Petition
Petition an den Deutschen Bundestag: Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufheben.
Unterschriften bisher:
13.406
Petition an den Deutschen Bundestag: Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufheben.
Unterschriften bisher:
13.406
Die Schweizer haben bei einer Volksabstimmung die Initiative zur Unverjährbarkeit von sexuellen Straftaten an Kindern angenommen. Das Ergebnis fiel mit rund 52 Prozent knapp aus. Die Initiative wurde gegen den Willen von Bundesrat (Regierung) und Parlament angenommen.
Quelle: www.salzburg.com
———————————————————————————————-
Die Schweizer Presse ist sich einig:
Die Überraschung des Abstimmungs-Sonntags ist die Unverjährbarkeits-Initiative.
Quelle: www.swissinfo.ch
———————————————————————————————-
Emotionen entschieden Abstimmung über Pädophilie
Lanciert wurde die Initiative von der Organisation “Marche Blanche” (Weißer Marsch). Ihre Präsidentin Christine Bussat zeigte sich überglücklich. “Das ist unglaublich”, sagte sie zur unerwarteten Annahme. Nun müssten andere die Initiative umsetzen, betonte sie weiter.
… den ganzen Beitrag lesen »
Das Wall Street Journal (die Los Angeles Times und viele andere) berichten über die Entscheidung eines oberen US Berufungsgerichtes in Cincinnati, zugunsten von sexuellen Missbrauchsopfern katholischer Priester.
Es wird nun auch ein Klagerecht gegen den Vatikan wegen Pflichtverletzung eingeräumt. Staatsanwaltschaften und mehrere US Gerichte hatten festgestellt, dass die amerikanische und die vatikanische Kirchenorganisation ihnen bekannte Straftaten von Priestern nicht anzeigten, sondern sorgar versuchten zu vertuschen, um Täter aus der eigenen Organisation zu schützen.
Obwohl die betroffenen US-Bistümer inzwischen wahrscheinlich 3 Milliarden US $ Schadensersatz an die vielen Opfer der Priester gezahlt haben, wird durch diese Entscheidung nun auch die Möglichkeit eröffnet, den Vatikan vor US-Gerichte zu bringen. Möglicherweise wird der Vatikan beim Obersten US Gericht noch Berufung wegen “Staatsimmunität” einlegen.
Quelle: http://hpd.de/node/5860
—————————————————————————————-
US federal appeals court has ruled that a lawsuit against the Vatican over claims it covered up decades of child sex abuse by priests can go ahead.
The case was filed by three men from Kentucky who say they were abused by clergy in their childhood.
It centres on a 1962 directive from the Vatican - made public in 2003 - which told church officials not to disclose sex abuse complaints against priests.
The US Roman Catholic Church has been plagued by a string of abuse scandals.
On a visit to the US earlier this year, Pope Benedict XVI criticised US bishops for their handling of the child sex abuse crisis, saying their response had sometimes been very poor.
In ruling the Kentucky lawsuit could go ahead, the Sixth US Circuit Court of Appeals upheld an earlier decision by a district judge.
Although the Vatican is largely protected from lawsuits, the court ruled that clergymen could be taken to court as part of their role as Roman Catholic Church employees.
Unser Bundesverfassungsgericht meint:
„Sexuelle Übergriffe sind aber nicht notwendig erhebliche Straftaten, durch welche Opfer seelisch oder körperlich schwer geschädigt werden.“
Dazu die Pressemeldung der Deutschen Kinderhilfe:
„Im Fall eines Sexualstraftäters, der ein Kind vergewaltigt und sexuell missbraucht hat
und bei dem in der Psychiatrie eine besondere Gefährlichkeit gutachterlich bestätigt
wurde, hat das Bundesverfassungsgericht die nachträgliche Anordnung der Sicherungsverwahrung aufgehoben.
Der wirkliche Skandal ist die an Zynismus, Abgehobenheit und furchtbarster juristischer Rhetorik nicht mehr zu überbietende Begründung, warum der Täter nicht in die Sicherungsverwahrung muss. Dazu führen die Richterinnen und Richter des höchsten deutschen Gerichtes das Folgende aus:
Es sei nachvollziehbar, dass der Täter wieder sexuelle Übergriffe begehen werde. „Sexuelle Übergriffe sind aber nicht notwendig erhebliche Straftaten, durch welche Opfer seelisch oder körperlich schwer geschädigt werden.“
Hier die ganze Pressemeldung der Deutschen Kinderhilfe
Hier der ganze Text des Bundesverfassungsgerichtes
Angesichts solcher Begründungen fragt man sich, wie viele Täter und Mittäter im BVerfG sitzen?
