Beschwerde
Beschwerde an den Europäischen Gerichtshof gegen die Ablehnung der Petition ‘Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufheben’ durch den Deutschen Bundestag
Unterschriften bisher:
10.933
Beschwerde an den Europäischen Gerichtshof gegen die Ablehnung der Petition ‘Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufheben’ durch den Deutschen Bundestag
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Jetzt bricht eine neue Ära an – Opfer stehen für sich ein
Bis zu 25 Prozent der Bevölkerung sind Opfer sexualisierter Gewalt. Es reicht!
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„Nimm Dich nicht so wichtig!“ Dieser oftmals geäußerte Satz meiner Eltern schrie in mir, als ich mich überwand und hier zum ersten Mal die Folgen meiner Missbrauchserfahrungen niederschrieb. Es ist der erste Schritt aus dem Nebel, der mein bisheriges L(i)eben beschattet:
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(…Als Zehn- oder Elfjähriger wurde mein Hodenhochstand operativ korrigiert, das heisst, die Hoden wurden aus der Bauchhöhle in den Hodensack verpflanzt. Ich wurde also als vervollständigter Mann aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen in das Haus meiner Eltern, mein Vater war evangelischer Dorfpfarrer und meine Mutter die stolze Frau Pastor…)
Sich tot stellen
(…)
Bei alledem lauerte im Hintergrund die verfluchte Vaterbestie und na klar hatte das perverse Dreckschwein das grösste Interesse an der ordnungsgemässen Herstellung meiner Männ–lichkeit, ich merke schon, wie an dieser Stelle nicht nur mir schlecht wird, und jedes mal, wenn ich zur Nachuntersuchung zum Dorfarzt musste, kam dieses Monster natürlich mit. Derjenige, der von nichts eine Ahnung hatte, war ich. Bei einem der letzten Arztbesuche allerdings wurde mein Vater mit bestimmten Worten aus dem Untersuchungszimmer geschickt, ich bemerkte es zwar, aber erst Jahre später konnte ich das wie ein Puzzleteil einfügen in das Gesamtgeschehen, für dessen Rekonstruktion ich Jahrzehnte brauchte, weil ich damit allein war und allein gelassen wurde. Vielleicht hatte der Arzt eine Ahnung, was mit meinem Alten los war oder es war schon die Zeit, in der die Gerüchte um missbrauchte Jungs aus dem Dorf die Runde machten und wer der Täter war. Na klar, sofort als ich dann gesund und ein Mann geworden war, kam die Geschichte mit dem Dreckschwein in der Nacht, als ich noch nicht den eigenen Willen soweit ausgebildet hatte, um das Drecksvieh einfach zu töten, als es an mein Bett herantrat und an mir rumfummelte. Ich stellte mich tot. In so einer Situation stellt man sich tot. Ich hielt den Atem an. Ich war gelähmt. Ich bewegte mich nicht. Ich schrie nicht und hatte nicht mal das Vertrauen, nach meiner Mutter um Hilfe zu rufen. Es war stockfinstere Nacht und ich erkannte meinen Vater nicht, aber ich identifizierte ihn. Ob mein Bruder auch in der Nacht im Zimmer schlief oder ob er woanders übernachtete, weiss ich nicht mehr, auch nicht, wie ich es überlebte, was danach geschah, was am nächsten Tag, was in den folgenden Wochen. Die Welt und das Leben, das ich bis dahin gekannt hatte, existierte nicht mehr.
Was aber in den Monaten danach geschah, weiss ich noch sehr gut, weil es mich zutiefst betroffen gemacht hat. Ich war immer ein guter bis sehr guter Schüler gewesen, der wie von selbst lernte und sich entwickelte, plötzlich jedoch sackte ich rapide ab in meinen Leistungen, kassierte Fünfen und Sechsen und das Ende vom Lied war, ich wurde nicht versetzt in die nächste Klasse und meinen Eltern wurde empfohlen, mich ab der achten Klasse auf die Realschule, die Mittelschule zu schicken, um das eingetretene Desaster einzudämmen. Na klar, ich war fertig mit der Welt, jeder kannte jeden im Städtchen und drumrum und alle sahen, dass ich vom Gymnasium geflogen und in der niederen Schule aufgeschlagen war. Na besten Dank, alte verfluchte Drecksau, das hattest du wunderbar hingekriegt, deinen Sohn zerstört, ihm das Leben genommen, ihn zu einem Idioten gemacht und missbraucht, warst du jetzt zufrieden, endlich das Werk der Zerstörung vollendet zu haben, du gottverfluchtes Drecksmonster?!
Das war nicht alles, wer das denkt, mein Bruder folgte mir unmittelbar (ich erfuhr erst Jahre später von ihm, was ihm angetan worden war), auch er versagte und landete auf derselben Mittelschule, degradiert und deklassiert durch das monströse krankhafte Verbrechen eines Mannes, der nie hätte Vater werden dürfen. So sieht’s aus, und meine Mutter gab bei dem ganzen Szenario die Ahnungslose. Auch ihr vielen Dank!, durch ihre Blindheit und Ignoranz wurde sie zur Komplizin ihres Mannes, wahrscheinlich bangte sie um das schöne Leben, das sie als Frau Pastor an der Seite dieser Bestie führen durfte, was auch immer, vielleicht hat sie wirklich von nichts gewusst, ich habe versucht, es aus ihr rauszukriegen, war aber nicht möglich, sie beharrte darauf, von solchen Dingen damals ja noch überhaupt keine Ahnung gehabt zu haben. Komischerweise war es für sie auch in dem Moment kein Thema, als die Missbräuche an einigen Dorfjungs öffentlich wurden und die Versetzung des Dreckschweins nach Berlin von der Amtskirche beschlossen wurde, wer will es wissen, lassen wir die Gute in dem Glauben, keine Schuld auf sich geladen zu haben.
In dieser Zeit stieg der Alte sichtbar zum Alkoholiker auf, ich meine, jetzt war es soweit, dass man es ihm ansah und es roch, wenn er die Treppe aus seinem Amtszimmer hoch in die Wohnung kam und sich mit glasigen lüsternen Schweineaugen an den Abendbrotstisch setzte, und immer, wenn er besoffen war, war er auch geil, was wir Jungs daran merkten, wie er uns bei jeder verdammten Gelegenheit zwischen die Beine guckte, und jedesmal, wenn er es tat, würgte in mir ein elender Kotzbrocken hoch, den ich jedoch immer wieder runterschluckte, ich stand unter der Verurteilung zur Scham, ich schämte mich zu Tode wegen des Unfasslichen, was mir zugestossen war, und es gab keine Möglichkeit, es im Rahmen unserer Familie damals anzusprechen, ich erstickte daran.
Der zweite mir bewusste Missbrauch fand im Jahr der Mondlandung statt, in den Sommerferien in Scharbeutz an der Ostsee, ich kann aber nicht mehr, ich kann es jetzt nicht mehr schildern, es schmerzt zu sehr, es macht mich unendlich müde und wütend und ich will eigentlich nur schlafen, vielleicht später.
Dann kam irgendwann die Information, dass die Versetzung beschlossen war, das wir nach Berlin gehen würden, und mir wurde schwarz vor Augen, es senkte sich von oben herab ein schwarzer Vorhang vor meine Augen, und ich war in dem Moment der Letzte, der nach Berlin gehen wollte. Schon wieder alle Freunde aufgeben, schon wieder eine neue Schule und eine komplett neue Umgebung, ich hatte von alldem die Schnauze gestrichen voll.
(…)
Ulf Duschat
Auszug aus dem Bericht “Illusion” von Ulf Duschat, der unter der Adresse:
http://www.ulf-duschat.de/illusion.pdf
nachgelesen werden kann.
Meine Kindheit endete mit 6 Jahren, als Opa meinte ich gehöre ihm…
Die Jahre langen Vergewaltigungen, schwersten Misshandlungen bis hin zu Mordversuchen, Plastiktüte über den Kopf ziehen, Kopf unter Wasser drücken bis hin zur Ohnmacht, Fest binden mit Ketten wie ein Hund….
Dann kramen 3 andere Männer dazu die ich bedienen musste mit allem was dazu gehört. Was ich aber hier nicht Schreiben kann, es würde mich und auch die Leser zu sehr Triggern.
Ich glaube sich vorzustellen, was sie mit mir gemacht haben fällt vielen schwer.
Dann noch mein alter (Erzeuger), meinte, er müsste mich auch noch Vergewaltigen und Misshandeln, Quälen.
Und von allen, die Drohungen, ja nix zu sagen, das habe ich 30 Jahre ausgehalten.
