Beschwerde
Beschwerde an den Europäischen Gerichtshof gegen die Ablehnung der Petition ‘Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufheben’ durch den Deutschen Bundestag
Unterschriften bisher:
11.201
Beschwerde an den Europäischen Gerichtshof gegen die Ablehnung der Petition ‘Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch im Zivilrecht aufheben’ durch den Deutschen Bundestag
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“Sexualisierte Gewalt ist Seelenmord – ihn mit Liebe zu vergleichen, ein Verbrechen.” (Norbert Denef)
Mehr dazu unter:
Jetzt bricht eine neue Ära an – Opfer stehen für sich ein
Bis zu 25 Prozent der Bevölkerung sind Opfer sexualisierter Gewalt. Es reicht!
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Von Thomas Meier, Zürich, 23.02.2001
Erschreckende Tatsachen treten zutage, wenn man frühere Veröffentlichungen Daniel Cohn- Bendits genauer studiert. Der damalige militante Achtundsechziger, Wortführer der anti- autoritären Studentenbewegung in Frankreich und Deutschland und heutige prominente Grünen-Abgeordnete im Europa-Parlament, beschrieb in seinem Memoiren-Band «Der grosse Basar» ausführlich seine sexuellen Erlebnisse mit fünfjährigen Kindern.
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psychologie-aktuell.com 7.03.2010
Sexueller Missbrauch in der Psychotherapie wird nach wie vor vielfach unterschätzt und geleugnet. In einer Studie räumten weniger als ein Prozent der befragten Psychotherapeuten ein, “sexuelle Bedürfnisse mit der Klientel” auszuleben; doch 55% “gaben an, in den letzten fünf Jahren mindestens einen Fall mit einer sexuellen Missbrauchs-Vorgeschichte durch einen Therapeuten behandelt zu haben”, berichtet die Psychologin Angelika Wagner-Link (München) in ihrem neu vorgelegten Taschenbuch “Frauen und Männer – Gender in der Psychotherapie”.
“Die Wiederholungstäter sind mit einer Quote von 80% extrem häufig. Ihr hoher Anteil zeigt, dass das Phänomen weniger auf Emathiefehler als auf gezieltes Handeln der Täter zurückzuführen ist. Es scheint sich dabei nicht um ein spontanes Fehlverhalten, sondern um ein gezieltes Vorbereiten und Durchfühern zu handeln.
“ Häufig geben Betroffene eine therapeutische Motivation vor. Demgegenüber belegt Wagner-Link, dass es sich grundsätzlich um eine Straftat und einen für die Patientin hoch riskanten Kunstfehler handelt. Oft besteht eine “traumatische Bindung an den Täter fort”, das Selbstvertrauen – insbesondere das Vertrauen in die eigene Wahrnehmungsfähigkeit – leidet, Scham entsteht. “Die Opfer leiden jahrelang an Depressivität, sozialer Isolierung, erhöhter Suizidalität, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.
“In der Psychotherapie wiegt der Vertrauensbruch deshalb so schwer, weil bei den Patientinnen so gut wie alle Schutzmechanismen zusammenbrechen. Das strukturelle Machtgefälle hebt die Person des Therapeuten häufig in den Rang von Elternfiguren.
Problematisch ist die Aufdeckung der Fälle, da den Opfern im Gegensatz zu den Tätern kein Glauben geschenkt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Patientin über den sexuellen Missbrauch spricht, ist gering. Eine der gravierendsten Folgen sexuell grenzverletzenden Verhaltens in der Psychotherapie ist der Verlust der Sprache der Opfer …”
Quelle:
BR-online 5.03.2010
Tief dringt sie in die Kinderseele ein und schlägt Wunden, die oft ein ganzes Leben lang nicht mehr heilen: Gewalt, sei sie physischer, verbaler oder sexueller Art. Kindsmissbrauch führt aber nicht nur zu psychischen Traumata, er schreibt sich bis in die Gene der Opfer ein, zeigen neuere Studien.
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(…Als Zehn- oder Elfjähriger wurde mein Hodenhochstand operativ korrigiert, das heisst, die Hoden wurden aus der Bauchhöhle in den Hodensack verpflanzt. Ich wurde also als vervollständigter Mann aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen in das Haus meiner Eltern, mein Vater war evangelischer Dorfpfarrer und meine Mutter die stolze Frau Pastor…)
Sich tot stellen
(…)
Bei alledem lauerte im Hintergrund die verfluchte Vaterbestie und na klar hatte das perverse Dreckschwein das grösste Interesse an der ordnungsgemässen Herstellung meiner Männ–lichkeit, ich merke schon, wie an dieser Stelle nicht nur mir schlecht wird, und jedes mal, wenn ich zur Nachuntersuchung zum Dorfarzt musste, kam dieses Monster natürlich mit. Derjenige, der von nichts eine Ahnung hatte, war ich. Bei einem der letzten Arztbesuche allerdings wurde mein Vater mit bestimmten Worten aus dem Untersuchungszimmer geschickt, ich bemerkte es zwar, aber erst Jahre später konnte ich das wie ein Puzzleteil einfügen in das Gesamtgeschehen, für dessen Rekonstruktion ich Jahrzehnte brauchte, weil ich damit allein war und allein gelassen wurde. Vielleicht hatte der Arzt eine Ahnung, was mit meinem Alten los war oder es war schon die Zeit, in der die Gerüchte um missbrauchte Jungs aus dem Dorf die Runde machten und wer der Täter war. Na klar, sofort als ich dann gesund und ein Mann geworden war, kam die Geschichte mit dem Dreckschwein in der Nacht, als ich noch nicht den eigenen Willen soweit ausgebildet hatte, um das Drecksvieh einfach zu töten, als es an mein Bett herantrat und an mir rumfummelte. Ich stellte mich tot. In so einer Situation stellt man sich tot. Ich hielt den Atem an. Ich war gelähmt. Ich bewegte mich nicht. Ich schrie nicht und hatte nicht mal das Vertrauen, nach meiner Mutter um Hilfe zu rufen. Es war stockfinstere Nacht und ich erkannte meinen Vater nicht, aber ich identifizierte ihn. Ob mein Bruder auch in der Nacht im Zimmer schlief oder ob er woanders übernachtete, weiss ich nicht mehr, auch nicht, wie ich es überlebte, was danach geschah, was am nächsten Tag, was in den folgenden Wochen. Die Welt und das Leben, das ich bis dahin gekannt hatte, existierte nicht mehr.
Was aber in den Monaten danach geschah, weiss ich noch sehr gut, weil es mich zutiefst betroffen gemacht hat. Ich war immer ein guter bis sehr guter Schüler gewesen, der wie von selbst lernte und sich entwickelte, plötzlich jedoch sackte ich rapide ab in meinen Leistungen, kassierte Fünfen und Sechsen und das Ende vom Lied war, ich wurde nicht versetzt in die nächste Klasse und meinen Eltern wurde empfohlen, mich ab der achten Klasse auf die Realschule, die Mittelschule zu schicken, um das eingetretene Desaster einzudämmen. Na klar, ich war fertig mit der Welt, jeder kannte jeden im Städtchen und drumrum und alle sahen, dass ich vom Gymnasium geflogen und in der niederen Schule aufgeschlagen war. Na besten Dank, alte verfluchte Drecksau, das hattest du wunderbar hingekriegt, deinen Sohn zerstört, ihm das Leben genommen, ihn zu einem Idioten gemacht und missbraucht, warst du jetzt zufrieden, endlich das Werk der Zerstörung vollendet zu haben, du gottverfluchtes Drecksmonster?!
Das war nicht alles, wer das denkt, mein Bruder folgte mir unmittelbar (ich erfuhr erst Jahre später von ihm, was ihm angetan worden war), auch er versagte und landete auf derselben Mittelschule, degradiert und deklassiert durch das monströse krankhafte Verbrechen eines Mannes, der nie hätte Vater werden dürfen. So sieht’s aus, und meine Mutter gab bei dem ganzen Szenario die Ahnungslose. Auch ihr vielen Dank!, durch ihre Blindheit und Ignoranz wurde sie zur Komplizin ihres Mannes, wahrscheinlich bangte sie um das schöne Leben, das sie als Frau Pastor an der Seite dieser Bestie führen durfte, was auch immer, vielleicht hat sie wirklich von nichts gewusst, ich habe versucht, es aus ihr rauszukriegen, war aber nicht möglich, sie beharrte darauf, von solchen Dingen damals ja noch überhaupt keine Ahnung gehabt zu haben. Komischerweise war es für sie auch in dem Moment kein Thema, als die Missbräuche an einigen Dorfjungs öffentlich wurden und die Versetzung des Dreckschweins nach Berlin von der Amtskirche beschlossen wurde, wer will es wissen, lassen wir die Gute in dem Glauben, keine Schuld auf sich geladen zu haben.
In dieser Zeit stieg der Alte sichtbar zum Alkoholiker auf, ich meine, jetzt war es soweit, dass man es ihm ansah und es roch, wenn er die Treppe aus seinem Amtszimmer hoch in die Wohnung kam und sich mit glasigen lüsternen Schweineaugen an den Abendbrotstisch setzte, und immer, wenn er besoffen war, war er auch geil, was wir Jungs daran merkten, wie er uns bei jeder verdammten Gelegenheit zwischen die Beine guckte, und jedesmal, wenn er es tat, würgte in mir ein elender Kotzbrocken hoch, den ich jedoch immer wieder runterschluckte, ich stand unter der Verurteilung zur Scham, ich schämte mich zu Tode wegen des Unfasslichen, was mir zugestossen war, und es gab keine Möglichkeit, es im Rahmen unserer Familie damals anzusprechen, ich erstickte daran.
Der zweite mir bewusste Missbrauch fand im Jahr der Mondlandung statt, in den Sommerferien in Scharbeutz an der Ostsee, ich kann aber nicht mehr, ich kann es jetzt nicht mehr schildern, es schmerzt zu sehr, es macht mich unendlich müde und wütend und ich will eigentlich nur schlafen, vielleicht später.
Dann kam irgendwann die Information, dass die Versetzung beschlossen war, das wir nach Berlin gehen würden, und mir wurde schwarz vor Augen, es senkte sich von oben herab ein schwarzer Vorhang vor meine Augen, und ich war in dem Moment der Letzte, der nach Berlin gehen wollte. Schon wieder alle Freunde aufgeben, schon wieder eine neue Schule und eine komplett neue Umgebung, ich hatte von alldem die Schnauze gestrichen voll.
(…)
Ulf Duschat
Auszug aus dem Bericht “Illusion” von Ulf Duschat, der unter der Adresse:
http://www.ulf-duschat.de/illusion.pdf
nachgelesen werden kann.
Der Impuls sich selbst zu zerstören ist etwas, was so gut wie alle, die sexuelle Gewalt erfahren haben kennen.
Bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung, bei Depressionen, einer bipolaren Störung oder einer Psychose im Sinne einer „Borderline“-Erkrankung sind selbstverletzendes Verhalten und/oder Suizidalität sogar Kernsymptome.
Aber auch Menschen, die Gewalterfahrungen therapeutisch bearbeitet haben, davon ausgehen, sie in ihre Biografie integriert zu haben und sich im Großen und Ganzen wieder als gesund ansehen, erleben immer wieder Phasen, die von Selbstzerstörungstendenzen geprägt sind.
Manchmal lässt sich sogar kein direkter Auslöser im Alltag dafür finden, diese Impulse brechen scheinbar unvermittelt in das Leben der Betroffenen hinein.