Beweise hat man erst, wenn die Opfer sprechen
Interview: Seraina Gross, Nyon;Aktualisiert am 10.10.2008
Opfer sexueller Ausbeutung in der Kindheit sollen jederzeit eine Anzeige machen können. Das fordern Christine Bussat, Aline Jeanneret und Alain Zogmal von «Marche Blanche». Ihre Initiative kommt am 30. November zur Abstimmung.
Christine Bussat (37) ist Präsidentin von «Marche Blanche». Sie hat die Organisation vor sieben Jahren in der Westschweiz ins Leben gerufen und aufgebaut. Sie ist selbstständige Schmuckverkäuferin und Mutter zweier Kinder, eines Knaben (16) und eines Mädchens (12).
Aline Jeanneret (37) ist verantwortlich für die Kommunikation. Zudem ist sie Ansprechperson für die Opfer, die sich bei «Marche Blanche» melden. Sie ist Mutter von zwei Mädchen im Alter von 10 und 15 Jahren.
Alain Zogmal (55) ist Jurist und verantwortlich für die Kampagnen von «Marche Blanche». Er ist Vater von zwei erwachsenen Kindern im Alter von 17 und 22 Jahren. Alle drei Interviewpartner arbeiten ehrenamtlich für «Marche Blanche».
«Marche Blanche» kämpft für wirksamere Gesetze gegen die Pädokriminalität
Die Bewegung «Marche Blanche» entstand in den Neunzigerjahren, nachdem die Affäre um den Kindermörder Marc Dutroux in Belgien verheerende Ermittlungsmängel bei Polizei und Justiz zutage gefördert hatte. 1996 nahmen 350 000 Menschen in Belgien an einer «Marche Blanche» teil. Seither sind die weissen Ballons und Plüschtiere vor allem im französischsprachigen Europa zum Symbol im Kampf gegen die Pädokriminalität geworden. «Marche Blanche» Schweiz wurde 2001 gegründet. Seither macht sie jeden Herbst mit mehreren Weissen Märschen auf den sexuellen Missbrauch von Kindern und die Ausbeutung durch die Kinderpornografie-Industrie aufmerksam.
«Marche Blanche» ist zwar ständig in Kontakt mit den Opfern, ist aber keine Opferhilfeorganisation. Ihr Ziel ist es, die Gesetze zur Bekämpfung der Pädokriminalität und zum Schutz der Opfer zu verbessern. 2003 erreichte die Organisation, dass der Bund eine Stelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität schuf. 2006 reichte «Marche Blanche» mit 120 000 Unterschriften eine Volksinitiative für die Unverjährbarkeit sexueller und pornografischer Straftaten an Kindern ein. Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ab. Das Parlament hat die Verjährung aber aufgrund der Initiative angehoben. Sie soll mit dem 25. Altersjahr des Opfers enden. «Marche Blanche» ist parteipolitisch ungebunden, wird jedoch von zahlreichen Politikern und Politikerinnen unterstützt – etwa von Christophe Darbellay, Präsident der CVP und Nationalrat (VS), den Nationalrätinnen Lucrezia Meier-Schatz (CVP, SG) und Regine Aeppli (SP, ZH) oder Oskar Freysinger (SVP, VS).
Mehr Informationen über «Marche Blanche»:
www.marche-blanche.ch
www.cybercrime.ch
Ihre Adresse hier in Nyon ist vertraulich. Warum?
Alain Zogmal: Aus Sicherheitsgründen. Man soll uns nicht besuchen können, ohne sich vorher anzumelden. Wir geben deshalb nur unsere Postadresse in Lausanne allgemein bekannt.
Christine Bussat: Es gibt viele Leute, die sich ärgern, dass es uns gibt.
Wurden Sie bedroht?
Christine Bussat: Ja, am Anfang wurden wir massiv bedroht. Aber das hat sich inzwischen gelegt.
Sie fordern, dass Sexualstraftaten an Kindern nicht verjähren sollen. Warum?