Ich habe bis heute Angst drüber zu sprechen, weil ich immer Angst habe es passiert was Schlimmes und oft ist es auch so, wenn ich in der Therapie spreche, dass ich die Täter spüre, sie rieche und ganz viel Angst habe, dass sie da sind… Aber sie sind tod, aber ich kann es oft nicht glauben…
Was habt ihr aus mir gemacht. Ich war 2 mal in der Trauma Klinik. Mache seid fast 2 Jahren eine Trauma-Therapie. Bin zu 80% Schwerbehindert. Nehme Medikamente ohne die ich es nicht aushalten würde…
Bin Multiple habe Depressionen, Angst im Dunkeln, Schlaffstörungen, Angst vor Männern, chronische schwere Postraumatischebelastungsstörung, neige zu Selbstverletzung.
Immer wieder kommende Analfistel, Tinnitus, Essstörungen.
Ja Ihr Schweine ,das habt ihr aus mir gemacht. Ich hasse Euch so sehr dafür.
Aber ich werde nicht länger Schweigen, auch wenn ich größte Angst habe, nun solltet ihr Angst vor mir haben.
Ohne meine geliebte Frau würde ich das alles nicht schaffen. Ich danke Dir. Ich liebe Dich so sehr…
Passt gut auf Euch auf…
Lg Jürgen Scherr
derwesten.de 19.02.2010
Bonn. Zum Missbrauchsskandal am Bonner Aloisiuskolleg des Jesuitenordens meldet sich nun ein weiterer Betroffener zu Wort. In einem Leserbrief schildert Ralph Vetter aus Köln die subtile sexuelle Gewalt seiner Schulzeit, 1976 bis 1983, und wie er bis heute daran leidet.
Seine Geschichte ist dem Missbrauchsbeauftragten des Aloisiuskollegs, Robert Wittbrodt, bekannt und deckt sich mit dessen Erkenntnissen. Wir drucken Vetters Brief, gekürzt und in Auszügen:
Ich war selbst einer der Betroffenen. Die Angelegenheit war für mich seit 30 Jahren mehr oder weniger erfolgreich verdrängt, aber seit zwei Wochen erlebe ich nun einen „Flashback“ vom übelsten. Ich kann nicht mehr schlafen, habe Schweißausbrüche und lebe wieder vollständig in der Vergangenheit: Ich bin alles andere als „mediengeil“. Sie werden im Internet nicht einmal einen Eintrag über mich finden. Bevor aber der Deckel des Schweigens über alles gebreitet wird, habe ich noch einiges mitzuteilen. Auch, um endlich meine Traumata aufzubereiten.
Hier ist also meine Geschichte: Aufgrund meiner schlechten schulischen Leistungen wechselte ich mitten im Schuljahr am 2. Mai 1976 (warum merkt man sich eigentlich so ein Datum?) von einem städtischen Kölner Gymnasium als 13-Jähriger auf das Aloisiuskolleg. Es war ohnehin sehr schwer, dort aufgenommen zu werden, und so verweigerte der ehemalige Schulleiter auch meine Aufnahme. Erst der Internatsleiter Pater S. befürwortete die Aufnahme; warum er mich bei den Aufnahmegesprächen so wohlwollend und sanft angeschaut hat, wurde mir erst in späteren Jahren klar.
„Nun zieh dich mal aus.“
Es war ein Sonntag, ein Heimfahrtswochenende, als mich mein Vater dort bei Pater S. ablieferte. Nach einem Rundgang gingen wir in den Keller des dortigen Schlosses „Stella Rheni“, welches als Wohnhaus für einen Teil der jüngeren Internatsschüler genutzt wurde. Hier befanden sich die Duschen. Mit den Worten: „Nun zieh dich mal aus und geh duschen, damit du dich daran gewöhnst, wir duschen jeden Abend alle zusammen“, musste ich mich ausziehen, während mir Pater S. alleine beim Duschen zusah.
Ich musste mich also in einem Vorraum ausziehen, Pater S. stand daneben, schickte mich dann in die Dusche und beobachtete mich weiter beim Abtrocknen und wieder anziehen; dieser Vorgang ist mir noch heute lebhaft in Erinnerung. Diese Prozedur wiederholte sich dann jeden Abend zusammen mit anderen Klassenkameraden, während Pater S. unser An- und Auskleiden „beaufsichtige“.
Abends beim Zubettgehen wurde dann das sogenannte „Knechten“ durchgeführt. Streicheln am Kopf, Zwicken zwischen den Hals- und Schulterblättern, Reiben mit den Fingerknöcheln auf der Brust etcetera. Dieses wurde von uns jungen und naiven Schülern als Auszeichnung empfunden, man kümmerte sich um einen . . . Wir fanden das normal, ein Teil der Aufsichtspflicht eben. Auch das wir des öfteren nackt mit einem Wasserschlauch abgespritzt wurden, im Sommer auch nackt im Park hinter dem Schloss; ich habe noch etwas von „Abhärtung“ im Kopf.
Neidisch auf die Nakedei-Spielchen
Relativ frühzeitig wechselte ich dann aus dem Schloss in den sogenannten Neubau, einen 50er-Jahre-Komplex, in dem die meisten Internen untergebracht waren. Nur von Pater S. ausgewählte Knaben jüngeren Alters durften im Schloss wohnen. Als ich später einmal wieder im Park herumging, und die herumtollenden Kinder, teilweise eingeseift, dort beobachtete, als sie von Pater S. „abgespritzt“ wurden, war ich sogar richtig neidisch. Auch Pater Schneider war dabei, der heutige Rektor (– der am 9. Februar wegen Vorwürfen der Mitwisserschaft zurückgetreten ist, Anm.. der Red.), als junger Frater schon die rechte Hand von Pater S.
Erst später, nach der Pubertät, wurde einem klar, was da eigentlich passiert ist. In den Gängen der Mensa und des Schlosses hingen massenweise „künstlerische“ Schwarz-weiß-Fotos mit nackten Jünglingen im Sonnenuntergang, selbst fotografiert. Es galt als Auszeichnung, wenn man als einer der wenigen Schüler (seltsamerweise nur die „Hübschen“) von Pater S. in den Sommerferien im Wohnmobil zum Nacktbaden in die Einsamkeit der finnischen Seenplatte mitgenommen wurde. Die Fotos hingen noch lange Zeit und wurden erst „zufälligerweise“ etwa zeitgleich mit der Aufarbeitung der Dutroux-Verbrechen abgenommen.
Der Nachhall „subtiler Verfehlungen“
Dass es zu massiven Übergriffen gekommen ist, kann ich mir nicht vorstellen, davon ist mir auch nichts bekannt, aber die subtilen „Verfehlungen“ hallen auch heute noch nach. Was bleibt, ist die Frustration einer verlorenen Jugend; die Befürchtung nur deswegen aufgenommen worden zu sein, weil man dem „Aussehen eines Knaben der Antike“ entsprach. Noch heute leide ich unter den damaligen Ereignissen.
Ich habe es nie geschafft, mich von meinem Elternhaus zu trennen und lebe bis jetzt mit meinem Vater zusammen. Ich schlafe noch immer in dem gleichen Zimmer, in dem ich als Kind aufgewachsen bin. Ich habe auch heute mit meinen 47 Jahren nie eine Beziehung mit einer Frau gehabt und kann auch heute noch nicht mit anderen Personen in einem Raum schlafen, von einigen Ehemaligen weiß ich von ähnlichen Problemen. Am liebsten hätte ich sicher damals das Internat verlassen, aber das konnte ich meinen Eltern nicht antun, die nun so viel Geld ausgegeben hatten.
Quelle:
http://www.derwesten.de/nachrichten/im-westen/Die-verlorene-Jugend-eines-Opfers-id2611410.html
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Mehr dazu im WDR Video unter:
http://www.wdr.de/tv/aks/sendungsbeitraege/2010/kw07/0218/missbrauch.jsp
Hallo,
aufgrund der Berichterstattung der letzten Wochen über die Schandtaten in der katholischen Kirche kam eine Erfahrung, die ich als Kind machen musste, wieder “hoch”. Ich bin jetzt 39 Jahre alt, damals vermutlich 10?!
Meine Eltern und ich fuhren immer wieder mit dem Autoreisezug der Deutschen Bahn (über Nacht) in Urlaub. Bei einer Fahrt gab es einen Schaffner, der Kinder der Fahrgäste zu sich in sein Abteil einlud. So auch mich. Ich weiß noch, dass wir ein paar Kinder waren bei diesem Reisezugbetreuer und ich saß auf seinem Schoss.
Er schob seine Hand nach recht kurzer Zeit in meine Hose. Aber es kam nicht zu einer Berührung meines Geschlechts.