Eine interessante Erklärung hierfür, die die biologische, psychiatrische und psychologische Sichtweise miteinander verbindet gibt Prof. Joachim Bauer, Arzt für innere Medizin, Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie in seinem Buch „Warum ich fühle, was du fühlst“, Heyne Verlag, 12. Auflage, Taschenbucherstausgabe
Auszug, Seite 112 – 115 :
Spiegelneurone als soziale Orientierungssysteme
Das System der Spiegelneurone ist ein soziales Orientierungssystem. Es gibt uns, zumindest in Maßen, Sicherheit im sozialen Umfeld. Und nun wird klar, was es bedeutet, wenn das Orientierungssystem ausfällt, dem wir die Vorhersehbarkeit unseres Umfelds verdanken. Eine solche Situation bedeutet Unberechenbarkeit und Gefahr. In jeder Gefahrensituation aktiviert der Körper eine größere Zahl von Abwehrmechanismen, die zusammenfassend als biologische Stressreaktion bezeichnet werden. Systematischer sozialer Ausschluss ist somit chronischer biologischer Stress, und chronischer Stress ist ein Krankheits- und Selbstzerstörungsprogramm. Biologische Selbstzerstörungsprogramme, die unter bestimmten Bedingungen aktiviert werden, sind ein überall in der Natur anzutreffendes Phänomen. Selbst einzelne Zellen verfügen über die Option, Gene anzuschalten, um die eigene Selbstzerstörung, „Apoptose“ genannt, in die Wege zu leiten. Einen ganz ähnlichen Mechanismus gibt es bei Nervenzellen des menschlichen Gehirns. Überhöhte Konzentrationen körpereigener Alarmbotenstoffe wie Glutamat und Cortisol können den Tod von Nervenzellen bewirken.
Geradezu unheimlich muten psychologisch angebahnte Selbstzerstörungseffekte an, die nach Erfahrungen sozialer Zurückweisung auftreten. Die bekannteste Spielart solcher Programme ist der Suizid (1). Als Suizidauslöser sind seit langem – das wusste bereits Goethe – soziale Kränkungen und/oder der Verlust einer bedeutsamen Bezugsperson bekannt. Erst in den letzten Jahren hat man herausgefunden, dass auch Menschen mit schweren körperlichen
Gewalterfahrungen, bei denen die erlittene Tat zu einer Zerstörung der persönlichen Integrität und des Selbstwertgefühls geführt hat, intuitive (!) Impulse erleben, sich umbringen zu müssen. Bei Personen, die eine traumatische Erfahrung gemacht haben, ist das Risiko
(1) Der Suizid ist nicht das einzige Selbstzerstörungsprogramm, das psychologisch angebahnt wird. Andere Programme, beispielsweise die Sucht, realisieren einen „Suizid auf Raten“.
nachgewiesenermaßen objektiv erhöht, impulsiv Suizidhandlungen zu begehen. Weshalb Suizidalität ? Suizidhandlungen für eine „natürliche“ Folge schlimmer Erfahrungen zu halten, gehört zu jenen impliziten Gedankenlosigkeiten des Alltags, von denen bereits die Rede war, und ist alles andere als eine Erklärung, sondern schlicht eine Binsenweisheit, an die wir uns gewöhnt haben.
Warum also erhöhen Erlebnisse sozialer Enttäuschung, Zurückweisung, Verachtung und Gewalt das Risiko der Suizidalität? Die Antwort könnte darin liegen, dass die negative Erfahrung, die einer Person zugestoßen ist, in ihr ein Handlungsprogramm aktiviert hat und dass dieses Programm nun zu Ende führen möchte, was die erlittene Erfahrung nicht zu Ende gebracht hat: die Zerstörung der eigenen Person. Die Aktivierung eines Programms, das – in der eignen Vorstellung – den vollständigen Ablauf einer Sequenz aufscheinen lässt, die durch eine Erfahrung nur angedeutet bzw. in die Wege geleitet wurde, dies ist die geradezu typische Leistung der Spiegelsysteme.
Nehmen wir eine Extremerfahrung, um deutlich zu machen, worum es geht: Was bedeutet die Tat eines Menschen, der einem anderen schwere Gewalt zugefügt hat?
Welche Handlungsprogramme treten im Opfer nach einem erlittenen Gewaltakt in Resonanz? Eigenartigerweise werden bei Opfern überwältigender Gewalt meist keine Programme für Revanche oder Rache aktiviert (was Außenstehende oft nicht verstehen können). Das „Programm“ einer Gewalttat hat die Botschaft: Du bist nichts wert, ich kann dich behandeln wie eine wertlose Sache, man darf und sollte dich zerstören. Im Verlauf einer
Überwältigungstat geht das Handlungsprogramm des Täters, über die unvermeidliche spiegelnde Aktivierung neuronaler Handlungsprogramme im Opfer, vom Täter auf das Opfer über. Dieser Vorgang läuft komplett unbewusst ab. Auch seine Folgen sind unwillkürlich und dem Bewusstsein entzogen: Wie Traumatherapeuten immer wieder feststellen, spürt das Opfer nach der erlittenen Gewalt eine intuitive Tendenz, selbst das auszuführen bzw. zu Ende zu bringen, was die Tat suggerierte, nämlich eine Suizidhandlung. Erst im Rahmen einer tiefenpsychologisch orientierten Behandlung können wir bei diesen Opfern die unbewusste Identifizierung mit den Vernichtungsabsichten der Täter entdecken und therapeutisch bearbeiten.
Angelika Oetken, Berlin
stern.de 2.03.2010
Bei der Diskussion über Kindesmissbrauch – wie den jetzt bekannt gewordenen Fällen in der katholischen Kirche – entsteht manchmal der Eindruck, die Folgen der Gewalt könnten über die Jahre völlig verschwinden. Doch dem widersprechen nicht nur Psychiater, sondern auch neue medizinische Befunde.
Von Frank Ochmann
Gewalt an Kindern hinterlässt nicht nur seelische, sondern auch körperliche Schäden, die bleiben© Colourbox
Es ist noch nicht lange her, da war Kindesmissbrauch für die meisten in unserem Kulturkreis keine große Sache. So gingen die Autoren der millionenfach gelesenen “Kinsey-Reports” von 1948 und 1953 davon aus, merklicher Schaden für das Kind durch sexuellen Verkehr mit Erwachsenen sei allenfalls zu befürchten, falls dessen Eltern sich anschließend irritiert zeigten. Nur kurzfristig seien bei einem Kind Symptome von Angst und Schrecken möglich, hieß es auch in anderen Studien. Davor vermuteten Wissenschaftler sogar, oft wären es die Kleinen selbst, die Erwachsene zum Sex verführten, nicht umgekehrt. Das Kind folge “unbewusstem Begehren” und werde zum “mehr oder weniger willigen Partner”, hieß es zum Beispiel. Erst parallel zur Emanzipationsbewegung der Frauen und sexueller Minderheiten in der westlichen Welt wurde das Kind überhaupt als Opfer sexueller Gewalt entdeckt. Erst nach Pille, Mondlandung und Ostpolitik wuchs bei uns ganz allmählich das Bewusstsein für die hohe Zahl solcher Taten und ebenso für die traumatischen Folgen. Von “Seelenmord” reden mit solchen Fällen vertraute Fachleute.
Und nein, Bischof Mixa, das bisher Gesagte stützt keineswegs Ihre an langen Haaren und Rastalocken herbeigezogenen Entschuldigungsversuche, mit denen Sie das Versagen der Hirten offenbar auf Ihnen sexuell zu freizügige “68er” abwälzen möchten. Denn auch das sagen Experten: Nicht der Sex ist das Element des Missbrauchs, das die Seelen mordet, sondern die Gewalt, die den Opfern angetan wird, der oft über Jahre in die Wege geleitete Bruch des Vertrauens und das brutale Ausnutzen eigener Macht. Explizit sexueller Charakter liegt geschätzt nur in etwa einem von zehn Missbrauchsfällen vor. Doch immer ist die Misshandlung eine Vergewaltigung. Und die lässt sich nicht mit dem öffentlichen Zurschaustellen von ein paar nackten Brüsten oder Schenkeln mehr oder weniger erklären, wie es jetzt versucht wird. Missbrauch jeglicher Art gab es in kirchlichen Einrichtungen – richtig, nicht nur da! – auch schon zu Zeiten, als Oswald Kolle noch ein Kind war. Das zeigen zum Beispiel die Protokolle der irischen Fälle, die bis in die 1930er Jahre zurückreichen.
Auch die Gene tragen Schäden davon
Das Erlebnis der eigenen Ohnmacht und der übermächtigen Gewalt, die über die Opfer kommt, verletzt nicht nur deren Seele tief und bleibend. Bereits vor etwa einem Jahr veröffentlichten kanadische Wissenschaftler eine Untersuchung, bei der die Spuren der Gewalt bis in die Gene des Gehirns verfolgt werden konnten. Damals lag der Schluss nahe, dass der Missbrauch die Stressabwehr herabsetze und die Betroffenen so zum Beispiel für psychische Erkrankungen besonders anfällig mache. Bei dieser Studie waren bestimmte Gene von Suizidopfern mit und ohne Missbrauchsgeschichte verglichen worden.
Jetzt stützt eine weitere Arbeit die These, dass die Gewalt gegen Kinder bis ins Erbgut dringt. Forscher der amerikanischen Brown University in Providence, Rhode Island, nahmen sich so genannte Telomere vor. Dabei handelt es sich um biochemische Schutzkappen, die an den Enden der Chromosomen dafür sorgen, dass die DNA dieser Erbgutpakete in unseren Zellkernen nicht geschädigt wird. Dabei scheint die Länge dieser Endstücke etwas damit zu tun zu haben, wie wirkungsvoll sie sind. Jedenfalls schrumpfen Telomere im Laufe des Lebens mit jeder Zellteilung. Der genaue Zusammenhang zwischen Länge und Schutzwirkung ist noch nicht ganz klar. Trotzdem gibt es eine klare Verbindung, die von einer Schädigung der Telomerfunktion zu einer Schädigung der Zelle und schließlich des ganzen Organismus führt.
Die Lebenserwartung verkürzt sich
Nicht nur das Alter macht Telomeren zu schaffen, sondern auch Stress. In der Kindheit erfahrene Gewalt zum Beispiel, wie die jetzt publizierte Studie mit ersten Resultaten nahelegt. Weder konnten Alter oder demografische Faktoren das Resultat erklären noch Gewichtsunterschiede oder etwa Rauchen. Allein als Kind schlecht behandelt worden, vernachlässigt oder missbraucht worden zu sein, erklärte die durchschnittlich kürzeren Schutzenden des Erbguts. Natürlich bedeutet das nicht, alle Opfer werden gleich schwer getroffen und können sich nie wieder erholen. Große Unterschiede, zum Beispiel bei der inneren Widerstandskraft, gibt es zwischen ihnen ebenso wie bei allen anderen Menschen. Doch betrachtet man die Messergebnisse als Block, zeichnet sich eine klare Richtung ab: Kinder leiden nicht nur, während sie misshandelt und missbraucht werden und vielleicht noch eine gewisse Zeit danach. Schlimmstenfalls kostet sie die Gewalt, die ihnen angetan wird, auch physisch ihre Gesundheit und am Ende Jahre ihres Lebens. Auch das sollte berücksichtigt werden, wenn es um eine mögliche strafgesetzliche Neuregelung geht, wie sie jetzt von Politikern in Aussicht gestellt wurde: Aus der Perspektive der Opfer kann Missbrauch nicht verjähren.
Weiter lesen…
Quelle:
http://www.stern.de/wissen/mensch/kopfwelten-missbrauch-ist-nie-ausgestanden-1547637.html
Karl Kardinal Lehmann:
“Es gibt ja von der medizinischen, – psychiatrischen Seite her auch die Situation, dass es, eh, eh, Täter gibt die, ich sag’s mal etwas banal, einmal ausrutschen. Die man aber nicht auf ein Leben lang einfach, eh, jetzt aus der beruflichen Aktivität ausschließen kann.”
Meine Kindheit endete mit 6 Jahren, als Opa meinte ich gehöre ihm…
Die Jahre langen Vergewaltigungen, schwersten Misshandlungen bis hin zu Mordversuchen, Plastiktüte über den Kopf ziehen, Kopf unter Wasser drücken bis hin zur Ohnmacht, Fest binden mit Ketten wie ein Hund….
Dann kramen 3 andere Männer dazu die ich bedienen musste mit allem was dazu gehört. Was ich aber hier nicht Schreiben kann, es würde mich und auch die Leser zu sehr Triggern.
