemo
- Bestrahlung
- zwei Darmkrebsoperationen
- zwei Operationen am offenem Bauch wegen Darmverschlüssen
- LARS (Low Anterior Resection Syndrome)
Durch die Bestrahlung wurde der Harnwegskanal verletzt, der auf Grund der Vernarbung zu einer Verengung führte. Dadurch kommt es zu einer vermehrten Steinbildung. Im April 2026 wurde diesbezüglich eine Steinoperation durchgeführt. Dauerhafte schmerzgeplagte Situationen wegen der Vernarbung in der Harnröhre bleiben.
Seit meiner Darmkrebsoperation 2018 vergeht kein Tag, an dem ich wegen starken Bauchschmerzen sage: „Ich will nicht mehr leben!“
Normale Schmerzmittel bringen bei meinen Darmkrämpfen keine Linderung. Viele Monate lang bekam ich deshalb sehr starke Opiate. Ich wurde davon abhängig. Wochenlange schreckliche Qualen habe ich wegen Entzugserscheinungen ausgehalten. Nein, nicht ausgehalten, sondern: „Ich habe fürchterlich darunter gelitten!“ – zurück blieben die Bauchschmerzen.
Immer wieder, wenn die Schmerzen unerträglich werden, verlange ich schreiend nach Opiaten. Kurzfristig verspüre ich rauschhafte Linderung. Danach folgen dann wieder die schrecklichen Qualen der Entzugserscheinungen. Die Bauchschmerzen kehren immer wieder zurück.
Eine dauerhafte Einnahme von Opiaten verträgt mein Darm nicht, er verstopft dadurch. Noch stärkere Bauchkrämpfe folgen. Mein Schrei nach einer noch höheren Dosis von Opiaten wird lauter – ein Teufelskreis nimmt seinen Lauf.
Als ich schmerzgeplagt, nachts, vor meiner Nierenoperation, der Krankenschwester ganz leise sagte: „Ich will nicht mehr leben!“, hat mir am nächsten Morgen die Stationsärztin gesagt: „Wenn Sie das nochmal sagen, dann muss ich es weiterleiten und Sie werden daraufhin in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht.“
In was für einer zivilisiert verlogenen Gesellschaft leben wir denn eigentlich?
- Das Bistum Magdeburg versuchte mich mit 25.000€ wieder zum Schweigen zu bringen.
- Der Papst betete – um Vergebung soll ich bitten.
- Der Gesetzgeber verhindert die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt durch die bestehenden Verjährungsfristen.
- Das Bistum Magdeburg muss die Verbrechen nicht aufarbeiten, sondern kann sich auf die Einrede der Verjährung berufen.
- Wenn ich mein Recht auf Selbstbestimmung einfordere und sage: „Ich will nicht mehr leben!“ – muss ich damit rechnen, in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung eingesperrt zu werden.
In was für einer zivilisiert verlogenen Gesellschaft leben wir denn eigentlich?
- Ich will nicht auf die Gnade eines Vereins angewiesen sein, der in einer Grauzone darüber entscheidet, ob ich ‚grünes Licht‘ für Sterbehilfe bekomme oder nicht.
Ich will frei und selbstbestimmt über mein Leben entscheiden!
Das Bundesverfassungsgericht hat 2020 das Recht auf selbstbestimmtes Sterben bestätigt. Die Politik hätte diese Entscheidung in einen klaren gesetzlichen Rahmen verankern müssen – bisher vergeblich.
In was für einer zivilisiert politisch verlogenen Gesellschaft leben wir denn eigentlich?
Hoffnungsvoll
Norbert Denef