Je mehr Gedanken ich mir nun darüber mache, desto mehr Gewicht bekommt dieser Vorfall für mich. Ich wundere mich, dass dieser “Betreuer” während seiner Arbeitszeit, wo er ja jederzeit von Zuggästen in Anspruch genommen werden konnte (Getränkeverkauf, Hilfe beim Aufbau der “Betten” in den Zugabteilen usw.), sich so sehr um Kinder “kümmern” konnte.
Ich spreche hier nicht von sexuellem Missbrauch oder Gewalt, wie es bei vielen anderen hier geschilderten Fällen der Fall ist. Aber ich sehe mich als Opfer einer tätlichen (?) sexuellen Belästigung – dieser Betreuer ist eindeutig zu weit gegangen mit seiner “Liebe zu Kindern”.
Ich will jetzt nicht gegen die DB vorgehen, zumal ich weder Namen des Betreuers noch das Jahr des Vorfalls weiß.
Aber ich will hier meine Erfahrung mitteilen – ich denke nicht, dass ich das einzige Kind war, welches er so “nett” auf seinen Schoss nahm…
Grüße Claus
Ich war noch keine 4 Jahre alt.
Ich habe lebenslänglich – lebenslänglich zu leiden unter den Folgen sexualisierter Gewalt, durch mehrere Täter, Folter im Kindesalter. Die Folgen: Todessehnsucht, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Ess- und Magersucht, Drogensucht, Tablettensucht, Alkoholsucht, Arbeitssucht. Von den Süchten abstinent bin ich seit mehr als 18 Jahren und zwar so lange, als ich begonnen habe über den Missbrauch zu reden, das Verbrechen offen zu machen. Trotz alledem habe mich auf den Weg der Genesung begeben, arbeite hart am wieder heil werden. Was ein grausam langsamer Prozess ist, welcher in diesem Leben nicht mehr abzuschließen sein wird.
Ich lebe ein Leben von geringen Einkünften. Bin dabei manchmal zufrieden, auch manchmal glücklich.
Kunst ist für mich die Möglichkeit, nicht an der Wahrheit zu sterben.
Die Albträume bleiben, die eigenen Schreie in der Nacht, die Ängste, all das Leid.
Hätte ich nicht die Kunst entdeckt, die mich immer wieder aus den Löchern zieht, das Grauen vergessen lässt, für Tage, Stunden, Minuten, könnte ich heute nicht mehr Leben.
Es ist nicht einfach damit umzugehen, es waren ganz schreckliche Erfahrungen, die mich mein ganzes Leben lang begleiten.
Leider trifft es viel zu viele, immer wieder und wieder.
Es fehlt die Anerkennung der Folgen dieser schrecklichen Taten, am Körper, an der Seele, durch die Gesellschaft, durch unseren Staat. Täter werden geschützt und die Opfer zum schweigen gebracht, das ist unmenschlich, ein Verbrechen. Täter bleiben auf freiem Fuß weil die Taten verjähren oder bekommen geringe Strafen, wir Opfer haben lebenslänglich. Lebenslänglich daran zu tragen.
Sagt es laut, hört Ihr anderen Opfer, sagt es laut was man euch angetan hat, es ist der einzige Weg den es gibt, die Verbrechen offen zu machen, hört niemals auf Euch zu wehren und über die Taten der Unmenschen zu sprechen.
SAGT ES LAUT!
Pia Survivor
Ich bin 55 Jahre alt und wurde im Alter von sechs und neun Jahren jeweils mehrfach missbraucht. Der erste Täter war der Großvater meiner Freundin, der zweite mein Bruder. Beide Geschehen habe ich trotz der Drohungen der Täter (“Ich mach’ dich tot!” – dies ist auch der Titel meines kleinen Buches) meiner Mutter “gebeichtet” (ja, ich hatte mein Leben lang schreckliche Schuldgefühle), aber sie hat mir nicht geglaubt und sich auf die Seite der Täter gestellt. Sie hat mich weiterhin in das Haus des Grauens geschickt und ich wurde weiterhin gequält.
Meine Kindheit wurde von ständigem Erbrechen begleitet und auch heute noch ist Erbrechen für mich ein Zeichen von totaler Überforderung, Unterdrückung und Zwang und die schlimmste Krankheit für mich.
Ich war nie in der Lage, eine Berufsausbildung abzuschließen, es waren immer zu viele Männer am Arbeitsplatz. Mein Abitur habe ich auf dem Mädchengymnasium zwar geschafft, aber ohne Ausbildung oder Studium fühle ich mich auch heute noch ziemlich wertlos.
Ich bin seit über 30 Jahren verheiratet und habe zwei Kinder. Ich habe all die Jahre ganz “normal” gelebt, die Missbräuche hielt ich für vergessen, und erst, als mein bester Freund mein Vertrauen missbrauchte, als ein Gefühl in mir hochkam, dass ich irgendwie zu kennen glaubte, brach ich komplett zusammen. Ich fiel in eine schwere Depression, hatte immer wieder Flashbacks, immer wieder kamen diese Bilder hoch, ich ertrug bestimmte Gerüche nicht mehr, nichts Klebriges an den Händen, ich war komplett eingeschränkt und kaum mehr lebensfähig.
Zum Glück geriet ich mit 51 Jahren an eine sehr gute Therapeutin. Wir arbeiten heute noch jede Woche miteinander und ich bin auf einem guten Weg.
Auch ich trete hier unter einem Pseudonym auf, weil ich Angst vor dem Täter habe, der noch lebt…
Elke
Mein Foto:
Wird es von mir nicht geben. Ich muss immer “noch” Angst haben vor meinem Bruder. Er ist schonmal in der Firma seines Schwiegervaters mit einer Pistole auf diesen zugegangen, Schlimmstes konnte gerade noch verhindert werden. Er ist schlichtweg unberechenbar und dem möchte ich mich nicht aussetzen.
Gefühlsbergwerk
bitte
schenkt mir ein gedicht
eins, das von warmer sonne spricht
eins, das von offenen fenstern erzählt
und das worte wie “heilwerden” erwähnt
Eins, das nicht vergisst
das ein gefühlsbergwerk zerriss
das stillgelegt wurde oder zerbarst
als es zu viele opfer fraß
und von augen, die im weinen keinen tag mehr sehen
von der beerdigung der kindheit, die konnte sie eh nie leben
und weißen kleidern die beschmutzt
von klebrigen schleim, heruntergeschluckt
bitte
schenkt mir ein gedicht
eins, das nicht überläuft, wenn es spricht
eins, in dem ich gefühle gieß
die man dem kinde nie zuließ
eins, das alles sagt und nichts verrät
eins, dass sich im boden vergräbt
durch das der ganze schmerz pfeiffen kann
wann hat das ende, ich frage euch, wann?
Sarah M.
(Auszug meines noch nicht fertigen Buches)
Ich bitte um Verständnis, dass ich weiterhin unter dem Pseudonym Sarah M. verstecke, da ich die rechtlichen Folgen bisher nicht hinreichend klären konnte bzgl. einer eventl. Klage an die damals verantwortlichen Ämter und Träger des Kinderheimes in dem ich aufwuchs, weil sie Ihre Fürsorgepflicht schwer vernachlässigten.
Ich bin (eine fast) 50 Jahre junge Frau, Erzieherin und Lehrerin im sozialen Bereich.
Ich wuchs in einem Heim auf, (von 0 – 1/2 Jahr Säuglingsheim, dann Umverlegung in ein Kinderheim )das ausschließlich von Klosterschwestern geführt wurde. Bis zu meinem 30. Lebensjahr war ich der festen Überzeugung, meine Mutter erst im Alter von 10 Jahren kennengelernt zu haben. Mit 30 erkrankte ich dann an einer colitis ucerosa, begleitet von mir unerklärlichen Depressionen. Ich begann eine Therapie, in der Annahme, dass die Schwermütigkeit durch meine damals eben erst zerbrochene Beziehung und der steten Trauer der Heimatlosigkeit rührten.
In der darauffolgenden 8 Jahre langen Therapiezeit holte mich das grauenhafte Trauma meiner Kindheit schmerzvoll ein.
Lange konnte und wollte ich nicht glauben, was da an Bildern hochkamen.
Oraler sexueller Mißbrauch im Säuglingsalter, bei dem ich fast erstickte, schwere sex.Mißbräuche im Alter bis 4 Jahren, die u. a. eine unübersehbare Narbe im Genital-bereich hinterließ, mit Alkohol zugedröhnt, gefesselt, geknebelt und mit dem Messer an der Kehle wurde ich wehrlos gemacht, damit man mich ungehindert weiter sex. misshandeln kann. Ich wurde in einer Großstadtmetropole herumgereicht wie ein Stück Fleisch, an dem man sich ungestraft bedienen kann.