Ich glaube sich vorzustellen, was sie mit mir gemacht haben fällt vielen schwer.
Dann noch mein alter (Erzeuger), meinte, er müsste mich auch noch Vergewaltigen und Misshandeln, Quälen.
Und von allen, die Drohungen, ja nix zu sagen, das habe ich 30 Jahre ausgehalten.
Ich habe bis heute Angst drüber zu sprechen, weil ich immer Angst habe es passiert was Schlimmes und oft ist es auch so, wenn ich in der Therapie spreche, dass ich die Täter spüre, sie rieche und ganz viel Angst habe, dass sie da sind… Aber sie sind tod, aber ich kann es oft nicht glauben…
Was habt ihr aus mir gemacht. Ich war 2 mal in der Trauma Klinik. Mache seid fast 2 Jahren eine Trauma-Therapie. Bin zu 80% Schwerbehindert. Nehme Medikamente ohne die ich es nicht aushalten würde…
Bin Multiple habe Depressionen, Angst im Dunkeln, Schlaffstörungen, Angst vor Männern, chronische schwere Postraumatischebelastungsstörung, neige zu Selbstverletzung.
Immer wieder kommende Analfistel, Tinnitus, Essstörungen.
Ja Ihr Schweine ,das habt ihr aus mir gemacht. Ich hasse Euch so sehr dafür.
Aber ich werde nicht länger Schweigen, auch wenn ich größte Angst habe, nun solltet ihr Angst vor mir haben.
Ohne meine geliebte Frau würde ich das alles nicht schaffen. Ich danke Dir. Ich liebe Dich so sehr…
Passt gut auf Euch auf…
Lg Jürgen Scherr
derwesten.de 19.02.2010
Bonn. Zum Missbrauchsskandal am Bonner Aloisiuskolleg des Jesuitenordens meldet sich nun ein weiterer Betroffener zu Wort. In einem Leserbrief schildert Ralph Vetter aus Köln die subtile sexuelle Gewalt seiner Schulzeit, 1976 bis 1983, und wie er bis heute daran leidet.
Seine Geschichte ist dem Missbrauchsbeauftragten des Aloisiuskollegs, Robert Wittbrodt, bekannt und deckt sich mit dessen Erkenntnissen. Wir drucken Vetters Brief, gekürzt und in Auszügen:
Ich war selbst einer der Betroffenen. Die Angelegenheit war für mich seit 30 Jahren mehr oder weniger erfolgreich verdrängt, aber seit zwei Wochen erlebe ich nun einen „Flashback“ vom übelsten. Ich kann nicht mehr schlafen, habe Schweißausbrüche und lebe wieder vollständig in der Vergangenheit: Ich bin alles andere als „mediengeil“. Sie werden im Internet nicht einmal einen Eintrag über mich finden. Bevor aber der Deckel des Schweigens über alles gebreitet wird, habe ich noch einiges mitzuteilen. Auch, um endlich meine Traumata aufzubereiten.
Hier ist also meine Geschichte: Aufgrund meiner schlechten schulischen Leistungen wechselte ich mitten im Schuljahr am 2. Mai 1976 (warum merkt man sich eigentlich so ein Datum?) von einem städtischen Kölner Gymnasium als 13-Jähriger auf das Aloisiuskolleg. Es war ohnehin sehr schwer, dort aufgenommen zu werden, und so verweigerte der ehemalige Schulleiter auch meine Aufnahme. Erst der Internatsleiter Pater S. befürwortete die Aufnahme; warum er mich bei den Aufnahmegesprächen so wohlwollend und sanft angeschaut hat, wurde mir erst in späteren Jahren klar.
„Nun zieh dich mal aus.“
Es war ein Sonntag, ein Heimfahrtswochenende, als mich mein Vater dort bei Pater S. ablieferte. Nach einem Rundgang gingen wir in den Keller des dortigen Schlosses „Stella Rheni“, welches als Wohnhaus für einen Teil der jüngeren Internatsschüler genutzt wurde. Hier befanden sich die Duschen. Mit den Worten: „Nun zieh dich mal aus und geh duschen, damit du dich daran gewöhnst, wir duschen jeden Abend alle zusammen“, musste ich mich ausziehen, während mir Pater S. alleine beim Duschen zusah.
Ich musste mich also in einem Vorraum ausziehen, Pater S. stand daneben, schickte mich dann in die Dusche und beobachtete mich weiter beim Abtrocknen und wieder anziehen; dieser Vorgang ist mir noch heute lebhaft in Erinnerung. Diese Prozedur wiederholte sich dann jeden Abend zusammen mit anderen Klassenkameraden, während Pater S. unser An- und Auskleiden „beaufsichtige“.
Abends beim Zubettgehen wurde dann das sogenannte „Knechten“ durchgeführt. Streicheln am Kopf, Zwicken zwischen den Hals- und Schulterblättern, Reiben mit den Fingerknöcheln auf der Brust etcetera. Dieses wurde von uns jungen und naiven Schülern als Auszeichnung empfunden, man kümmerte sich um einen . . . Wir fanden das normal, ein Teil der Aufsichtspflicht eben. Auch das wir des öfteren nackt mit einem Wasserschlauch abgespritzt wurden, im Sommer auch nackt im Park hinter dem Schloss; ich habe noch etwas von „Abhärtung“ im Kopf.
Neidisch auf die Nakedei-Spielchen
Relativ frühzeitig wechselte ich dann aus dem Schloss in den sogenannten Neubau, einen 50er-Jahre-Komplex, in dem die meisten Internen untergebracht waren. Nur von Pater S. ausgewählte Knaben jüngeren Alters durften im Schloss wohnen. Als ich später einmal wieder im Park herumging, und die herumtollenden Kinder, teilweise eingeseift, dort beobachtete, als sie von Pater S. „abgespritzt“ wurden, war ich sogar richtig neidisch. Auch Pater Schneider war dabei, der heutige Rektor (– der am 9. Februar wegen Vorwürfen der Mitwisserschaft zurückgetreten ist, Anm.. der Red.), als junger Frater schon die rechte Hand von Pater S.
Erst später, nach der Pubertät, wurde einem klar, was da eigentlich passiert ist. In den Gängen der Mensa und des Schlosses hingen massenweise „künstlerische“ Schwarz-weiß-Fotos mit nackten Jünglingen im Sonnenuntergang, selbst fotografiert. Es galt als Auszeichnung, wenn man als einer der wenigen Schüler (seltsamerweise nur die „Hübschen“) von Pater S. in den Sommerferien im Wohnmobil zum Nacktbaden in die Einsamkeit der finnischen Seenplatte mitgenommen wurde. Die Fotos hingen noch lange Zeit und wurden erst „zufälligerweise“ etwa zeitgleich mit der Aufarbeitung der Dutroux-Verbrechen abgenommen.
Der Nachhall „subtiler Verfehlungen“
Dass es zu massiven Übergriffen gekommen ist, kann ich mir nicht vorstellen, davon ist mir auch nichts bekannt, aber die subtilen „Verfehlungen“ hallen auch heute noch nach. Was bleibt, ist die Frustration einer verlorenen Jugend; die Befürchtung nur deswegen aufgenommen worden zu sein, weil man dem „Aussehen eines Knaben der Antike“ entsprach. Noch heute leide ich unter den damaligen Ereignissen.
Ich habe es nie geschafft, mich von meinem Elternhaus zu trennen und lebe bis jetzt mit meinem Vater zusammen. Ich schlafe noch immer in dem gleichen Zimmer, in dem ich als Kind aufgewachsen bin. Ich habe auch heute mit meinen 47 Jahren nie eine Beziehung mit einer Frau gehabt und kann auch heute noch nicht mit anderen Personen in einem Raum schlafen, von einigen Ehemaligen weiß ich von ähnlichen Problemen. Am liebsten hätte ich sicher damals das Internat verlassen, aber das konnte ich meinen Eltern nicht antun, die nun so viel Geld ausgegeben hatten.
Quelle:
http://www.derwesten.de/nachrichten/im-westen/Die-verlorene-Jugend-eines-Opfers-id2611410.html
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Mehr dazu im WDR Video unter:
http://www.wdr.de/tv/aks/sendungsbeitraege/2010/kw07/0218/missbrauch.jsp
Hier haben Angehörige der Opfer die Möglichkeit, ihre Geschichte zu erzählen.
Denn oft wirken sich Folgeschäden sexualisierter Gewalt unmittelbar auch auf sie aus.
“Gib Leiden Worte”, sagt Shakespeare, “denn Schmerz, der nicht frei spricht, flüstert im Herzen, bis es birst und bricht.”
Hoffnungsvolle Grüße
Norbert Denef
(Wenn Sie Ihre Geschichte hier als Kommentar einfügen, wird sie danach als Artikel veröffentlicht. Auf Wunsch auch anonym)
Was nicht verjährt, sondern weiterlebt…
Meine Frau wurde als Kind jahrelang von ihrem leiblichen Vater vergewaltigt.
Die körperlichen Folgen für sie waren zunächst Magersucht bis nah an die Grenze des Todes, sodann viele Jahre schwerster Bulimie. Beides hat sie inzwischen überwunden, ihre Gesundheit ist dadurch jedoch für immer zerrüttet.
Erst nach etlichen Jahren stationärer und ambulanter Psychotherapie war meine Frau in der Lage, über das Verbrechen, das an ihr begangen worden ist, zu sprechen. Doch inzwischen waren sämtliche straf- und zivilrechtlichen Verfährungsfristen verflossen. Und der Täter droht bis heute mit Verleumdungsklage.
Nicht nur der Körper, sondern auch die Seele meiner Frau ist unheilbar geschädigt. Ihre langjährige Suchterkrankung hat ferner die Persönlichkeitsentwicklung ihres Sohns schwer belastet, er ist nun ein junger Mann, der keinen Platz für sich im Leben finden kann. Dem Täter hat unser Rechtssystem sein Verbrechen längst vergeben, doch auf der Opferseite leidet bereits die zweite Generation darunter, ein von Nachfahren von Holocaustopfern her bekanntes Phänomen.
Konsequenterweise verjähren daher NS-Verbrechen ebensowenig wie Mord. Warum verjährt dann aber die körperliche und seelische Verkrüppelung von Kindern, die wie ein alttestamentarischer Fluch auch Unheil zeugt für nachfolgende Generationen?
Hallo,
aufgrund der Berichterstattung der letzten Wochen über die Schandtaten in der katholischen Kirche kam eine Erfahrung, die ich als Kind machen musste, wieder “hoch”. Ich bin jetzt 39 Jahre alt, damals vermutlich 10?!
Meine Eltern und ich fuhren immer wieder mit dem Autoreisezug der Deutschen Bahn (über Nacht) in Urlaub. Bei einer Fahrt gab es einen Schaffner, der Kinder der Fahrgäste zu sich in sein Abteil einlud. So auch mich. Ich weiß noch, dass wir ein paar Kinder waren bei diesem Reisezugbetreuer und ich saß auf seinem Schoss.
Er schob seine Hand nach recht kurzer Zeit in meine Hose. Aber es kam nicht zu einer Berührung meines Geschlechts.
Je mehr Gedanken ich mir nun darüber mache, desto mehr Gewicht bekommt dieser Vorfall für mich. Ich wundere mich, dass dieser “Betreuer” während seiner Arbeitszeit, wo er ja jederzeit von Zuggästen in Anspruch genommen werden konnte (Getränkeverkauf, Hilfe beim Aufbau der “Betten” in den Zugabteilen usw.), sich so sehr um Kinder “kümmern” konnte.
Ich spreche hier nicht von sexuellem Missbrauch oder Gewalt, wie es bei vielen anderen hier geschilderten Fällen der Fall ist. Aber ich sehe mich als Opfer einer tätlichen (?) sexuellen Belästigung – dieser Betreuer ist eindeutig zu weit gegangen mit seiner “Liebe zu Kindern”.
Ich will jetzt nicht gegen die DB vorgehen, zumal ich weder Namen des Betreuers noch das Jahr des Vorfalls weiß.