Christine Bussat: Die Opfer sexuellen Missbrauchs brauchen sehr viel Zeit, bis sie darüber sprechen. Als Kind schweigen sie, weil sie Angst haben. Die Täter drohen ihnen, dass ihren Geschwistern, ihrer Mutter oder anderen Menschen, die sie lieben, etwas passiere, wenn sie sich jemandem anvertrauen würden. Oft wird ihnen auch gesagt, sexueller Missbrauch sei etwas Normales. Das ist der grosse Unterschied zwischen den Opfern sexuellen Missbrauchs und den Opfern anderer Straftaten. Wer bestohlen oder ausgeraubt wird, der geht zur Polizei und erstattet eine Anzeige. Die Kinder vertrauen sich niemandem an.
Warum schweigen die Opfer weiter, wenn sie erwachsen sind?
Christine Bussat: Als junge Erwachsene sind die Opfer damit beschäftigt, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Sie brauchen ihre Energie dafür, selbstständig zu werden. Zudem ist es häufig so, dass die Opfer nicht um ihrer selbst Willen eine Anzeige machen, sondern weil sie verhindern wollen, dass andere Kinder das gleiche Schicksal erleiden. Wir haben in Kanada einen Mann getroffen, der sich zu einer Anzeige entschloss, nachdem er erfahren hatte, dass sein kleiner Bruder vom selben Mann wie er missbraucht wurde.
Das Parlament hat einen Gegenvorschlag zu ihrer Initiative gemacht und die Verjährungsgrenze von 25 auf 33 Jahre heraufgesetzt. Ist das nicht genug?
Christine Bussat: Nein. Wenn es die Grenze bei 45 Jahren gesetzt hätte, so hätte man darüber diskutieren können. Aber 33, das reicht wirklich nicht. Die Opfer sind 35, 40 Jahre alt oder noch älter, bis sie in der Lage sind, eine Anzeige zu machen.
Aline Jeanneret: Sexueller Missbrauch zerstört die Persönlichkeit eines Menschen. Es braucht Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, bis sie wiederhergestellt ist und die Voraussetzungen für eine Anzeige da sind. Wenn sich die Opfer dann dazu entschliessen, so darf es nicht heissen: Entschuldigung, aber wir können nichts machen, weil die Taten verjährt sind. Das Opfer soll jederzeit die Wahl haben: Anzeige, ja oder nein?
Wie ist es zu erklären, dass viele Opfer keine bewusste Erinnerung an den Missbrauch mehr haben?
Aline Jeanneret: Sexueller Missbrauch ist etwas so Traumatisierendes, dass er häufig vollständig verdrängt wird. Es ist einfach nicht passiert. Häufig sind es extreme Ereignisse wie zum Beispiel der Verlust einer nahe stehenden Person oder die Geburt eines Kindes, welche die Erinnerung an den Missbrauch wieder aufleben lassen. Die ersten Erinnerungsfetzen tauchen meistens im Alter zwischen 30 und 35 Jahren auf. Häufig haben die Opfer über eine längere Zeit Albträume. Bis sie sich bewusst erinnern können, dauert es meistens nochmals ein paar Jahre. Dann sind sie häufig 40 oder gar 50 Jahre alt.
Die Gegner der Initiative argumentieren, nach so vielen Jahren sei es kaum mehr möglich, genügend Beweise für eine Verurteilung vor Gericht beizubringen. Was sagen Sie dazu?
Christine Bussat: Das Gegenteil ist der Fall. Das hat uns ein Staatsanwalt in Kanada, wo sexuelle Straftaten an Kindern bereits heute nicht verjähren, klar bestätigt. Beweise, das sind im Fall von Kindsmissbrauch Zeugenaussagen. Diese hat man erst, wenn die Missbrauchsopfer, die Mütter, die Geschwister oder andere Familienmitglieder zu sprechen beginnen. Das ist meist erst Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte nach dem Missbrauch.
Sie sprechen im Initiativtext von pornografischen Straftaten an Kindern. Was verstehen Sie darunter?
Aline Jeanneret: Wir haben diesen Begriff gewählt, um die Aufmerksamkeit verstärkt auf das enorme Ausmass der Pädokriminalität im Internet zu lenken. Es gibt Millionen von Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalten. Auf einigen gibt es bis zu 350 000 kinderpornografische Bilder. Hinter jedem dieser Bilder steckt ein Kind, dass an diesem Missbrauch ein Leben lang tragen wird. Die Kinderpornographie ist deshalb ein ebenso schweres Verbrechen wie der sexuelle Missbrauch von Kindern. Das besonders Perverse an der Kinderpornografie ist zudem, das das Kind nicht nur – erstens – sexuell missbraucht und – zweitens – gefilmt wird, sondern dass die Bilder des Missbrauchs – drittens – auch noch in Jahrzehnten im Internet zu sehen sein werden. Das Opfer kann jederzeit auf die Bilder stossen und wir sagen ihm: Wir können nichts machen, weil die Taten verjährt sind. Das darf nicht sein.