Das Kinderheim ist bis heute noch nicht bereit, Stellung dazu zu nehmen, warum sie mich nicht geschützt haben vor meiner eigenen Mutter, die für all diese grauenhaften Missbräuche verantwortlich ist, da sie mich über all die Jahre wochenends zu sich holen durfte, und dies nutzte, um mich an x-beliebige Männer zu verkaufen.
Die sex. Missbräuche estreckten sich bis ins Alter von 10 Jahren, dann wurde meiner Mutter lt. Kinderheim untersagt, mich weiterhin die Wochenenden zu sich zu holen. Das hinderte sie aber nicht daran, ihr “Geschäft” mit mir fortzusetzen. Sie buchte sich ein Hotelzimmer in der Stadt und ließ mich dort sadistisch missbrauchen.
In einer Gegenüberstellung vor ca. 15 Jahren, entgegnete sie mir mit den Worten: “Was hätte ich sonst mit dir tun sollen, du warst doch zu nichts anderem zu wert”.
Meine Therapie liegt nun schon über 10 Jahre zurück, und wenn ich sonst in meinem Leben wenig mit Glück beschenkt wurde, mit meiner Therapeutin hatte ich dies in Übermaßen. Bei ihr lernte ich, endlich zu weinen, was ich im Heim nie durfte, und auch all die Jahre bis zur Therapie nicht konnte.
Bei ihr erlebte ich, dass es einen Raum gibt, wo all das Platz hat, woran ich damals fast erstickte, weil es mir den Atem raubte, weil es mich durchbohrte, weil ich fast wahnsinnig geworden wäre an dieser Wahrheit, die ich nicht glauben wollte.
Nimmt ein Kind Schaden davon? Ja, es nimmt Schaden davon, Missbrauchte sind anders! Verletzlicher, sensibler, misstrauischer. Aber ich habe gelernt, mich adäquat zu schützen, und mich um meine “inneren Kinder” zu kümmern.
Ich habe gelernt, das Schweigen zu brechen. Noch während meiner Therapiezeit weihte ich alle meine Freunde ein, damit sie wussten, womit ich mich gerade schmerzvoll auseinandersetze. Wie hätten sie sonst mit meinem Chaos, das während dieser Zeit in mir herrschte, umgehen sollen? Wie hätten sie meine Reaktionen auf (von außen betrachtet) Banalitäten einorden sollen? Ich kann nur jedem Mut zu sprechen, sich wenigstens den engsten Freunden zu outen. Ich hätte die lange Therapiezeit nicht überlebt, wenn ich von meinen Freunden nicht so getragen worden wäre, in Phasen, in denen ich mich selbst nicht mehr ertrug. Sie stärken und geben Halt, was gerade bei der Aufarbeitung solcher Horrorzeiten so wichtig ist.
Während meiner Therapiezeit habe ich Tagebuch geführt, um alles, was meine Seele nicht mehr schlucken konnte, von mir wegzuschreiben. Jetzt, 10 Jahre danach – bin ich dabei, diese Aufzeichnungen ins Reine zu schreiben, um es irgendwann einmal in einem Buch zu veröffentlichen (aus Sicherheitsgründen unter dem bekannten Pseudonym Sarah M.).
Wenn jemand mir Tipps bzgl. Verlage geben kann, die kostenlos mein Buch veröffentlichen, würde es mich riesig freuen.
Sarah M.
Hallo Täter im Jenseits,
Herr A. K. (Vater),
Herr St., Nervenarzt im Krankenhaus in S.,
sowie Hausmeister B. der Grundschule an der W.straße!!!
Hiermit spricht Maulwurf Wilma!
Hiermit schmeiße ich Euch die ganze Scheiße, die ihr mir angehängt habt, zurück!!
Ich bin unschuldig!
Mein Foto:
möchte ich im Moment nicht beilegen, weil es für mich zu angstbesetzt ist. Wenn ich etwas mutiger geworden bin, kann ich vielleicht ein Foto von mir als Kind beilegen, um zu zeigen, wie das Kind ausgesehen hat, dessen Vertrauen zu den Menschen so bitter enttäuscht wurde. Ich werde mal suchen.
Freundliche Grüße von Wilma
Meine Geschichte ist eine ganz normale Geschichte. Sie ähnelt der von ganz vielen Menschen, gestern und heute.
Aufgewachsen bin ich in einer Großfamilie in einem kleinen, idyllischen, nordwestdeutschen Dorf. Mit vier Jahren wurde ich von einem Bekannten meiner Eltern sexuell missbraucht. Dieser Mann war schmutzig, hässlich, er stank nach Schweiß, Tabak, Alkohol und Insektiziden. Besonders abstoßend waren seine Finger. Nikotingelb, schwielig, die Fingernägel lang, schartig und dreckig.
Äußerlich nahm ich wenig Schaden, eine genitale Blutung, die in Folge der Tat auftrat, wurde vom Hausarzt begutachtet, aber als unwesentlich abgetan. Damit war der Fall für meine Eltern, meine Großmutter und den Arzt offenbar erledigt.
Mental dagegen habe ich mich im Laufe des folgenden Jahres so verändert, dass ich mich heute nur noch schwer in die Vierjährige von damals hineinversetzen kann und nur noch wenig mit ihr gemeinsam habe. Sie ist für mich eine fremde Person geworden.
Ich habe früh erfahren müssen, wie böse Menschen sein können, verlogen, dass ich ihnen nicht entkommen kann und niemand mich schützt oder mir hilft.
Selbst längst erwachsene Menschen, die solche Erfahrungen machen müssen, sind danach häufig lange traumatisiert.
Kinder, gerade sehr kleine, werden durch so etwas physisch und psychisch schwer geschädigt. Viele werden damit nicht alt.
Und so kam es: Beim Eintritt in die Schule war ich zu einem anderen Menschen geworden.
Fortan war ich ständig auf der Hut. Potentiell “böse” Männer lauerten überall, viele ihrer Verhaltensweisen und Äußerungen begann ich als bedrohlich, anmaßend, grenzüberschreitend, anzüglich einzuschätzen. Ich vertraute niemandem mehr, nur noch mir selbst.
Bis weit ins Erwachsenenalter hinein versuchte ich, dem männlichen Geschlecht elegant und unauffällig aus dem Weg zu gehen ohne ins soziale Abseits zu geraten.
Die Frage “Und – hast Du einen Freund?” erzeugte Stress und großes Unbehagen. Was hätte ich denn sagen sollen?
Ich kann mich in Betroffene, die unter multiplen Persönlichkeitsstörungen leiden, sehr gut hineinversetzen. Ein klein bisschen schlechtere Lebensumstände, ein wenig zusätzliches Unglück und ich wäre jetzt wahrscheinlich schwer geisteskrank.
So passierte “nur” Folgendes: aus einem fröhlichen, aufgeschlossenen, kontaktfreudigen, lebensfrohen Kind wurde ein von Tics und schweren chronischen Krankheiten, von Depressionen, Selbstzweifeln, zermürbendem, ziellosen Hass, Anfällen von Selbstzerstörung, Grübelattacken und plötzlichen Stimmungsumschwüngen gebeutelter junger Mensch.
Sexualstraftäter, das waren damals “Söckse” (plattdeutsch “Solche”). Vorgeblich vollkommene Außenseiter. Dabei saßen “Söckse” in Wirklichkeit bei jedem Geburtstag an der Kaffeetafel. Und “missbrauchte” (eigentlich ein diskriminierender Begriff) Mädchen und Jungen in jeder Schulklasse. So wie heute auch.
Aber damals dachte ich – wie viele in der Kindheit sexuell misshandelte Menschen – ich sei die einzige Person, der so etwas passiert.
Erst nach und nach, nicht zuletzt durch meinen therapeutischen Beruf erkannte ich, wie viele Menschen von sexueller Gewalt betroffen und gezeichnet sind.
Und wie viele Täter es gibt.
Es gab nur ein Persönlichkeitsmerkmal, das sich bei mir damals nicht veränderte, sondern im Gegenteil sogar vollkommen in den Vordergrund rückte. Es war der Wunsch und die Fähigkeit, schnell viele Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und sofort Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden.
Ich nutzte diese Gabe aber nicht mehr wie vorher, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, sondern um mir schnell einen Überblick zu verschaffen und damit meine Umgebung kontrollieren und ihre Reaktionen vorhersehen zu können. Ich versuchte, die Distanz zwischen mir und den anderen zu vergrößern.
Ich wurde einsam.