Aber ich will hier meine Erfahrung mitteilen – ich denke nicht, dass ich das einzige Kind war, welches er so “nett” auf seinen Schoss nahm…
Grüße Claus
Ich war noch keine 4 Jahre alt.
Ich habe lebenslänglich – lebenslänglich zu leiden unter den Folgen sexualisierter Gewalt, durch mehrere Täter, Folter im Kindesalter. Die Folgen: Todessehnsucht, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Ess- und Magersucht, Drogensucht, Tablettensucht, Alkoholsucht, Arbeitssucht. Von den Süchten abstinent bin ich seit mehr als 18 Jahren und zwar so lange, als ich begonnen habe über den Missbrauch zu reden, das Verbrechen offen zu machen. Trotz alledem habe mich auf den Weg der Genesung begeben, arbeite hart am wieder heil werden. Was ein grausam langsamer Prozess ist, welcher in diesem Leben nicht mehr abzuschließen sein wird.
Ich lebe ein Leben von geringen Einkünften. Bin dabei manchmal zufrieden, auch manchmal glücklich.
Kunst ist für mich die Möglichkeit, nicht an der Wahrheit zu sterben.
Die Albträume bleiben, die eigenen Schreie in der Nacht, die Ängste, all das Leid.
Hätte ich nicht die Kunst entdeckt, die mich immer wieder aus den Löchern zieht, das Grauen vergessen lässt, für Tage, Stunden, Minuten, könnte ich heute nicht mehr Leben.
Es ist nicht einfach damit umzugehen, es waren ganz schreckliche Erfahrungen, die mich mein ganzes Leben lang begleiten.
Leider trifft es viel zu viele, immer wieder und wieder.
Es fehlt die Anerkennung der Folgen dieser schrecklichen Taten, am Körper, an der Seele, durch die Gesellschaft, durch unseren Staat. Täter werden geschützt und die Opfer zum schweigen gebracht, das ist unmenschlich, ein Verbrechen. Täter bleiben auf freiem Fuß weil die Taten verjähren oder bekommen geringe Strafen, wir Opfer haben lebenslänglich. Lebenslänglich daran zu tragen.
Sagt es laut, hört Ihr anderen Opfer, sagt es laut was man euch angetan hat, es ist der einzige Weg den es gibt, die Verbrechen offen zu machen, hört niemals auf Euch zu wehren und über die Taten der Unmenschen zu sprechen.
SAGT ES LAUT!
Pia Survivor
Ich bin 55 Jahre alt und wurde im Alter von sechs und neun Jahren jeweils mehrfach missbraucht. Der erste Täter war der Großvater meiner Freundin, der zweite mein Bruder. Beide Geschehen habe ich trotz der Drohungen der Täter (“Ich mach’ dich tot!” – dies ist auch der Titel meines kleinen Buches) meiner Mutter “gebeichtet” (ja, ich hatte mein Leben lang schreckliche Schuldgefühle), aber sie hat mir nicht geglaubt und sich auf die Seite der Täter gestellt. Sie hat mich weiterhin in das Haus des Grauens geschickt und ich wurde weiterhin gequält.
Meine Kindheit wurde von ständigem Erbrechen begleitet und auch heute noch ist Erbrechen für mich ein Zeichen von totaler Überforderung, Unterdrückung und Zwang und die schlimmste Krankheit für mich.
Ich war nie in der Lage, eine Berufsausbildung abzuschließen, es waren immer zu viele Männer am Arbeitsplatz. Mein Abitur habe ich auf dem Mädchengymnasium zwar geschafft, aber ohne Ausbildung oder Studium fühle ich mich auch heute noch ziemlich wertlos.
Ich bin seit über 30 Jahren verheiratet und habe zwei Kinder. Ich habe all die Jahre ganz “normal” gelebt, die Missbräuche hielt ich für vergessen, und erst, als mein bester Freund mein Vertrauen missbrauchte, als ein Gefühl in mir hochkam, dass ich irgendwie zu kennen glaubte, brach ich komplett zusammen. Ich fiel in eine schwere Depression, hatte immer wieder Flashbacks, immer wieder kamen diese Bilder hoch, ich ertrug bestimmte Gerüche nicht mehr, nichts Klebriges an den Händen, ich war komplett eingeschränkt und kaum mehr lebensfähig.
Zum Glück geriet ich mit 51 Jahren an eine sehr gute Therapeutin. Wir arbeiten heute noch jede Woche miteinander und ich bin auf einem guten Weg.
Auch ich trete hier unter einem Pseudonym auf, weil ich Angst vor dem Täter habe, der noch lebt…
Elke
Mein Foto:
Wird es von mir nicht geben. Ich muss immer “noch” Angst haben vor meinem Bruder. Er ist schonmal in der Firma seines Schwiegervaters mit einer Pistole auf diesen zugegangen, Schlimmstes konnte gerade noch verhindert werden. Er ist schlichtweg unberechenbar und dem möchte ich mich nicht aussetzen.
Gefühlsbergwerk
bitte
schenkt mir ein gedicht
eins, das von warmer sonne spricht
eins, das von offenen fenstern erzählt
und das worte wie “heilwerden” erwähnt
Eins, das nicht vergisst
das ein gefühlsbergwerk zerriss
das stillgelegt wurde oder zerbarst
als es zu viele opfer fraß
und von augen, die im weinen keinen tag mehr sehen
von der beerdigung der kindheit, die konnte sie eh nie leben
und weißen kleidern die beschmutzt
von klebrigen schleim, heruntergeschluckt
bitte
schenkt mir ein gedicht
eins, das nicht überläuft, wenn es spricht
eins, in dem ich gefühle gieß
die man dem kinde nie zuließ
eins, das alles sagt und nichts verrät
eins, dass sich im boden vergräbt
durch das der ganze schmerz pfeiffen kann
wann hat das ende, ich frage euch, wann?
Sarah M.
(Auszug meines noch nicht fertigen Buches)
Ich bitte um Verständnis, dass ich weiterhin unter dem Pseudonym Sarah M. verstecke, da ich die rechtlichen Folgen bisher nicht hinreichend klären konnte bzgl. einer eventl. Klage an die damals verantwortlichen Ämter und Träger des Kinderheimes in dem ich aufwuchs, weil sie Ihre Fürsorgepflicht schwer vernachlässigten.
Ich bin (eine fast) 50 Jahre junge Frau, Erzieherin und Lehrerin im sozialen Bereich.
Ich wuchs in einem Heim auf, (von 0 – 1/2 Jahr Säuglingsheim, dann Umverlegung in ein Kinderheim )das ausschließlich von Klosterschwestern geführt wurde. Bis zu meinem 30. Lebensjahr war ich der festen Überzeugung, meine Mutter erst im Alter von 10 Jahren kennengelernt zu haben. Mit 30 erkrankte ich dann an einer colitis ucerosa, begleitet von mir unerklärlichen Depressionen. Ich begann eine Therapie, in der Annahme, dass die Schwermütigkeit durch meine damals eben erst zerbrochene Beziehung und der steten Trauer der Heimatlosigkeit rührten.
In der darauffolgenden 8 Jahre langen Therapiezeit holte mich das grauenhafte Trauma meiner Kindheit schmerzvoll ein.
Lange konnte und wollte ich nicht glauben, was da an Bildern hochkamen.
Oraler sexueller Mißbrauch im Säuglingsalter, bei dem ich fast erstickte, schwere sex.Mißbräuche im Alter bis 4 Jahren, die u. a. eine unübersehbare Narbe im Genital-bereich hinterließ, mit Alkohol zugedröhnt, gefesselt, geknebelt und mit dem Messer an der Kehle wurde ich wehrlos gemacht, damit man mich ungehindert weiter sex. misshandeln kann. Ich wurde in einer Großstadtmetropole herumgereicht wie ein Stück Fleisch, an dem man sich ungestraft bedienen kann.
Das Kinderheim ist bis heute noch nicht bereit, Stellung dazu zu nehmen, warum sie mich nicht geschützt haben vor meiner eigenen Mutter, die für all diese grauenhaften Missbräuche verantwortlich ist, da sie mich über all die Jahre wochenends zu sich holen durfte, und dies nutzte, um mich an x-beliebige Männer zu verkaufen.
Die sex. Missbräuche estreckten sich bis ins Alter von 10 Jahren, dann wurde meiner Mutter lt. Kinderheim untersagt, mich weiterhin die Wochenenden zu sich zu holen. Das hinderte sie aber nicht daran, ihr “Geschäft” mit mir fortzusetzen. Sie buchte sich ein Hotelzimmer in der Stadt und ließ mich dort sadistisch missbrauchen.
In einer Gegenüberstellung vor ca. 15 Jahren, entgegnete sie mir mit den Worten: “Was hätte ich sonst mit dir tun sollen, du warst doch zu nichts anderem zu wert”.
Meine Therapie liegt nun schon über 10 Jahre zurück, und wenn ich sonst in meinem Leben wenig mit Glück beschenkt wurde, mit meiner Therapeutin hatte ich dies in Übermaßen. Bei ihr lernte ich, endlich zu weinen, was ich im Heim nie durfte, und auch all die Jahre bis zur Therapie nicht konnte.
Bei ihr erlebte ich, dass es einen Raum gibt, wo all das Platz hat, woran ich damals fast erstickte, weil es mir den Atem raubte, weil es mich durchbohrte, weil ich fast wahnsinnig geworden wäre an dieser Wahrheit, die ich nicht glauben wollte.
Nimmt ein Kind Schaden davon? Ja, es nimmt Schaden davon, Missbrauchte sind anders! Verletzlicher, sensibler, misstrauischer. Aber ich habe gelernt, mich adäquat zu schützen, und mich um meine “inneren Kinder” zu kümmern.
Ich habe gelernt, das Schweigen zu brechen. Noch während meiner Therapiezeit weihte ich alle meine Freunde ein, damit sie wussten, womit ich mich gerade schmerzvoll auseinandersetze. Wie hätten sie sonst mit meinem Chaos, das während dieser Zeit in mir herrschte, umgehen sollen? Wie hätten sie meine Reaktionen auf (von außen betrachtet) Banalitäten einorden sollen? Ich kann nur jedem Mut zu sprechen, sich wenigstens den engsten Freunden zu outen. Ich hätte die lange Therapiezeit nicht überlebt, wenn ich von meinen Freunden nicht so getragen worden wäre, in Phasen, in denen ich mich selbst nicht mehr ertrug. Sie stärken und geben Halt, was gerade bei der Aufarbeitung solcher Horrorzeiten so wichtig ist.
Während meiner Therapiezeit habe ich Tagebuch geführt, um alles, was meine Seele nicht mehr schlucken konnte, von mir wegzuschreiben. Jetzt, 10 Jahre danach – bin ich dabei, diese Aufzeichnungen ins Reine zu schreiben, um es irgendwann einmal in einem Buch zu veröffentlichen (aus Sicherheitsgründen unter dem bekannten Pseudonym Sarah M.).
Wenn jemand mir Tipps bzgl. Verlage geben kann, die kostenlos mein Buch veröffentlichen, würde es mich riesig freuen.
Sarah M.
Hallo Täter im Jenseits,
Herr A. K. (Vater),
Herr St., Nervenarzt im Krankenhaus in S.,
sowie Hausmeister B. der Grundschule an der W.straße!!!
Hiermit spricht Maulwurf Wilma!
Hiermit schmeiße ich Euch die ganze Scheiße, die ihr mir angehängt habt, zurück!!
Ich bin unschuldig!
Mein Foto:
möchte ich im Moment nicht beilegen, weil es für mich zu angstbesetzt ist. Wenn ich etwas mutiger geworden bin, kann ich vielleicht ein Foto von mir als Kind beilegen, um zu zeigen, wie das Kind ausgesehen hat, dessen Vertrauen zu den Menschen so bitter enttäuscht wurde. Ich werde mal suchen.
Freundliche Grüße von Wilma
Meine Geschichte ist eine ganz normale Geschichte. Sie ähnelt der von ganz vielen Menschen, gestern und heute.