Ihre Gegner kritisieren, dass es unverhältnismässig sei, wenn der Konsum von Kinderpornografie nicht mehr verjähre. Was sagen Sie dazu?
Christine Bussat: Die Initiative stellt den sexuellen Missbrauch und die Herstellung und den Vertrieb von kinderpornografischen Bildern und Filmen ins Zentrum. Ob der Konsum nicht mehr verjähren soll, wird das Parlament entscheiden, wenn die Initiative angenommen ist.
Die Gegner meinen zudem, dass ein Freispruch des Täters das Opfer erneut traumatisieren könnte. Was sagen Sie dazu?
Christine Bussat: Das ist das zweite Argument, mit dem die Gegner vom Thema ablenken wollen. Von Kanada wissen wir, dass das nicht der Fall ist. Die Befragung von Opfern hat gezeigt, dass diese froh waren, den Täter vor Gericht gebracht zu haben, selbst wenn es nicht zu einer Verurteilung kam. Sie hatten im Minimum erreicht, dass sich der Täter stellen musste. Alain Zogmal: Die Möglichkeit eines Freispruchs besteht immer. Das ist das Risiko jedes Prozesses und hat nichts mit der Verjährung zu tun. Das Opfer muss sich darüber Rechenschaft ablegen, bevor es eine Anzeige macht. Es ist seltsam, manchmal betrach- tet man die Opfer als unschuldige Kinder, die vor sich selbst geschützt werden müssen, manchmal betrachtet man sie als böse Erwachsene, die lügen und Unschuldige vor Gericht bringen wollen. Die Haltung gegenüber den Opfern ist voller Widersprüche.
Laut Initiativtext bezieht sich die Unverjährbarkeit auf Straftaten gegen Kinder «vor der Pubertät». Ihre Gegner kritisieren, das sei ein unklarer Begriff.
Alain Zogmal: Die Altergrenze muss vom Parlament in der Tat noch genau bestimmt werden. Heisst «vor der Pubertät» jünger als zehn, elf oder zwölf Jahre? Irgendwo wird man die Grenze ziehen müssen.
Denken Sie, dass Ihre Initiative eine Chance hat?
Alain Zogmal: Wir wissen, dass es sehr schwierig ist, eine Volksinitiative durchzubringen. Das passiert alle paar Jahre einmal. Trotzdem: Die Wahrnehmung der Politik und der Leute, die sich mit dem Thema der Pädokriminalität und ihrer Opfer befassen, klaffen diametral auseinander. Viele Leute sind der Meinung, dass zu wenig gegen die Pädokriminalität gemacht wird. Wir sind deshalb zuversichtlich, dass unsere Initiative angenommen wird.
Aline Jeanneret: Das Volk weiss, dass die Pädokriminalität bei den Opfern enorme Schäden anrichtet und dass sie – nicht zuletzt – auch eine Menge kostet. Viele der Opfer sind psychisch krank, brauchen Medikamente und Therapien, sind drogen- oder alkohlsüchtig. 80 bis 90 Prozent der Drogensüchtigen wurden als Kind sexuell missbraucht. Das Volk will, dass etwas dagegen unternommen wird. Die Kinder von heute sind die Erwachsenen von morgen. Man muss deshalb die Kinder schützen, damit es der Welt gut geht.
Wie sind Ihre Kontakte mit dem Justizministerium?
Christine Bussat: Wir hatten einen sehr guten Kontakt zu Bundesrätin Ruth Metzler. Mit ihrem Nachfolger Christoph Blocher hatten wir weniger häufig zu tun. Unsere Vizepräsidentin, Chantal Besson, hat Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf einmal getroffen. Generell lässt sich sagen, dass sich die Mitarbeiter im Justizministerium des Themas durchaus bewusst sind. Wir hoffen deshalb, dass wir in den Prozess der Gesetzgebung einbezogen werden, sollte die Initiative angenommen werden. (Baz.ch/Newsnetz)
Quelle: http://www.bazonline.ch
von Alice Miller
Die Wurzeln der Gewalt sind NICHT unbekannt
Das irregeleitete Gehirn und die verbannten Emotionen
Die Fakten:
1. Die Entwicklung unseres Gehirns hängt von dem ab, was wir erfahren haben. Das Gehirn bildet sich in den ersten 4 Lebensjahren aus, je nachdem welche Erfahrungen die Umwelt dem Kind bietet. So entwickelt sich das Gehirn eines Kindes, das vor allem Liebe erlebt hat, anders als das eines Kindes, das grausam behandelt wird.