Und eine traurige, ernste, distanzierte, reservierte aber exzellente Schülerin. Eine defensive, aber hartnäckige, wachsame, unablässige, genaue Beobachterin mit klarem Urteil. Ich stellte alles in Frage und glaubte nichts.
“Wissen ist Macht” wurde zu meinem Credo.
Heute bin ich überzeugt, dass mich damals nur das vor dem mentalen und körperlichen Ruin gerettet hat.
Lange Zeit habe ich meine Geschichte für mich behalten. Mir war klar, dass eine Offenbarung soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung zur Folge gehabt hätte.
Das war eine eher intuitive Entscheidung, mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen von heute kann ich sie reflektieren. Es war vollkommen richtig, dass ich mich damals niemandem anvertraut habe. Keiner hätte den Mut gehabt, mir zu glauben. Und erst Recht nicht, mir beizustehen.
Warum eigentlich nicht ?
Was ich mich immer wieder von Neuem frage ist : Weshalb neigen Menschen eigentlich dazu, vor der Tatsache, dass sexueller Missbrauch epidemische Ausmaße und für die Betroffenen und die gesamte Gesellschaft schwerwiegende Folgen hat, die Augen zu verschließen und warum versuchen sie, Personen, die offen bekennen, missbraucht worden zu sein von sich fern zu halten ?
Am „Nicht-Wissen“ kann es nicht liegen: Fast täglich wird in den Medien von sexueller Gewalt berichtet, auch im Privaten hören viele von diesen Fällen, es gibt eine Flut von Statistiken und wissenschaftlichen Veröffentlichungen dazu.
Hier der Versuch einer Antwort.
Denn auch in diesem Punkt ist meine Geschichte typisch.
Meine Eltern waren damals sehr jung, naiv, überfordert mit drei kleinen Kindern und ihrem Betrieb, freundlich aber leichtsinnig und etwas oberflächlich.
Meine Großmutter und unserer Hausarzt dagegen waren ganz anders – besonnen, erfahren, misstrauisch und tatkräftig.
Alle diese Erwachsenen waren typische Vertreter ihrer Generation, normal im Sinne von durchschnittlich.
Meine Mutter ist mitten im 2. Weltkrieg geboren, in schwierige Familienverhältnisse hinein. Sie konnte nie eine gute Bindung zu ihrer späteren Adoptivmutter aufbauen, meiner Großmutter und auch nicht zu mir.
Mein Vater war freundlich, geduldig, aber sehr zurückhaltend – “defensiv” nennt man diese Haltung heutzutage.
Je älter ich wurde, desto schlechter wurde der Kontakt zu ihm.
Meine Großmutter, die eigentlich die Mutterrolle für meine Geschwister und mich eingenommen hatte, war im wilhelminischen Geist erzogen worden und später eine glühende Anhängerin Adolf Hitlers. Gemäß dem damaligen Weltbild waren Frauen dazu da, zu arbeiten, zu gehorchen, zu dienen, Kinder zu gebären und aufzuziehen. Sie waren nur unwesentlich mehr wert als das Vieh. Männer dagegen waren von Natur aus und ohne Frage großartig und überlegen. Die Krone der Schöpfung, das Wichtigste auf der Welt.
Frauen waren nichts, Männer alles.
Meine Großmutter hat diese Einschätzung sicher nie wirklich geteilt, aber sich gefügt.
Aus ihren Erzählungen schließe ich heute, dass sie ebenfalls als junges Mädchen sexuell missbraucht worden ist. Sie hatte deshalb wahrscheinlich nicht die Kraft oder nicht den Mut, mich zu schützen. Hat mich aber später in allem, was ich machte und plante unterstützt.
Der Arzt schließlich hatte während des zweiten Weltkrieges und danach gelernt, viel von dem was er sah und tat zu verdrängen und zu leugnen. Möglicherweise hat er mir mit dem “Nicht-Hinsehen” etwas Gutes tun wollen. Er wusste, was mir und meiner Familie bei bekannt werden des Missbrauchs geblüht hätte, nämlich Ausgrenzung und üble Nachrede.
Aber vielleicht war er auch selber Täter. So wie viele seiner Generation geprägt von der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus und gezeichnet vom Krieg.
Die Erwachsenen waren also schwach, unreif, selbst betroffen, hatten ein schlechtes Gewissen oder Angst vor der Wahrheit.
Genau dieses Profil trifft auch heute noch auf viele Menschen zu, wenn es um sexuelle Gewalt geht.
Ich habe Abitur gemacht, einen Beruf erlernt, bin selbstständig und erfolgreich. Ich habe geheiratet und einen Sohn bekommen. Oberflächlich betrachtet ist mein Leben gelungen.
Aber es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mir nicht wünschte, nie geboren worden zu sein. Meine Ehe ist gescheitert, eine neue, weitere Beziehung einzugehen, kann ich mir nicht mehr vorstellen.
Ohne die preußische Disziplin, die meine Großmutter mir vorgelebt und eingeimpft hat und die auch immer eine gefährliche Nähe zur Selbstverleugnung hat, könnte ich keiner meiner ganz normalen Verpflichtungen nachkommen.
Was mir in Folge der Tat verloren gegangen ist, ist die Fähigkeit die tägliche Dosis körpereigener Glückshormone zu produzieren, die “normalen” Menschen hilft die Realität soweit auszublenden, dass sie es in der Welt, die uns umgibt aushalten können. Deren Produktion wird in Folge von Traumatisierungen gedrosselt wie ich heute weiß, der Hirnstoffwechsel gerät aus dem Gleichgewicht.
Betroffene sehen die Welt, so wie sie ist und was sie sehen, ist häufig alles andere als schön.
Verschiedene Therapien, zum größten Teil privat von mir finanziert, auch als Teil einer beruflichen Weiterbildung, haben immerhin dazu geführt, dass ich mich entschlossen habe zu handeln, statt zu verdrängen und zu resignieren. Auch wenn ich meine Vergangenheit nicht ändern kann, kann ich dazu beitragen, dass das, was mir geschadet und meine Lebensfreude und meine Lebensqualität mindert, offenbar wird und sich etwas weniger an anderen wiederholt.
Jeder sachliche Bericht über sexuellen Missbrauch, jeder überführte und verurteilte Täter, jede Initiative ist für mich ein Triumpf über die gegenwärtige und vergangene Ignoranz meiner Mitmenschen.
Das gibt mir viel Kraft.
Selbstvertrauen und ein Gefühl von Selbstwirksamkeit konnte ich im Laufe der Zeit aufbauen, mein Selbstwertgefühl und mein Selbstbewusstsein blieben bis heute zerstört. Ich weiß, wie man selbstbewusst auftritt, aber ich empfinde mich nicht so. Auch das habe ich mit vielen Betroffenen gemeinsam.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ich es noch erleben könnte, dass Menschen in meiner Umgebung sexuelle Umgangsformen und Normen entwickeln, die die Bezeichnung “Kultur” verdienen und die primitive, konsumierende, menschenverachtende sexuelle Übergriffigkeit, die ich als Bedrohung für unsere Gesellschaft ansehe, langsam aus unserem Leben entfernen.
Angelika Oetken Berlin, den 15.2.2010
I
Mein schwules Comming Out hatte ich erst, als ich schon mitte zwanzig war. In der Zeit davor hielt ich mich für heterosexuell. Ohne zu begreifen, dass ich in Wahrheit Gefühle von mir und meinem bewussten Erleben abgespalten hatte, die gewöhnlich für andere Menschen leicht zugänglich waren. Die Sexualität war nur ein einziger Aspekt dieser Abtrennungen.
Körperlich machten sich in unterschiedlichen Situationen immer wieder Schwitzen, Zittern und Herzrasen bemerkbar, ohne dass ich damit eine Emotion in Verbindung brachte. Dass alleine der Umstand in einer Situation zu leben, mit der man unzufrieden ist, Dauerstress bedeuten kann, war mir ebenfalls nicht bewusst.
Es war sogar über viele Jahre schwierig für mich, alltägliche Gefühle in Worte zu kleiden. Zugleich wurden immer wieder Rechtfertigungen von mir (über mein Verhalten, Bedürfnisse, Wünsche) gefordert, die ich nicht liefern konnte.
II
Der Täter, den ich nach dem Coming Out über eine Kontaktanzeige kennengelernt hatte, wusste als einziger davon, dass ich als Kleinkind sexualisierte Gewalt überlebt hatte. Ich war wieder dazu in der Lage, mich daran zu erinnern, und erzählte eines Tages ausgerechnet ihm davon. Er nutzte meine Scham- und Schuldgefühle, alte Verhaltensmuster, meine verzerrte Wahrnehmung der Welt die ich als komplex traumatisierter junger Mann mitte 20 in den 90ern aufwies zu seinem Vorteil.