Aufgewachsen bin ich in einer Großfamilie in einem kleinen, idyllischen, nordwestdeutschen Dorf. Mit vier Jahren wurde ich von einem Bekannten meiner Eltern sexuell missbraucht. Dieser Mann war schmutzig, hässlich, er stank nach Schweiß, Tabak, Alkohol und Insektiziden. Besonders abstoßend waren seine Finger. Nikotingelb, schwielig, die Fingernägel lang, schartig und dreckig.
Äußerlich nahm ich wenig Schaden, eine genitale Blutung, die in Folge der Tat auftrat, wurde vom Hausarzt begutachtet, aber als unwesentlich abgetan. Damit war der Fall für meine Eltern, meine Großmutter und den Arzt offenbar erledigt.
Mental dagegen habe ich mich im Laufe des folgenden Jahres so verändert, dass ich mich heute nur noch schwer in die Vierjährige von damals hineinversetzen kann und nur noch wenig mit ihr gemeinsam habe. Sie ist für mich eine fremde Person geworden.
Ich habe früh erfahren müssen, wie böse Menschen sein können, verlogen, dass ich ihnen nicht entkommen kann und niemand mich schützt oder mir hilft.
Selbst längst erwachsene Menschen, die solche Erfahrungen machen müssen, sind danach häufig lange traumatisiert.
Kinder, gerade sehr kleine, werden durch so etwas physisch und psychisch schwer geschädigt. Viele werden damit nicht alt.
Und so kam es: Beim Eintritt in die Schule war ich zu einem anderen Menschen geworden.
Fortan war ich ständig auf der Hut. Potentiell “böse” Männer lauerten überall, viele ihrer Verhaltensweisen und Äußerungen begann ich als bedrohlich, anmaßend, grenzüberschreitend, anzüglich einzuschätzen. Ich vertraute niemandem mehr, nur noch mir selbst.
Bis weit ins Erwachsenenalter hinein versuchte ich, dem männlichen Geschlecht elegant und unauffällig aus dem Weg zu gehen ohne ins soziale Abseits zu geraten.
Die Frage “Und – hast Du einen Freund?” erzeugte Stress und großes Unbehagen. Was hätte ich denn sagen sollen?
Ich kann mich in Betroffene, die unter multiplen Persönlichkeitsstörungen leiden, sehr gut hineinversetzen. Ein klein bisschen schlechtere Lebensumstände, ein wenig zusätzliches Unglück und ich wäre jetzt wahrscheinlich schwer geisteskrank.
So passierte “nur” Folgendes: aus einem fröhlichen, aufgeschlossenen, kontaktfreudigen, lebensfrohen Kind wurde ein von Tics und schweren chronischen Krankheiten, von Depressionen, Selbstzweifeln, zermürbendem, ziellosen Hass, Anfällen von Selbstzerstörung, Grübelattacken und plötzlichen Stimmungsumschwüngen gebeutelter junger Mensch.
Sexualstraftäter, das waren damals “Söckse” (plattdeutsch “Solche”). Vorgeblich vollkommene Außenseiter. Dabei saßen “Söckse” in Wirklichkeit bei jedem Geburtstag an der Kaffeetafel. Und “missbrauchte” (eigentlich ein diskriminierender Begriff) Mädchen und Jungen in jeder Schulklasse. So wie heute auch.
Aber damals dachte ich – wie viele in der Kindheit sexuell misshandelte Menschen – ich sei die einzige Person, der so etwas passiert.
Erst nach und nach, nicht zuletzt durch meinen therapeutischen Beruf erkannte ich, wie viele Menschen von sexueller Gewalt betroffen und gezeichnet sind.
Und wie viele Täter es gibt.
Es gab nur ein Persönlichkeitsmerkmal, das sich bei mir damals nicht veränderte, sondern im Gegenteil sogar vollkommen in den Vordergrund rückte. Es war der Wunsch und die Fähigkeit, schnell viele Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und sofort Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden.
Ich nutzte diese Gabe aber nicht mehr wie vorher, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, sondern um mir schnell einen Überblick zu verschaffen und damit meine Umgebung kontrollieren und ihre Reaktionen vorhersehen zu können. Ich versuchte, die Distanz zwischen mir und den anderen zu vergrößern.
Ich wurde einsam.
Und eine traurige, ernste, distanzierte, reservierte aber exzellente Schülerin. Eine defensive, aber hartnäckige, wachsame, unablässige, genaue Beobachterin mit klarem Urteil. Ich stellte alles in Frage und glaubte nichts.
“Wissen ist Macht” wurde zu meinem Credo.
Heute bin ich überzeugt, dass mich damals nur das vor dem mentalen und körperlichen Ruin gerettet hat.
Lange Zeit habe ich meine Geschichte für mich behalten. Mir war klar, dass eine Offenbarung soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung zur Folge gehabt hätte.
Das war eine eher intuitive Entscheidung, mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen von heute kann ich sie reflektieren. Es war vollkommen richtig, dass ich mich damals niemandem anvertraut habe. Keiner hätte den Mut gehabt, mir zu glauben. Und erst Recht nicht, mir beizustehen.
Warum eigentlich nicht ?
Was ich mich immer wieder von Neuem frage ist : Weshalb neigen Menschen eigentlich dazu, vor der Tatsache, dass sexueller Missbrauch epidemische Ausmaße und für die Betroffenen und die gesamte Gesellschaft schwerwiegende Folgen hat, die Augen zu verschließen und warum versuchen sie, Personen, die offen bekennen, missbraucht worden zu sein von sich fern zu halten ?
Am „Nicht-Wissen“ kann es nicht liegen: Fast täglich wird in den Medien von sexueller Gewalt berichtet, auch im Privaten hören viele von diesen Fällen, es gibt eine Flut von Statistiken und wissenschaftlichen Veröffentlichungen dazu.
Hier der Versuch einer Antwort.
Denn auch in diesem Punkt ist meine Geschichte typisch.
Meine Eltern waren damals sehr jung, naiv, überfordert mit drei kleinen Kindern und ihrem Betrieb, freundlich aber leichtsinnig und etwas oberflächlich.
Meine Großmutter und unserer Hausarzt dagegen waren ganz anders – besonnen, erfahren, misstrauisch und tatkräftig.
Alle diese Erwachsenen waren typische Vertreter ihrer Generation, normal im Sinne von durchschnittlich.
Meine Mutter ist mitten im 2. Weltkrieg geboren, in schwierige Familienverhältnisse hinein. Sie konnte nie eine gute Bindung zu ihrer späteren Adoptivmutter aufbauen, meiner Großmutter und auch nicht zu mir.
Mein Vater war freundlich, geduldig, aber sehr zurückhaltend – “defensiv” nennt man diese Haltung heutzutage.
Je älter ich wurde, desto schlechter wurde der Kontakt zu ihm.
Meine Großmutter, die eigentlich die Mutterrolle für meine Geschwister und mich eingenommen hatte, war im wilhelminischen Geist erzogen worden und später eine glühende Anhängerin Adolf Hitlers. Gemäß dem damaligen Weltbild waren Frauen dazu da, zu arbeiten, zu gehorchen, zu dienen, Kinder zu gebären und aufzuziehen. Sie waren nur unwesentlich mehr wert als das Vieh. Männer dagegen waren von Natur aus und ohne Frage großartig und überlegen. Die Krone der Schöpfung, das Wichtigste auf der Welt.
Frauen waren nichts, Männer alles.
Meine Großmutter hat diese Einschätzung sicher nie wirklich geteilt, aber sich gefügt.
Aus ihren Erzählungen schließe ich heute, dass sie ebenfalls als junges Mädchen sexuell missbraucht worden ist. Sie hatte deshalb wahrscheinlich nicht die Kraft oder nicht den Mut, mich zu schützen. Hat mich aber später in allem, was ich machte und plante unterstützt.
Der Arzt schließlich hatte während des zweiten Weltkrieges und danach gelernt, viel von dem was er sah und tat zu verdrängen und zu leugnen. Möglicherweise hat er mir mit dem “Nicht-Hinsehen” etwas Gutes tun wollen. Er wusste, was mir und meiner Familie bei bekannt werden des Missbrauchs geblüht hätte, nämlich Ausgrenzung und üble Nachrede.
Aber vielleicht war er auch selber Täter. So wie viele seiner Generation geprägt von der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus und gezeichnet vom Krieg.
Die Erwachsenen waren also schwach, unreif, selbst betroffen, hatten ein schlechtes Gewissen oder Angst vor der Wahrheit.
Genau dieses Profil trifft auch heute noch auf viele Menschen zu, wenn es um sexuelle Gewalt geht.
Ich habe Abitur gemacht, einen Beruf erlernt, bin selbstständig und erfolgreich. Ich habe geheiratet und einen Sohn bekommen. Oberflächlich betrachtet ist mein Leben gelungen.
Aber es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mir nicht wünschte, nie geboren worden zu sein. Meine Ehe ist gescheitert, eine neue, weitere Beziehung einzugehen, kann ich mir nicht mehr vorstellen.
Ohne die preußische Disziplin, die meine Großmutter mir vorgelebt und eingeimpft hat und die auch immer eine gefährliche Nähe zur Selbstverleugnung hat, könnte ich keiner meiner ganz normalen Verpflichtungen nachkommen.
Was mir in Folge der Tat verloren gegangen ist, ist die Fähigkeit die tägliche Dosis körpereigener Glückshormone zu produzieren, die “normalen” Menschen hilft die Realität soweit auszublenden, dass sie es in der Welt, die uns umgibt aushalten können. Deren Produktion wird in Folge von Traumatisierungen gedrosselt wie ich heute weiß, der Hirnstoffwechsel gerät aus dem Gleichgewicht.
Betroffene sehen die Welt, so wie sie ist und was sie sehen, ist häufig alles andere als schön.
Verschiedene Therapien, zum größten Teil privat von mir finanziert, auch als Teil einer beruflichen Weiterbildung, haben immerhin dazu geführt, dass ich mich entschlossen habe zu handeln, statt zu verdrängen und zu resignieren. Auch wenn ich meine Vergangenheit nicht ändern kann, kann ich dazu beitragen, dass das, was mir geschadet und meine Lebensfreude und meine Lebensqualität mindert, offenbar wird und sich etwas weniger an anderen wiederholt.
Jeder sachliche Bericht über sexuellen Missbrauch, jeder überführte und verurteilte Täter, jede Initiative ist für mich ein Triumpf über die gegenwärtige und vergangene Ignoranz meiner Mitmenschen.
Das gibt mir viel Kraft.
Selbstvertrauen und ein Gefühl von Selbstwirksamkeit konnte ich im Laufe der Zeit aufbauen, mein Selbstwertgefühl und mein Selbstbewusstsein blieben bis heute zerstört. Ich weiß, wie man selbstbewusst auftritt, aber ich empfinde mich nicht so. Auch das habe ich mit vielen Betroffenen gemeinsam.
Ich würde mich sehr freuen, wenn ich es noch erleben könnte, dass Menschen in meiner Umgebung sexuelle Umgangsformen und Normen entwickeln, die die Bezeichnung “Kultur” verdienen und die primitive, konsumierende, menschenverachtende sexuelle Übergriffigkeit, die ich als Bedrohung für unsere Gesellschaft ansehe, langsam aus unserem Leben entfernen.
Angelika Oetken Berlin, den 15.2.2010
FR-online.de 7.02.2010
Internationale Tagung auf dem Campus Westend behandelt Vererbung von Traumata
Von Alicia Lindhoff
Wir Kinder der Kriegskinder”, “Die Gesellschaft der Überlebenden” oder einfach “Kriegsenkel”: So oder ähnlich lauten die Titel auf dem großen Tisch im Untergeschoss des Bücherhauses Hugendubel. Die Auswirkungen der Kriegserfahrungen auf die heutige Gesellschaft – 65 Jahre nach Kriegsende bewegt die Deutschen das Thema.