2. So gut wie alle Kinder unseres Planeten werden in ihren ersten Lebensjahren geschlagen. Von Anfang an lernen sie Gewalt, und diese Lektion ist in ihrem Gehirn gespeichert. Kein Kind wird gewalttätig geboren. Gewalt ist NICHT genetisch bedingt. Sie existiert, weil geschlagene Kinder in ihrem Erwachsenenleben von der Lektion Gebrauch machen, die im Gehirn gespeichert ist.
3. Da geschlagene Kinder sich nicht verteidigen dürfen, müssen sie ihren Ärger verdrängen und ihre Wut auf die Eltern, die sie gedemütigt, ihre angeborene Empathie getötet und ihre Würde beleidigt haben. Später als Erwachsene richten sie diese Wut gegen Sündenböcke und vor allem gegen ihre eigenen Kinder. Da sie keine Empathie empfinden können, richten einige ihre Wut gegen sich selbst (in Form von Essstörungen, Drogenabhängigkeit, Depressionen usw.) oder gegen andere Erwachsene (in Form von Kriegen, Terrorismus, Kriminalität usw.).
Fragen / Antworten:
F.: Eltern schlagen ihre Kinder, damit diese gehorchen, ohne dies zu hinterfragen. Abgesehen von einer kleinen Minderheit protestiert niemand gegen diese gefährliche Gewohnheit. Warum wird dieser so deutliche Zusammenhang (zwischen betrogenem Opfer und misshandelndem Täter) von der ganzen Welt ignoriert? Warum haben nicht einmal die Päpste, die für das moralische Verhalten vieler Millionen Gläubiger verantwortlich sind, letztere bis heute nie darüber informiert, dass es ein Verbrechen ist, Kinder zu schlagen?
A.: Weil fast ALLE von uns geschlagen wurden und wir alle sehr früh lernen mussten, dass Grausamkeiten normal, harmlos und sogar gut für uns seien. Niemand hat uns jemals gesagt, dass es sich dabei um Verbrechen gegen die Menschheit handelt. Unser sich entwickelndes Gehirn speichert diese falsche, unmoralische und absurde Lektion. Dies erklärt die emotionale Blindheit, die auf der Welt herrscht.
F.: Können wir uns von der emotionalen Blindheit befreien, die wir in der Kindheit entwickelt haben?
A.: Wir können uns, zumindest bis zu einem gewissen Grad, von dieser Blindheit befreien, indem wir es wagen, unsere verdrängten Emotionen zu fühlen, auch unsere Angst vor und unsere verbotene Wut auf unsere Eltern, die uns oft terrorisiert haben in diesen langen Jahren, die die schönsten unseres Lebens hätten sein sollen. Wir können diese Jahre nicht nachholen. Aber indem wir uns der Wahrheit stellen, können wir unser inneres Kind, das voller Angst und Ablehnung ist, in einen Erwachsenen verwandeln, der seine Wahrheit kennt und daher verantwortungsvoll ist, der schließlich seine Empathie wiedergewonnen hat, derer man ihn so früh beraubt hat. Wenn wir Menschen werden, die ihre Geschichte gut kennen, können wir nicht mehr bestreiten, dass Kinder zu schlagen ein Verbrechen ist, das auf der ganzen Welt verboten werden sollte.
Schlussfolgerung:
Sich um die emotionalen Bedürfnisse unserer Kinder zu kümmern bedeutet weitaus mehr als ihnen eine glückliche Kindheit zu bieten. Es bedeutet, es dem Gehirn der zukünftigen Erwachsenen zu ermöglichen, gesund und rational zu funktionieren, ohne Perversion und Wahnsinn. Ein Kind dazu zwingen zu lernen, dass Schläge ohne Zweifel gut für es seien, ist die absurdeste und abwegigste Lektion, die gefährlichste Konsequenzen hat. Diese Lektion, gepaart mit der Tatsache, von seinen wahren Gefühlen getrennt zu sein, bildet die Wurzeln der Gewalt.
www.alice-miller.com
© 2008 Alice Miller
by Alice Miller
The Roots of Violence are NOT Unknown
The misled brain and the banned emotions
The Facts:
1. The development of the human brain is use-dependent. The brain develops its structure in the first four years of life, depending on the experiences the environment offers the child. The brain of a child who has mostly loving experiences will develop differently from the brain of a child who has been treated cruelly.