Ihm war auch bekannt, dass ich 6 Jahre lang nicht gewohnt hatte, sondern in einer „Einrichtung“ untergebracht gewesen bin, dass ich in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen war. Ein „normales“ Leben und Miteinander kannte ich kaum. In meinem Wissen über Alltagserfahrungen und Erfordernissen klafften gewaltige Lücken.
Link: http://www.forsea.de/projekte/2004_marsch/marsch_g_keitel.shtml
Über vieles, was in meinem Leben passiert war, traute ich mich nur in meinem engsten Umfeld auszutauschen. Und auch da blieb es bei Ausnahmen, denn ich wurde zu schnell danach be- und verurteilt. Was nicht sein sollte, durfte nicht sein – was ich erzählte, interpretierten andere scheinbar als übertrieben und unrealistisch.
Im November 1999 fuhr er mit mir im Auto gegen einen Baum. Um uns beide zu töten, wie ich zum Zeitpunkt seines Verbrechens fest überzeugt war.
Unterwegs wiederholte er mit monotoner Stimmer immer wieder „Ich will alles noch einmal sehen!“ während ich protestierte, weil ich im Schieberollstuhl Rückenschmerzen bekam. Er sagte immer wieder nur: „Ich will alles noch einmal sehen!“
Stunden zuvor waren wir in Rüsselsheim bei Bekannten. Dort saßen wir bis spät in der Nacht.
Das eine oder andere Bier wurde geleert, Schnaps machte die Runde, Musik lief, etwas von „The Clash“. Für Wärme sorgte ein Ofen, in dem Holz brannte. Es wurden Zigaretten geraucht und geredet.
Fast alle meine Freunde waren aus meinem Leben geekelt, somit waren die Rüsselsheimer der traurige Rest, zu dem ich in dieser Zeit persönlichen Kontakt hatte. Isolation zog sich durch mein ganzes Leben, schon immer.
Der Schuldige, Bernhard Wierum (damals noch in den 40ern), der, bevor er sich bei mir einnistete in Bad Salzuflen bei seiner Mutter gelebt hatte, verhielt sich an dem Abend des „Autounfalls“ ungewöhnlich.
Er war still, wo ich sonst kaum einen Satz von mir geben konnte ohne unterbrochen zu werden. Der erwerbslose frühere Sozialarbeiter „Bernd“ (wie er gerufen wird) trank auch nicht – wie sonst für ihn üblich – übermäßig viel Alkohol, sondern war nüchtern.
Er wusste da bereits, dass er nicht mehr lange in meiner Wohnung bleiben würde, weil ich mir Hilfe geholt hatte. In der Not hatte ich den Rechtsanwalt aus Mainz, Rainer Aßmann, als rechtlichen Betreuer beauftragt. Alleine konnte ich mit Wierum nicht fertig werden und aus der Wohnung bekommen, also setzte ich meine Hoffnungen auf den Anwalt.
Meine Behinderung, Muskelschwund, ist fortschreitend. Ich nutze heute ausschließlich den elektrischen Rollstuhl, weil in meinen Armen keine Kraft zum Bewegen eines manuellen Rollstuhls ist. Meinen Tee trinke ich durch einen Strohalm.
Das Zunehmen der Muskelschwäche läßt sich verlangsamen, indem ich ein wenig auf die Ernährung achte und regelmäßig Physiotherapie betreibe. Was einmal kaputt ist, läßt sich jedoch nicht wieder herstellen. Die Muskelkraft ist dann unwiederbringlich verloren.
Laufen konnte ich noch bis ich Anfang 20 war, auch wenn meine Arme bereits als ich Teenager war sehr schwach wurden. Theoretisch könnte ich aber, mit etwas Rücksicht auf meine spezielle Form der Muskelsystrophie, ein hohes Alter erreichen, was meine Mutter im Gespräch mit anderen Menschen bestritt. Sie betonte immer wieder, ich würde jung sterben.
Wenn ich mich mit anderen über meine Mutter unterhielt, wurde ihr oft recht gegeben. Ich wurde für krank – sogar für totkrank – gehalten. Für jemanden, der sein Schicksal leugnen will. Dabei macht mir der Tod keine Angst. Wenn es für mich soweit ist, wie für jeden anderen Menschen irgendwann, werde ich ihm entgegensehen.
Diese Reaktionen auf meine Gesprächsversuche bauten eine weitere Hürde für mich auf. Zumal sich in der Vergangenheit mehrmals Gerüchte ausgebreitet hatten und ich deshalb von Gleichaltrigen als Kind gemieden wurde. Ich wusste damals nicht einmal, warum. Als Kind wurde nicht mit mir darüber geredet, daß ich eigentlich sehr jung sterben sollte.
Warum es zu dieser Illusion kam, bringe ich mal so auf den Punkt: Meine Mutter wollte schlicht und einfach nicht, daß ich lebe. Etwas, was sie sich selbst gegenüber wiederum nicht eingestehen wollte und bis zu ihrem eigenen Ableben trotz anderslautender Bescheinigungen von Fachärzten vertrat. Ob es damit zusammenhängt, daß sie etwas von dem wusste, was ich als Kleinkind erlebte, werde ich wahrscheinlich nie erfahren.
Ich verabschiedete mich 1999, mit Ende 20, draußen in der Kälte von den Rüsselsheimer Bekannten.
Bernhard Wierum drängelte um mich mit dem faltbaren Rollstuhl in mein Auto, einen umgebauten Ford Escort, zu schieben. Das Hetzen war seine Gewohnheit mir gegenüber.
Das Dach vom hinteren Teil des Wagens war in der Höhe nachgerüstet und innen mit herausziehbaren Gurten versehen, mit denen der Rollstuhl für die Fahrt fixiert wurde. Außerdem ließ das Auto sich per Knopfdruck absenken, damit es mir Rollstuhl befahrbar wurde.
Wir verließen Hessen, gelangten bald nach Rheinland-Pfalz und kamen vor meiner Wohnung an… Darüber war ich erleichtert, denn ohne den Recarositz meines elektrischen Rollstuhls bekam ich auf Dauer unangenehme Rückenschmerzen. Der Schieberollstuhl war damals schon ein Notbehelf. Heute kann ich ihn aufgrund der körperlichen Verschlechterungen gar nicht mehr nutzen.
Ohne Ankündigung startete Bernhard Wierum erneut das Auto und fuhr unter meinen Protesten los. „Ich will alles noch einmal sehen!“ war das letzte, was er zu mir sagte.
Als wir uns auf der Autobahn befanden, ließ er andere Verkehrsteilnehmer hinten auffahren und fuhr selbst mutwillig gegen Autos, von denen es um die Uhrzeit zum Glück nur wenige auf der Straße gab.
Ich wurde hinterm Fahrersitz im Rollstuhl sitzend, mit dem Bauchgurt angeschnallt, herumgeschleudert. Das war auch seine Absicht.
Während der Fahrt fuhr er gezielt Schlingerbewegungen, bei denen ich mit dem Oberkörper links und rechts gegen die Innenseiten des Wagens knallte oder nach vorne geschleudert wurde. Dabei erlitt ich Verletzungen.
Wie „Bernd“ gegen den Baum steuerte sah ich nicht, weil mir da meine Jacke über den Kopf hing.
Ich schrie in Panik „NEIN!!“, weil ich den Eindruck hatte, er wollte das Gefährt erneut starten. Doch er stieg aus und lief auf die Straße, vor ein anderes Auto.
Ich hörte Bremsen quietschen und Flüche von einem aufgebrachten Fahrer.
Natürlich konnte ich selbst das Fahrzeug nicht verlassen.
Erst kam die Polizei, später öffnete die Feuerwehr gewaltsam das Auto, weil sich die Karosserie verzogen hatte. Wie sie dabei vorgingen, konnte ich nicht sehen, weil ich mit dem Rücken zu ihnen saß. Wenn ich mich richtig erinnere, qualmte die Front des Wagens. Wahrscheinlich stand ich unter Schock.
Mein Auto hatte einen Totalschaden.
Bernd Wierum und ich kamen in unterschiedliche Krankenhäuser.
III
Wie der Mainzer Rechtsanwalt Rainer Aßmann in einem Schreiben bestätigte, hatte mich Herr Wierum systematisch von der Außenwelt abgeschirmt. Dazu nutzte er auch meine Hörbehinderung, indem er das Telefon leise stellte oder die Haustürklingel ganz ausschaltete.