Und nicht nur die. Vom 5. bis zum 7. Februar tagt in Frankfurt eine Konferenz der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPA). Drei Tage lang befassen sich dort renommierte Wissenschaftler aus aller Welt mit den “langen Schatten früher und später Traumatisierungen”. Vor einem solchen Hintergrund liegt es nahe, die Folgen des vielleicht größten kollektiven Traumas der westlichen Welt in den Fokus zu nehmen: Die Shoa. Schon seit geraumer Zeit ist bekannt, dass in Familien mit Extrem-Traumatisierungen, wie sie bei Holocaustüberlebenden, aber auch auf der Täterseite vorhanden sind, die Traumata an die zweite und dritte Generation weitergegeben werden. Aus psychologischer Sicht ist das nicht verwunderlich: “Für die normale Entwicklung von Kindern ist es essentiell, dass sie von ihren Eltern eine Art ,Urvertrauen´ in die Welt vermittelt bekommen”, erläutert Marianne Leuzinger-Bohleben, Direktorin des Frankfurter Sigmund-Freud-Institutes. Sei dieses Vertrauen bei der Mutter nicht vorhanden, könne sie es auch nicht auf ihr Kind übertragen. “Bei traumatisierten Müttern kommt bei jedem Schrei des Kindes wieder die alte Angst und Hilflosigkeit hoch.”
Neu ist aber, was Wissenschaftler jetzt in einem beispiellosen Zusammenspiel von Genforschung und Psychoanalyse herausgefunden haben: Eine solche Übertragung von Traumata auf die nächste Generation ist auch genetisch belegbar. Der US-Forscher Stephen Suomi hat bei Langzeitstudien mit Rhesusaffenbabys einen Zusammenhang zwischen Kindheitsumfeld und Genstruktur entdeckt.
Die Erbanlagen von Affen, deren Mutter in ihren ersten Lebensmonaten abwesend oder nicht in der Lage war, sie zu schützen, verändern sich demnach so, dass sie später eher zu Angst und Aggression neigen als ihre Artgenossen, die mit einer sorgenden Mutter aufwachsen. In seinem Vortrag am Sonntag wird Suomi die neuen Impulse in der Psychotherapie vorstellen, die seine Forschungsergebnisse liefern könnten.
Charles Hanly, Präsident der IPA, bescheinigt Frankfurt eine bedeutende Rolle in der internationalen Psychoanalyse. Besonders die Präventionsstudien des Sigmund-Freud-Institutes zur Förderung von Kindern aus problematischen Verhältnissen hebt er als wegweisend hervor.
Dass die Psychoanalyse auch in anderen Bereichen nicht nur graue Theorie ist, sondern ganz nah an gesellschaftlichen Problemen ansetzt, macht Hanly selbst deutlich: Der kanadische Psychoanalytiker beschäftigt sich seit Jahren mit Ursachen von Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und Suizidgefährdung. Ein Großteil der Patienten habe in jungen Jahren mit sexuellem Missbrauchs zu tun gehabt, erzählt er.
Seine Erfahrungen zeigten, dass “menschengemachte” Traumata bei ihren Opfern oft größere psychologische Zerstörungen auslösen als etwa Naturkatastrophen. Vor allem dann, wenn der Missbrauch durch eine Person geschehe, die dem Opfer nahestehe oder – wie in den aktuell aufgedeckten Fällen des Missbrauches während kirchlicher Jugendarbeit – eine erzieherisch wirke. Abermals spricht der Wissenschaftler vom “Urvertrauen”, das dann verloren gehe.
Zudem glaubten die Opfer von Missbrauch meist, schuldig am Geschehenen zu sein. “Es klingt vielleicht zynisch, aber für ein Erdbeben wie in Haiti wird sich keiner der Betroffenen verantwortlich fühlen”, erklärt Hanly den Unterschied zwischen “äußeren” und “inneren” Traumata.
Quelle:
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/campus/2277538_Alte-Angst.html
I
Mein schwules Comming Out hatte ich erst, als ich schon mitte zwanzig war. In der Zeit davor hielt ich mich für heterosexuell. Ohne zu begreifen, dass ich in Wahrheit Gefühle von mir und meinem bewussten Erleben abgespalten hatte, die gewöhnlich für andere Menschen leicht zugänglich waren. Die Sexualität war nur ein einziger Aspekt dieser Abtrennungen.
Körperlich machten sich in unterschiedlichen Situationen immer wieder Schwitzen, Zittern und Herzrasen bemerkbar, ohne dass ich damit eine Emotion in Verbindung brachte. Dass alleine der Umstand in einer Situation zu leben, mit der man unzufrieden ist, Dauerstress bedeuten kann, war mir ebenfalls nicht bewusst.
Es war sogar über viele Jahre schwierig für mich, alltägliche Gefühle in Worte zu kleiden. Zugleich wurden immer wieder Rechtfertigungen von mir (über mein Verhalten, Bedürfnisse, Wünsche) gefordert, die ich nicht liefern konnte.
II
Der Täter, den ich nach dem Coming Out über eine Kontaktanzeige kennengelernt hatte, wusste als einziger davon, dass ich als Kleinkind sexualisierte Gewalt überlebt hatte. Ich war wieder dazu in der Lage, mich daran zu erinnern, und erzählte eines Tages ausgerechnet ihm davon. Er nutzte meine Scham- und Schuldgefühle, alte Verhaltensmuster, meine verzerrte Wahrnehmung der Welt die ich als komplex traumatisierter junger Mann mitte 20 in den 90ern aufwies zu seinem Vorteil.
Ihm war auch bekannt, dass ich 6 Jahre lang nicht gewohnt hatte, sondern in einer „Einrichtung“ untergebracht gewesen bin, dass ich in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen war. Ein „normales“ Leben und Miteinander kannte ich kaum. In meinem Wissen über Alltagserfahrungen und Erfordernissen klafften gewaltige Lücken.
Link: http://www.forsea.de/projekte/2004_marsch/marsch_g_keitel.shtml
Über vieles, was in meinem Leben passiert war, traute ich mich nur in meinem engsten Umfeld auszutauschen. Und auch da blieb es bei Ausnahmen, denn ich wurde zu schnell danach be- und verurteilt. Was nicht sein sollte, durfte nicht sein – was ich erzählte, interpretierten andere scheinbar als übertrieben und unrealistisch.
Im November 1999 fuhr er mit mir im Auto gegen einen Baum. Um uns beide zu töten, wie ich zum Zeitpunkt seines Verbrechens fest überzeugt war.
Unterwegs wiederholte er mit monotoner Stimmer immer wieder „Ich will alles noch einmal sehen!“ während ich protestierte, weil ich im Schieberollstuhl Rückenschmerzen bekam. Er sagte immer wieder nur: „Ich will alles noch einmal sehen!“
Stunden zuvor waren wir in Rüsselsheim bei Bekannten. Dort saßen wir bis spät in der Nacht.
Das eine oder andere Bier wurde geleert, Schnaps machte die Runde, Musik lief, etwas von „The Clash“. Für Wärme sorgte ein Ofen, in dem Holz brannte. Es wurden Zigaretten geraucht und geredet.
Fast alle meine Freunde waren aus meinem Leben geekelt, somit waren die Rüsselsheimer der traurige Rest, zu dem ich in dieser Zeit persönlichen Kontakt hatte. Isolation zog sich durch mein ganzes Leben, schon immer.
Der Schuldige, Bernhard Wierum (damals noch in den 40ern), der, bevor er sich bei mir einnistete in Bad Salzuflen bei seiner Mutter gelebt hatte, verhielt sich an dem Abend des „Autounfalls“ ungewöhnlich.
Er war still, wo ich sonst kaum einen Satz von mir geben konnte ohne unterbrochen zu werden. Der erwerbslose frühere Sozialarbeiter „Bernd“ (wie er gerufen wird) trank auch nicht – wie sonst für ihn üblich – übermäßig viel Alkohol, sondern war nüchtern.
Er wusste da bereits, dass er nicht mehr lange in meiner Wohnung bleiben würde, weil ich mir Hilfe geholt hatte. In der Not hatte ich den Rechtsanwalt aus Mainz, Rainer Aßmann, als rechtlichen Betreuer beauftragt. Alleine konnte ich mit Wierum nicht fertig werden und aus der Wohnung bekommen, also setzte ich meine Hoffnungen auf den Anwalt.
Meine Behinderung, Muskelschwund, ist fortschreitend. Ich nutze heute ausschließlich den elektrischen Rollstuhl, weil in meinen Armen keine Kraft zum Bewegen eines manuellen Rollstuhls ist. Meinen Tee trinke ich durch einen Strohalm.
Das Zunehmen der Muskelschwäche läßt sich verlangsamen, indem ich ein wenig auf die Ernährung achte und regelmäßig Physiotherapie betreibe. Was einmal kaputt ist, läßt sich jedoch nicht wieder herstellen. Die Muskelkraft ist dann unwiederbringlich verloren.
Laufen konnte ich noch bis ich Anfang 20 war, auch wenn meine Arme bereits als ich Teenager war sehr schwach wurden. Theoretisch könnte ich aber, mit etwas Rücksicht auf meine spezielle Form der Muskelsystrophie, ein hohes Alter erreichen, was meine Mutter im Gespräch mit anderen Menschen bestritt. Sie betonte immer wieder, ich würde jung sterben.
Wenn ich mich mit anderen über meine Mutter unterhielt, wurde ihr oft recht gegeben. Ich wurde für krank – sogar für totkrank – gehalten. Für jemanden, der sein Schicksal leugnen will. Dabei macht mir der Tod keine Angst. Wenn es für mich soweit ist, wie für jeden anderen Menschen irgendwann, werde ich ihm entgegensehen.
Diese Reaktionen auf meine Gesprächsversuche bauten eine weitere Hürde für mich auf. Zumal sich in der Vergangenheit mehrmals Gerüchte ausgebreitet hatten und ich deshalb von Gleichaltrigen als Kind gemieden wurde. Ich wusste damals nicht einmal, warum. Als Kind wurde nicht mit mir darüber geredet, daß ich eigentlich sehr jung sterben sollte.
Warum es zu dieser Illusion kam, bringe ich mal so auf den Punkt: Meine Mutter wollte schlicht und einfach nicht, daß ich lebe. Etwas, was sie sich selbst gegenüber wiederum nicht eingestehen wollte und bis zu ihrem eigenen Ableben trotz anderslautender Bescheinigungen von Fachärzten vertrat. Ob es damit zusammenhängt, daß sie etwas von dem wusste, was ich als Kleinkind erlebte, werde ich wahrscheinlich nie erfahren.
Ich verabschiedete mich 1999, mit Ende 20, draußen in der Kälte von den Rüsselsheimer Bekannten.
Bernhard Wierum drängelte um mich mit dem faltbaren Rollstuhl in mein Auto, einen umgebauten Ford Escort, zu schieben. Das Hetzen war seine Gewohnheit mir gegenüber.
Das Dach vom hinteren Teil des Wagens war in der Höhe nachgerüstet und innen mit herausziehbaren Gurten versehen, mit denen der Rollstuhl für die Fahrt fixiert wurde. Außerdem ließ das Auto sich per Knopfdruck absenken, damit es mir Rollstuhl befahrbar wurde.
Wir verließen Hessen, gelangten bald nach Rheinland-Pfalz und kamen vor meiner Wohnung an… Darüber war ich erleichtert, denn ohne den Recarositz meines elektrischen Rollstuhls bekam ich auf Dauer unangenehme Rückenschmerzen. Der Schieberollstuhl war damals schon ein Notbehelf. Heute kann ich ihn aufgrund der körperlichen Verschlechterungen gar nicht mehr nutzen.
Ohne Ankündigung startete Bernhard Wierum erneut das Auto und fuhr unter meinen Protesten los. „Ich will alles noch einmal sehen!“ war das letzte, was er zu mir sagte.
Als wir uns auf der Autobahn befanden, ließ er andere Verkehrsteilnehmer hinten auffahren und fuhr selbst mutwillig gegen Autos, von denen es um die Uhrzeit zum Glück nur wenige auf der Straße gab.
Ich wurde hinterm Fahrersitz im Rollstuhl sitzend, mit dem Bauchgurt angeschnallt, herumgeschleudert. Das war auch seine Absicht.