2. Almost all children on our planet are beaten in the first years of their lives. They learn from the start violence, and this lesson is wired into their developing brains. No child is ever born violent. Violence is NOT genetic, it exists because beaten children use, in their adult lives, the lesson that their brains have learned.
3. As beaten children are not allowed to defend themselves, they must suppress their anger and rage against their parents who have humiliated them, killed their inborn empathy, and insulted their dignity. They will take out this rage later, as adults, on scapegoats, mostly on their own children. Deprived of empathy, some of them will direct their anger against themselves (in eating disorders, drug addiction, depression etc.), or against other adults (in wars, terrorism, delinquency etc.)
Questions and Answers:
Q: Parents beat their children without a second thought, to make them obedient. Nobody, except a very small minority, protests against this dangerous habit. Why is the logical sequence (from being a misled victim to becoming a misleading perpetrator) totally ignored world-wide? Why have even the Popes, responsible for the moral behaviour of many millions of believers, until now never informed them that beating children is a crime?
A: Because almost ALL of us were beaten, and we had to learn very early that these cruel acts were normal, harmless, and even good for us. Nobody ever told us that they were crimes against humanity. The wrong, immoral, and absurd lesson was wired into our developing brains, and this explains the emotional blindness governing our world.
Q: Can we free ourselves from the emotional blindness we developed in childhood?
A: We can - at least to some degree - liberate ourselves from this blindness by daring to feel our repressed emotions, including our fear and forbidden rage against our parents who had often scared us to death for periods of many years, which should have been the most beautiful years of our lives. We can’t retrieve those years. But thanks to facing our truth we can transform ourselves from the children who still live in us full of fear and denial into responsible, well informed adults who regained their empathy, so early stolen from them. By becoming feeling persons we can no longer deny that beating children is a criminal act that should be forbidden on the whole planet.
Conclusion:
Caring for the emotional needs of our children means more than giving them a happy childhood. It means to enable the brains of the future adults to function in a healthy, rational way, free from perversion and madness. Being forced to learn in childhood that hitting children is a blessing for them is a most absurd, confusing lesson, one with the most dangerous consequences: This lesson as such, together with being cut off from the true emotions, creates the roots of violence.
www.alice-miller.com
© 2008 Alice Miller
Version francaise: http://www.alice-miller.com/tracts_fr.php
Ein Kommentar von Helga Wolf
Missbrauch war früher ein absolutes Tabuthema. Erst in den letzten Jahren wurde offener darüber gesprochen und die Opferstatistiken, mal ganz abgesehen von der Dunkelziffer, sind immens, auch die gesundheitlichen Konsequenzen, die sich daraus ergeben in körperlicher und seelischer Hinsicht für alle, die das ertragen mussten… mehr
New York (AFP) Der UN-Sicherheitsrat … In seiner Entschließung weist er ausdrücklich darauf hin, dass Vergewaltigungen und andere Formen der sexuellen Gewalt als “Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Bestandteil des Völkermordes” geahndet werden könnten … mehr
Zwei Milliarden Dollar Entschädigung
12. Juni 2008 Es war ein Tag, an dem Kanada zusammenstand: im Parlament zu Ottawa, auf dem Rasen davor vor einem riesigen Monitor, vor Fernsehern in Wohnzimmern und Büros, in Schulen und Versammlungsräumen der Reservate. Es war ein Tag, an dem Kanada gemeinsam weinte. Der 11. Juni 2008 war ein historischer Tag in der Geschichte Kanadas…
…Phil Fontaine, Vorsitzender der „Assembly of First Nations“, trug den Feder-Kopfschmuck der Ojibway-Indianer und sagte, die Erinnerungen „schneiden wie Messer unbarmherzig in unsere Seelen“.
Er hatte 1990 erstmals von seiner eigenen Leidensgeschichte sexuellen Missbrauchs berichtet. Ziel sei nicht die Erziehung der Kinder gewesen, sondern, „den Indianer in jedem Kind zu töten und die indianische Kultur aus dem Gewebe der kanadischen Gesellschaft auszulöschen“. Wie andere Vertreter der „First Nations“ sprach Fontaine im Parlament einige Worte in jenen Sprachen, die hätten ausgelöscht werden sollen.
Quelle: F.A.Z.