Meine Versuche, mich mit Leuten zu unterhalten, konnte er leicht unterbrechen weil ich oft leise spreche und meine Aussprache „verwaschen“ ist. Und wir lernen ja: wer nicht richtig sprechen kann, ist nicht richtig im Kopf. Wenn ich protestierte, ignorierte er mich einfach, auch vor Zeugen. Da ich kaum Erfahrungen im normalem Umgang mit anderen Menschen hatte, wurde mir das erst recht zum Verhängnis. Meine Naivität wurde immer wieder gegen mich interpretiert.
Wierum nutzte über 3 Jahre die schweren Depressionen, Unsicherheiten und Schlafstörungen aus, unter denen ich phasenweise schon immer litt. Ich verdrängte alles mögliche. Doch die Symptome von unterschiedlichsten Missbräuchen traten trotzdem bei mir auf.
Je mehr er mich stresste, demütigte und auf mir herumgehackte, desto handlungsunfähiger wurde ich. Völlig erschöpft an Körper und Seele, schlecht ernährt und ohne Physiotherapie, dafür aber ununterbrochen unter Druck, konnte ich bald gar nicht mehr handeln und entscheiden. Dieser andauernde Stress war sogar für mich zu viel.
Bernhard Wierum nervte und quengelte wegen jeder Packung Vollkornnudeln oder frischem Gemüse das ich aus dem Regal holen lassen wollte, er war nicht zu stoppen. Er selbst ging regelmäßig in die Mensa der Universität Mainz. Letztlich war die Küche zuhause dermaßen verdreckt, daß ich mich nur an Aufbackpizzen aus dem Ofen traute. Für mich gab es nur die billigsten Pizzen (!), meine Unversehrtheit war für den Herrn Wierum nichts wert.
Entgegen kam ihm das Vorgehen des damaligen Sozialamtes.
Als ich eine Erbschaft erhalten sollte, stoppte das Amt spontan alle Zahlungen für mich und meine Assistenz („Helfer“), so dass ich auf Wierum angewiesen war, um zur Arbeit gefahren zu werden. Wie bereits angedeutet saß ich hinten im Auto und nicht selbst am Steuer. Und selbst wenn ich hinterm Lenkrad gesessen hätte, hätte ich Assistenz gebraucht um aus dem Bett gehoben zu werden.
Die Erbschaft konnte ich zunächst gar nicht einlösen, weil ich dazu die notarielle Beglaubigung durch den Notar meines Halbbruders benötigte. Er meinte mir einen Gefallen damit zu tun, wenn er das Auszahlen verzögerte. Aber er wusste nicht, daß beeinträchtigten Menschen ihr Vermögen praktisch weggenommen wurde und wird.
Link: http://www.forsea.de/projekte/Teilhabesicherunggesetz/THSG_start.shtml
Meine Assistenten verschwanden nach und nach, sie wurden hinausintrigiert. Zur Art meiner Versorgung mit Assistenten werde ich gleich noch mehr schreiben, im Zusammenhang mit den Kapitalverbrechen von Herrn Bernhard Wierum.
Als ich einmal versuchte, mein Leben zu beenden, rief Bernhard keinen Notarzt. Er war sich darüber im Klaren, dass sonst sein Vorgehen mir gegenüber auffliegen würde und er nach Bad Salzufflen zur Mutter zurück musste.
Was mir im ersten Jahr mit ihm leider nicht klar wurde, war dass er mich scheinbar auch leidend und angeekelt sehen wollte. Er hatte seinen Spaß daran. Wenn ich mir andere Fälle durchlese die als sexualisierte Gewalt bezeichnet werden, war Wierum nah an der Grenze zu dieser Form des Mißbrauchs. Um keine Leser und mich selbst unnötig zu triggern gehe ich nicht ins Detail. Aber die ganze Wohnung stank aufgrund einer sexuellen Vorliebe, die er mir nie selbst gestanden hatte. Von ihm kamen nur Andeutungen, die ich sehr unappetitlich fand.
Wenn die Angelegenheit mit der Erbschaft nicht in mein Leben getreten wäre, hätte ich ihn wieder zurück nach Bad Salzufflen schicken können. Das Fass war gerade am überlaufen, ich wollte längst nichts mehr von ihm wissen. Die „Beziehung“ war keine und hatte noch nicht einmal das erste Jahr überlebt. Doch durch die Erbschaftsangelegenheiten und der Reaktion des Sozialamtes gewann er wieder Oberwasser über mich. Unter anderem deshalb weil ich zur Arbeit ins Büro musste.
Ganz zu schweigen davon, daß seine Hemmungen weiter sanken, je mehr Menschen er aus meinem Leben bekam.
IV
Ich erhielt 10 Jahre später Unterlagen von meiner früheren Rechtsanwältin Nicole Banten, denn sie gab den Fall Wierum ab. Die Vollstreckungsangelegenheit konnte nicht vollzogen werden, weil der seit Anfang 2000 gesuchte Arbeitslose sich nicht an der gemeldeten Adresse aufhielt. Außerdem geht aus ihrem Schreiben an mich hervor, dass er vermeidet Arbeitseinkommen zu erzielen. Er beabsichtigt immer Hartz 4 zu beziehen.
Einer Kopie (Datum: 10.11.99) meines ehemaligen rechtlichen Betreuers, Rainer Aßmann, läßt sich entnehmen, dass meine beiden Konten sogar im Haben waren. Dies war auf Herrn Wierum zurückzuführen, der sie mit gefälschten Unterschriften komplett leergeräumt hatte. Mir fehlte danach das Geld für Essen, Miete, Heizung, Telefon etc.
Zwei Konten hatte ich damals, weil ich als einer der ersten in Mainz das „Arbeitgebermodell“ praktizierte. Das bedeutete, ich suchte und beschäftigte meine Assistenz selbst. Als behinderter Arbeitgeber, der sich seine Assistenz („Pfleger“) selbst organisierte, hatte ich zu dieser Zeit hohe Summen auf dem Konto der Sparkasse.
Ich kann selbst schreiben und telefonieren, was Herr Wierum in einer ohne mein Wissen geführten Korrespondenz mit dem Wohnungsamt abstritt. Als er belastende Unterlagen verschwinden ließ, muss er dieses Dokument übersehen haben, sonst hätte ich es nicht finden können. Anderes Beweismaterial wurde von ihm offensichtlich vermichtet.
Außerdem hatte er mich ja bei verschiedenen Behörden angeschwärzt, Freundschaften und Kontakte gezielt zerstört und Lügen verbreitet. Er hat mich über Jahre hinweg körperlich zerstört und psychisch traumatisiert. Ermöglicht wurde dies durch Umstände, die ich nicht selbst verschuldet habe. Er wurde zwar wegen einem kleinen Teil seiner Verbrechen verurteil, aber Konsequenzen musste er dafür nicht tragen.
Es war nie meine Absicht, ihn zu beschäftigen, wie er es mit viel Druck und Erpressung letztlich aber erreicht hatte. Bernhard Wierum nutzte eine Notlage aus und inszenierte weitere Notlagen. Mein Leben war gefährdet, meine Unversehrtheit läßt sich nicht wieder herstellen.
Ein weiteres Beispiel seiner hemmungslosen Dreistigkeit findet sich in den Kopien des Schreibens seiner ehemaligen Rechtsanwältin und Betreuerin Anne-Marie Trakies, aus denen hervorgeht, daß er für seine „Arbeit“ doppelt kassieren wollte, über 25.000 DM, die ich ihm zahlen sollte. Wenigstens das gelang ihm nicht.
Ich lebe von der Grundsicherung, die an die Hartz 4-Sätze angelehnt ist, weil ich mich berenten lassen musste. Durch die Verschleppung des RA Rainer Aßmann wurde ich weder entschädigt noch wurden die Anzeigefristen für die meisten Verbrechen des Herrn Wierum eingehalten.
Herr Aßman wird von der Betreuungsbehörde Mainz nicht mehr vermittelt, weil er für sein Geklüngel mit dem Pflegedienst Christa Bernhard bekannt wurde, über den er übrigens auch auf mich andere Betreuungsfälle ansetzte.
V
Folgendes schrieb ich am 14. Januar 2010, etwas mehr als 10 Jahre nach dem „Unfall“, in meinemm Anschreiben an den WEISSEN RING:
„Regressansprüche gegen Betreuer und Anwalt Rainer Aßmann
Sehr geehrter Herr Wolsfeld,
aus den Kopien, die diesem Schreiben beiliegen, geht teilweise hervor, in welcher Weise Herr Aßmann, den ich in einer Notlage als rechtlichen Betreuer beauftragen musste, meine Rechte mißachtet und meine Lage ausgenutzt hatte. Zum einen hat er sich vor den Täter Bernhard Wierum gestellt, gegen den er mich eigentlich vertreten sollte, zum anderen hat er andere Betreuungsfälle als Assistenz („Pflege“) bei mir eingesetzt. Diese waren zum Teil sehr schwierig. Zu der Zeit, als ich Herrn Wierum überlebt hatte, war ich traumatisiert und hatte keine psychologische Unterstützung bekommen.