Während der Fahrt fuhr er gezielt Schlingerbewegungen, bei denen ich mit dem Oberkörper links und rechts gegen die Innenseiten des Wagens knallte oder nach vorne geschleudert wurde. Dabei erlitt ich Verletzungen.
Wie „Bernd“ gegen den Baum steuerte sah ich nicht, weil mir da meine Jacke über den Kopf hing.
Ich schrie in Panik „NEIN!!“, weil ich den Eindruck hatte, er wollte das Gefährt erneut starten. Doch er stieg aus und lief auf die Straße, vor ein anderes Auto.
Ich hörte Bremsen quietschen und Flüche von einem aufgebrachten Fahrer.
Natürlich konnte ich selbst das Fahrzeug nicht verlassen.
Erst kam die Polizei, später öffnete die Feuerwehr gewaltsam das Auto, weil sich die Karosserie verzogen hatte. Wie sie dabei vorgingen, konnte ich nicht sehen, weil ich mit dem Rücken zu ihnen saß. Wenn ich mich richtig erinnere, qualmte die Front des Wagens. Wahrscheinlich stand ich unter Schock.
Mein Auto hatte einen Totalschaden.
Bernd Wierum und ich kamen in unterschiedliche Krankenhäuser.
III
Wie der Mainzer Rechtsanwalt Rainer Aßmann in einem Schreiben bestätigte, hatte mich Herr Wierum systematisch von der Außenwelt abgeschirmt. Dazu nutzte er auch meine Hörbehinderung, indem er das Telefon leise stellte oder die Haustürklingel ganz ausschaltete.
Meine Versuche, mich mit Leuten zu unterhalten, konnte er leicht unterbrechen weil ich oft leise spreche und meine Aussprache „verwaschen“ ist. Und wir lernen ja: wer nicht richtig sprechen kann, ist nicht richtig im Kopf. Wenn ich protestierte, ignorierte er mich einfach, auch vor Zeugen. Da ich kaum Erfahrungen im normalem Umgang mit anderen Menschen hatte, wurde mir das erst recht zum Verhängnis. Meine Naivität wurde immer wieder gegen mich interpretiert.
Wierum nutzte über 3 Jahre die schweren Depressionen, Unsicherheiten und Schlafstörungen aus, unter denen ich phasenweise schon immer litt. Ich verdrängte alles mögliche. Doch die Symptome von unterschiedlichsten Missbräuchen traten trotzdem bei mir auf.
Je mehr er mich stresste, demütigte und auf mir herumgehackte, desto handlungsunfähiger wurde ich. Völlig erschöpft an Körper und Seele, schlecht ernährt und ohne Physiotherapie, dafür aber ununterbrochen unter Druck, konnte ich bald gar nicht mehr handeln und entscheiden. Dieser andauernde Stress war sogar für mich zu viel.
Bernhard Wierum nervte und quengelte wegen jeder Packung Vollkornnudeln oder frischem Gemüse das ich aus dem Regal holen lassen wollte, er war nicht zu stoppen. Er selbst ging regelmäßig in die Mensa der Universität Mainz. Letztlich war die Küche zuhause dermaßen verdreckt, daß ich mich nur an Aufbackpizzen aus dem Ofen traute. Für mich gab es nur die billigsten Pizzen (!), meine Unversehrtheit war für den Herrn Wierum nichts wert.
Entgegen kam ihm das Vorgehen des damaligen Sozialamtes.
Als ich eine Erbschaft erhalten sollte, stoppte das Amt spontan alle Zahlungen für mich und meine Assistenz („Helfer“), so dass ich auf Wierum angewiesen war, um zur Arbeit gefahren zu werden. Wie bereits angedeutet saß ich hinten im Auto und nicht selbst am Steuer. Und selbst wenn ich hinterm Lenkrad gesessen hätte, hätte ich Assistenz gebraucht um aus dem Bett gehoben zu werden.
Die Erbschaft konnte ich zunächst gar nicht einlösen, weil ich dazu die notarielle Beglaubigung durch den Notar meines Halbbruders benötigte. Er meinte mir einen Gefallen damit zu tun, wenn er das Auszahlen verzögerte. Aber er wusste nicht, daß beeinträchtigten Menschen ihr Vermögen praktisch weggenommen wurde und wird.
Link: http://www.forsea.de/projekte/Teilhabesicherunggesetz/THSG_start.shtml
Meine Assistenten verschwanden nach und nach, sie wurden hinausintrigiert. Zur Art meiner Versorgung mit Assistenten werde ich gleich noch mehr schreiben, im Zusammenhang mit den Kapitalverbrechen von Herrn Bernhard Wierum.
Als ich einmal versuchte, mein Leben zu beenden, rief Bernhard keinen Notarzt. Er war sich darüber im Klaren, dass sonst sein Vorgehen mir gegenüber auffliegen würde und er nach Bad Salzufflen zur Mutter zurück musste.
Was mir im ersten Jahr mit ihm leider nicht klar wurde, war dass er mich scheinbar auch leidend und angeekelt sehen wollte. Er hatte seinen Spaß daran. Wenn ich mir andere Fälle durchlese die als sexualisierte Gewalt bezeichnet werden, war Wierum nah an der Grenze zu dieser Form des Mißbrauchs. Um keine Leser und mich selbst unnötig zu triggern gehe ich nicht ins Detail. Aber die ganze Wohnung stank aufgrund einer sexuellen Vorliebe, die er mir nie selbst gestanden hatte. Von ihm kamen nur Andeutungen, die ich sehr unappetitlich fand.
Wenn die Angelegenheit mit der Erbschaft nicht in mein Leben getreten wäre, hätte ich ihn wieder zurück nach Bad Salzufflen schicken können. Das Fass war gerade am überlaufen, ich wollte längst nichts mehr von ihm wissen. Die „Beziehung“ war keine und hatte noch nicht einmal das erste Jahr überlebt. Doch durch die Erbschaftsangelegenheiten und der Reaktion des Sozialamtes gewann er wieder Oberwasser über mich. Unter anderem deshalb weil ich zur Arbeit ins Büro musste.
Ganz zu schweigen davon, daß seine Hemmungen weiter sanken, je mehr Menschen er aus meinem Leben bekam.
IV
Ich erhielt 10 Jahre später Unterlagen von meiner früheren Rechtsanwältin Nicole Banten, denn sie gab den Fall Wierum ab. Die Vollstreckungsangelegenheit konnte nicht vollzogen werden, weil der seit Anfang 2000 gesuchte Arbeitslose sich nicht an der gemeldeten Adresse aufhielt. Außerdem geht aus ihrem Schreiben an mich hervor, dass er vermeidet Arbeitseinkommen zu erzielen. Er beabsichtigt immer Hartz 4 zu beziehen.
Einer Kopie (Datum: 10.11.99) meines ehemaligen rechtlichen Betreuers, Rainer Aßmann, läßt sich entnehmen, dass meine beiden Konten sogar im Haben waren. Dies war auf Herrn Wierum zurückzuführen, der sie mit gefälschten Unterschriften komplett leergeräumt hatte. Mir fehlte danach das Geld für Essen, Miete, Heizung, Telefon etc.
Zwei Konten hatte ich damals, weil ich als einer der ersten in Mainz das „Arbeitgebermodell“ praktizierte. Das bedeutete, ich suchte und beschäftigte meine Assistenz selbst. Als behinderter Arbeitgeber, der sich seine Assistenz („Pfleger“) selbst organisierte, hatte ich zu dieser Zeit hohe Summen auf dem Konto der Sparkasse.
Ich kann selbst schreiben und telefonieren, was Herr Wierum in einer ohne mein Wissen geführten Korrespondenz mit dem Wohnungsamt abstritt. Als er belastende Unterlagen verschwinden ließ, muss er dieses Dokument übersehen haben, sonst hätte ich es nicht finden können. Anderes Beweismaterial wurde von ihm offensichtlich vermichtet.
Außerdem hatte er mich ja bei verschiedenen Behörden angeschwärzt, Freundschaften und Kontakte gezielt zerstört und Lügen verbreitet. Er hat mich über Jahre hinweg körperlich zerstört und psychisch traumatisiert. Ermöglicht wurde dies durch Umstände, die ich nicht selbst verschuldet habe. Er wurde zwar wegen einem kleinen Teil seiner Verbrechen verurteil, aber Konsequenzen musste er dafür nicht tragen.
Es war nie meine Absicht, ihn zu beschäftigen, wie er es mit viel Druck und Erpressung letztlich aber erreicht hatte. Bernhard Wierum nutzte eine Notlage aus und inszenierte weitere Notlagen. Mein Leben war gefährdet, meine Unversehrtheit läßt sich nicht wieder herstellen.
Ein weiteres Beispiel seiner hemmungslosen Dreistigkeit findet sich in den Kopien des Schreibens seiner ehemaligen Rechtsanwältin und Betreuerin Anne-Marie Trakies, aus denen hervorgeht, daß er für seine „Arbeit“ doppelt kassieren wollte, über 25.000 DM, die ich ihm zahlen sollte. Wenigstens das gelang ihm nicht.
Ich lebe von der Grundsicherung, die an die Hartz 4-Sätze angelehnt ist, weil ich mich berenten lassen musste. Durch die Verschleppung des RA Rainer Aßmann wurde ich weder entschädigt noch wurden die Anzeigefristen für die meisten Verbrechen des Herrn Wierum eingehalten.
Herr Aßman wird von der Betreuungsbehörde Mainz nicht mehr vermittelt, weil er für sein Geklüngel mit dem Pflegedienst Christa Bernhard bekannt wurde, über den er übrigens auch auf mich andere Betreuungsfälle ansetzte.
V
Folgendes schrieb ich am 14. Januar 2010, etwas mehr als 10 Jahre nach dem „Unfall“, in meinemm Anschreiben an den WEISSEN RING:
„Regressansprüche gegen Betreuer und Anwalt Rainer Aßmann
Sehr geehrter Herr Wolsfeld,
aus den Kopien, die diesem Schreiben beiliegen, geht teilweise hervor, in welcher Weise Herr Aßmann, den ich in einer Notlage als rechtlichen Betreuer beauftragen musste, meine Rechte mißachtet und meine Lage ausgenutzt hatte. Zum einen hat er sich vor den Täter Bernhard Wierum gestellt, gegen den er mich eigentlich vertreten sollte, zum anderen hat er andere Betreuungsfälle als Assistenz („Pflege“) bei mir eingesetzt. Diese waren zum Teil sehr schwierig. Zu der Zeit, als ich Herrn Wierum überlebt hatte, war ich traumatisiert und hatte keine psychologische Unterstützung bekommen.
Diese Kopien habe ich mit einer kurzen Schilderung meiner damaligen Lage am 12. Januar an das Arbeitsamt Salzuflen geschickt, bei dem Herr Wierum, wegen dem ich Herr Aßmann beauftragen musste, vermutlich gemeldet ist. Bernhard Wierum wurde wegen den meisten seiner Verbrechen nicht belangt, weil sich Herr Aßmann ohne mein Wissen geweigert hatte, für mich tätig zu werden. Ebenso hat er ohne mein Wissen die Assistenzstunden aus heiterem Himmel um die Hälfte gekürzt, weil ich mit seinen Fällen nicht klar kam. Diese hatte er auf mich angesetzt.
Ich würde gerne mit Ihnen einen Termin zur Beratung ausmachen, um zu sehen, was sich noch in dem Fall meines ehemaligen Betreuers Aßmann bzw. Wierum machen läßt. Es wäre wünschenswert, wenn Herr Aßmann seine Position in Zukunft bei anderen Menschen nicht mehr ausnutzen kann.
Mit freundlichen Grüßen
(Manfred Keitel)
- Anlagen“
Dies ist die Antwort vom weissen Ring, die mich mit der Post erreichte:
„Sehr geehrter Herr Keitel,
über den Leiter unserer Außenstelle Mainz erreichte uns Ihr Hilfeersuchen vom 14.1.2010. Wir bedauern, dass Sie sich erheblichen Problemen ausgesetzt sehen, müssen Ihnen jedoch mitteilen, dass auch dem WEISSEN RING Grenzen gesetzt sind und wir keine Hilfsmöglichkeiten sehen.