Diese Kopien habe ich mit einer kurzen Schilderung meiner damaligen Lage am 12. Januar an das Arbeitsamt Salzuflen geschickt, bei dem Herr Wierum, wegen dem ich Herr Aßmann beauftragen musste, vermutlich gemeldet ist. Bernhard Wierum wurde wegen den meisten seiner Verbrechen nicht belangt, weil sich Herr Aßmann ohne mein Wissen geweigert hatte, für mich tätig zu werden. Ebenso hat er ohne mein Wissen die Assistenzstunden aus heiterem Himmel um die Hälfte gekürzt, weil ich mit seinen Fällen nicht klar kam. Diese hatte er auf mich angesetzt.
Ich würde gerne mit Ihnen einen Termin zur Beratung ausmachen, um zu sehen, was sich noch in dem Fall meines ehemaligen Betreuers Aßmann bzw. Wierum machen läßt. Es wäre wünschenswert, wenn Herr Aßmann seine Position in Zukunft bei anderen Menschen nicht mehr ausnutzen kann.
Mit freundlichen Grüßen
(Manfred Keitel)
- Anlagen“
Dies ist die Antwort vom weissen Ring, die mich mit der Post erreichte:
„Sehr geehrter Herr Keitel,
über den Leiter unserer Außenstelle Mainz erreichte uns Ihr Hilfeersuchen vom 14.1.2010. Wir bedauern, dass Sie sich erheblichen Problemen ausgesetzt sehen, müssen Ihnen jedoch mitteilen, dass auch dem WEISSEN RING Grenzen gesetzt sind und wir keine Hilfsmöglichkeiten sehen.
Wir bitten um Verständniss und verbleiben
Mit freundlichen Grüßen
Edith Dykta“
VI
Während ich über meine Erfahrungen schreibe, bekomme ich Schweissausbrüche, Schlafstörungen, Herzrasen und Kopfschmerzen. Dabei ist es für mich wichtig, aus dem Bett zu kommen, schon deshalb, weil Bettlägerigkeit das Nachlassen der Muskelkraft zur Folge haben kann.
Dabei bin ich „nebenbei“ immer wieder mit anderen Diskriminierungen konfrontiert, solche wie sie auch hier formuliert sind:
Link: http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,10727/ticket,g_a_s_t
Link: http://kobinet-nachrichten.org/
Mein Fazit: Wer einmal in Schwierigkeiten ist, gerät in Gefahr, in immer neue Probleme hereingezogen zu werden. Weil ich aufgrund der Verwahrlosung mit einem schnellen Abbau meiner Körperkräfte leben muss, sitze ich im Rollstuhl.
Anderen Überlebenden empfehle ich, Geduld mit sich selbst zu haben und sich möglichst gut zu behandeln. Ihr hab besseres verdient!
Guten Tag Herr Denef,
wir haben vor langer Zeit mal miteinander geschrieben. Da habe ich Ihnen erzählt, dass auch ich missbraucht wurde.
Über ca. sieben Jahre… Mit Programm. Punkte setzen und so.
Ich mache eine ambulante Traumatherapie, die sehr hart ist… Aber langsam hilft sie.
Es ist 30 Jahre her, der ganze Mist und ich leide immer noch wie ein Tier. Bin jetzt auf Rente für zwei Jahre und mein Leben ist ein Chaos.
Da ich auch multiple bin, ist es sehr schwer… Ich kann es einfach nicht vergessen, das Ganze.
Besonders jetzt ist es wieder so schlimm, wo die Dinge mit der Katholischen Kirche wieder so nahe sind.
Ich finde es gut, dass es raus kommt!
Aber was kann man machen, das alles ans Licht kommt?
Würde so gerne helfen, aber wie??
Also bei mir lief der Missbrauch in der Familie. Drei Männer, deren Gesicht ich nie gesehen habe – schwarze Masken und so…
So ich kann nicht mehr.
Ich wünsche ihnen ganz viel Kraft für ihre tolle und so wichtige Arbeit.
Wenn ich nur was machen könnte, dass das endlich aufhört, der Missbrauch und das Verschweigen.
Alle austreten aus der Kirche oder so?
Ich bin schon lange nicht mehr in der Kirche.
Oder eine Demo?
Lg Jürgen Scherr
(Damals noch Frerichs, habe den Namen von meiner Frau angenommen. Ich will so nicht mehr heißen, Frerichs, ich hasse diesen Namen)
Sehr geehrter Herr Denef,
da auch ich – jetzt 78 – als 16-Jähriger von einem katholischen Priester missbraucht wurde, ist es auch mir ein Anliegen, alles zu tun, um diese Missstände zu beseitigen. Die Missstände sind ja nicht die Schuld einzelner, sondern sie sind Folgen einer völlig verfehlten Einstellung der katholischen Kirche zur Sexualität. Leider sind die meisten dafür Verantwortlichen nicht imstande, die “Zeichen der Zeit” zu erkennen.
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Wir bitten Sie um Ihre Hilfe!
Bochum, 24.01.2010
Sehr geehrter Herr Denef,
wir schreiben Ihnen als Hinterbliebene unseres Lebensgefährten, Freundes und Papas Daniel Bongardt, der sich im Alter von 39 Jahren am 2. November 2009 das Leben genommen hat.
Daniel litt seit ca. zweieinhalb Jahren extrem an den Folgen sexualisierter Gewalt, die er seiner Meinung nach während eines Kinder-Kuraufenthaltes im damaligen Kurheim in Niendorf/Ostsee (Timmendorfer Strand) erlebt hat. Während des sechs Wochen dauernden Aufenthalts als sechsjähriger Junge, soll er auf bestialische Weise missbraucht, vergewaltigt, gefoltert und gequält worden sein.
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Mein Buch “Ich wurde sexuell missbraucht” ist nicht mehr über den Buchhandel zu bestellen, da ich die restlichen Exemplare von meinem Verlag erworben habe.
Ich habe wieder das Recht über mein Buch, meine Geschichte, selbst zu bestimmen – ich wollte frei sein.
Den Erlös meines Buches verwende ich für die Beschwerde an den Europäischen Gerichtshof. Für den Betrag von 10,- Euro, zuzüglich 3,- Euro Versandgebühr können Sie Exemplare bestellen unter:
norbert@denef.com
Sobald Sie mir Ihre Lieferadresse senden, schicke ich Ihnen die gewünschte Menge. Die Bankverbindung stelle ich Ihnen auf Nachfrage zu.
Klappentext:
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Leseprobe aus dem Buch “Ich wurde sexuell missbraucht” von Norbert Denef
Die Schweigeklausel
Ein Verantwortlicher des Bistums Limburg teilte mir in einem Telefongespräch mit, dass jedes Bistum über zwei unterschiedliche Aktenarchivlager verfügt. Eines davon ist streng geheim, zu dem nur der Bischof oder ein von ihm Beauftragter Zugang hat. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es keine Unterlagen über die Gründe der Versetzungen mehr geben sollte.
Pfarrer K. wurde in folgende Gemeinden versetzt: Propstei zu Halle, Droyßig, Delitzsch, Nordhausen, Langenweddingen, Hecklingen, Wittenberg-Pisteritz und Niedertiefenbach. Er meinte, es sei auffällig, dass ein Pfarrer von Delitzsch nach Nordhausen und damit in ein anderes Bistum versetzt worden sei. Diese Tatsache lege den Gedanken nahe, dass es sich dabei um eine Versetzung aus einem bestimmten Grund handelte.
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Ein Theaterstück
von Wolfgang Spielvogel
mit Viktor Vössing
Der Text basiert auf Denefs autobiografischem Bericht: “Ich wurde sexuell missbraucht”.
Wolfgang Spielvogel schrieb “Alles muss raus” für das Frankfurter Autoren Theater
Das Theaterstück dauert 30 Minuten und wird mit anschließender Gesprächsrunde (Publikum, Regisseur, Schauspieler und Norbert Denef) für Schulen, Hochschulen und sonstigen Einrichtungen als Projekt angeboten.
Es wird finanziell unterstützt vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.
Anfragen für Gastspiele in Ihrer Einrichtung richten Sie bitte an: … den ganzen Beitrag lesen »
E-Mail norbert@denef.com
oder Telefon: 04503 892782