Wir bitten um Verständniss und verbleiben
Mit freundlichen Grüßen
Edith Dykta“
VI
Während ich über meine Erfahrungen schreibe, bekomme ich Schweissausbrüche, Schlafstörungen, Herzrasen und Kopfschmerzen. Dabei ist es für mich wichtig, aus dem Bett zu kommen, schon deshalb, weil Bettlägerigkeit das Nachlassen der Muskelkraft zur Folge haben kann.
Dabei bin ich „nebenbei“ immer wieder mit anderen Diskriminierungen konfrontiert, solche wie sie auch hier formuliert sind:
Link: http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,10727/ticket,g_a_s_t
Link: http://kobinet-nachrichten.org/
Mein Fazit: Wer einmal in Schwierigkeiten ist, gerät in Gefahr, in immer neue Probleme hereingezogen zu werden. Weil ich aufgrund der Verwahrlosung mit einem schnellen Abbau meiner Körperkräfte leben muss, sitze ich im Rollstuhl.
Anderen Überlebenden empfehle ich, Geduld mit sich selbst zu haben und sich möglichst gut zu behandeln. Ihr hab besseres verdient!
Hallo, Ihr alle!!!
Am vorletzten Sonntag hat uns unsere Tochter angerufen. Wir sollten doch bitte mal zu ihr kommen. Sie müsste mal mit uns reden. Wir fuhren hin, ca. 25 km, kein Problem. Während der Fahrt unterhielten wir uns, meine Frau und ich, was unsere Tochter uns wohl zu sagen hat. Wir dachten, dass ihre Beziehung auseinander geht oder ähnliches…. Bei ihr angekommen, erzählte uns ihr Lebensgefährte, weil sie selbst nicht in der Lage war – was zu verstehen ist – dass sie vor 17 Jahren missbraucht wurde. Es war wie ein Schlag ins Gesicht… Und das Schlimme ist, der Täter ist in der eigenen Verwandtschaft… Unsere Tochter ist 31, hat selbst 2 Kinder, Tochter 6, Sohn 5. Sie hat Angst, dass ihrer Tochter selbiges passiert. Wir sagten ihr, dass wir, egal, welcher Dreck jetzt von der anderen Seite geschmissen wird, zu ihr stehen. Wir glauben ihr und wollen sie in ihrer Situation unterstützen, egal, was kommt… Es wird ein schwerer, langer Weg, aber wir sind stolz, dass sie so viel Vertrauen zu uns hatte, dieses schwere Gespräch mit uns zu führen!!! Mittlerweile haben wir uns als Eltern eine Therapeutin gesucht. Mit so einem Schlag kann man nicht so einfach umgehen, man braucht jemanden zum reden. Egal ob Psychotherapeut oder Pfarrer. Ja, auch ein Pfarrer kann unterstützen, sogar sehr… Mittlerweile ist die Situation so, dass von der anderen Seite alles abgestritten wird. Wir sind die Bösen. Aber so wie ich das so sehe, geht es allen Opfern so. Aber wir werden dagegen kämpfen und zu unserer Tochter stehen… Wir haben ihr eine Adresse versorgt, wo sie zur Therapie gehen kann, sie nimmt diese Hilfe an, was wir sehr gut finden.
Leute, erzählt Eure Lebensgeschichte. Ich glaube, wenn das erst mal raus ist, dann findet sich immer jemand, der einem zuhört und hilft und Euch auch glaubt!!!! Und Euch wird das Reden gut tun.
Und: Bitte unterschreibt die Beschwerde an den Europäischen Gerichtshof. Ihr helft Euch selbst und den vielen, vielen anderen, die noch unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit schlummern!!! Euch wurde ein Schmerz zugefügt, der ein Leben lang, ein Leben lang in Euch rumort und Euch nicht zur Ruhe kommen lässt.
Solche Taten dürfen nicht verjähren!!! Es ist doch nicht einfach ein Auffahrunfall im öffentlichen Straßenverkehr… So einfach geht das nicht!!! Bleibt stark und redet, redet, redet, damit die anderen erfahren, was in dieser Gesellschaft krank ist…
Alles Gute Euch allen!!!
Steffen
Guten Tag Herr Denef,
wir haben vor langer Zeit mal miteinander geschrieben. Da habe ich Ihnen erzählt, dass auch ich missbraucht wurde.
Über ca. sieben Jahre… Mit Programm. Punkte setzen und so.
Ich mache eine ambulante Traumatherapie, die sehr hart ist… Aber langsam hilft sie.
Es ist 30 Jahre her, der ganze Mist und ich leide immer noch wie ein Tier. Bin jetzt auf Rente für zwei Jahre und mein Leben ist ein Chaos.
Da ich auch multiple bin, ist es sehr schwer… Ich kann es einfach nicht vergessen, das Ganze.
Besonders jetzt ist es wieder so schlimm, wo die Dinge mit der Katholischen Kirche wieder so nahe sind.
Ich finde es gut, dass es raus kommt!
Aber was kann man machen, das alles ans Licht kommt?
Würde so gerne helfen, aber wie??
Also bei mir lief der Missbrauch in der Familie. Drei Männer, deren Gesicht ich nie gesehen habe – schwarze Masken und so…
So ich kann nicht mehr.
Ich wünsche ihnen ganz viel Kraft für ihre tolle und so wichtige Arbeit.
Wenn ich nur was machen könnte, dass das endlich aufhört, der Missbrauch und das Verschweigen.
Alle austreten aus der Kirche oder so?
Ich bin schon lange nicht mehr in der Kirche.
Oder eine Demo?
Lg Jürgen Scherr
(Damals noch Frerichs, habe den Namen von meiner Frau angenommen. Ich will so nicht mehr heißen, Frerichs, ich hasse diesen Namen)
Von Simone Matthieu.
Immer wieder hören wir von sexsüchtigen Prominenten. Zurzeit lässt sich etwa Tiger Woods gegen diese Abhängigkeit therapieren. Was steckt hinter diesem Phänomen?
In der berühmten Pine Groove Klinik im Süden von Mississippi lässt Tiger Woods zurzeit seine Sexsucht therapieren. Er hat sich damit in die wohl fähigsten Hände auf diesem Gebiet begeben: Der dort tätige Psychologe Patrick J. Carnes ist Pionier und Koryphäe auf dem Gebiet der Hypersexualiät. Carnes definiert Sexsucht so: «Nur ein ausser Kontrolle geratenes Verhalten, das einhergeht mit den klassischen Anzeichen für Sucht – Besessenheit, Machtlosigkeit und die Benutzung von Sex als Schmerzmittel – weisen auf sexuelle Sucht hin.»
Auf wen diese Beschreibung zutrifft, der sollte sich Hilfe holen. Viele Prominente haben das getan: Michael Douglas, David Duchovny, Ron Wood oder Liza Minelli. Obwohl Frauen nur 10 Prozent der Sexsüchtigen ausmachen, können sie genauso darunter leiden. Schätzungen zufolge sind 4 bis 5 Prozent der Bevölkerung sexsüchtig.
In den USA gibt es Fachkliniken, die sich auf die Behandlung dieser Störung spezialisiert haben. In der Schweiz stehen Betroffenen Einzeltherapien bei Psychologen oder Psychiatern zur Verfügung sowie Selbsthilfegruppen, die meist als sehr hilfreich empfunden werden. Eine davon betreibt das Mannebüro Zürich. Ähnliche Angebote gibt es in allen Schweizer Städten.
Mit dem Problem nicht allein sein
Werner Huwiler, Gruppenleiter beim Mannebüro zürich, betont gegenüber bazonline.ch/Newsnetz den Vorteil der Gruppentherapie: «Viele Männer, die bei uns Hilfe suchen, haben bereits verschiedenste Sachen ausprobiert und fast schon resigniert. Umso grösser ist die Erleichterung, wenn sie bei uns feststellen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind.» Der Leidensweg sei bei den meisten Betroffenen lang. Beziehungen gingen an ihrer Sucht kaputt und einige landeten dadurch in der sozialen Isolation. Sexsucht kostet auch viel, je nachdem, wie häufig die Süchtigen zu Prostituierten oder ins Bordell gehen müssen.
Auf Gruppentherapien setzt auch Dr. Carnes. Mindestens sechs Wochen dauert ein Aufenthalt in der Pine Groove Klinik, soll er erfolgreich sein. Neben Gruppensitzungen erhält der Patient Einzeltherapien, bei denen speziell auf vergangene Traumata und familiäre Probleme fokussiert wird. Laut Dr. Carnes ist es emminent wichtig, den Partner des Patienten ebenfalls in die Therapie miteinzubeziehen. Auch bei Tiger Woods gehört das zum Weg der Besserung: Seine Frau Elin Nordegren ist immer wieder bei ihm in der Klinik und offenbar bereit, ihrem Mann eine zweite Chance zu geben.
Sex als Genuss, nicht als selbstauferlegter Zwang
Das Ziel von Huwiler und seinem Mannebüro ist, die Betroffnen zu lehren, Sex zu geniessen und nicht einfach nur zu konsumieren. Mit Körperarbeit – Übungen im Bereich der Atemtechnik, Bewegungs- und Entspannungstechniken – soll das erreicht werden. Die Techniken lernen die Männer in der Gruppentherapie, zu Hause können sie sie im Selbststudium üben.
Huwiler nennt das «eine Art Weiterbildung, bei der die Methoden der Selbstbefriedigung erweitert werden». Der Mann solle nicht nur vor dem Computer sitzen und onanieren, sondern seine Sexualität ganzheitlich geniessen. «Sexsüchtige sind oft nur auf pornografische Bilder fokussiert. Es geht darum, die körperlichen Empfindungen auch zuzulassen und alles wahrzunehmen. Sobald man mehr geniessen kann, werden die Bilder weniger wichtig», so Huwiler.
Quelle:
(bazonline.ch/Newsnetz) Erstellt: 29.01.2010, 12:41 Uhr http://bazonline.ch/panorama/leute/Wenn-Sex-zum-Schmerzmittel-wird/story/27583639
Sehr geehrter Herr Denef,
da auch ich – jetzt 78 – als 16-Jähriger von einem katholischen Priester missbraucht wurde, ist es auch mir ein Anliegen, alles zu tun, um diese Missstände zu beseitigen. Die Missstände sind ja nicht die Schuld einzelner, sondern sie sind Folgen einer völlig verfehlten Einstellung der katholischen Kirche zur Sexualität. Leider sind die meisten dafür Verantwortlichen nicht imstande, die “Zeichen der Zeit” zu erkennen.
Die Geschichte meines Missbrauchs ist weit weniger dramatisch als die Ihre und hat bei mir, soweit ich es jetzt beurteilen kann, keine bleibenden Schäden hinterlassen, außer einer starken Abneigung gegen Zigarrenraucher. Die Entscheidung, ob Sie meine Geschichte veröffentlichen wollen, überlasse ich Ihnen.
Im Sommer 1946 durfte ich als 14-Jähriger mit einem Kindertransport auf zwei Monate in die Schweiz fahren. Ein Teil dieses Aufenthalts fand in einem Pfadfinderlager statt, das von einem Theologiestudenten geleitet wurde.
Dieser Theologiestudent wurde im Jahre 1948 zum katholischen Priester geweiht und lud mich zu seiner Primiz ein. Ich wurde dort in Pratteln in der Nähe von Basel im Pfarrhaus untergebracht, wo ich mit dem Pfarrer allein wohnte.
Dieser Pfarrer, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann, ein sehr großer und kräftiger Mann, befahl mir, mich auf eine Couch zu legen. Dann legte er sich auf mich, presste seinem Mund auf meinen Mund und sagte: „Gib mir was!“ Offenbar erwartete er sich Zungenküsse, die ich ihm aber verweigerte. Er war ein starker Zigarrenraucher und mich widerte dieser Gestank an.
Am nächsten Tag fragte mich mein Freund, der Neupriester: „Hat er dich geliebt?“ Ich war erschüttert darüber, dass mein Freund von der Veranlagung des Pfarrers gewusst und mich nicht gewarnt hatte. Er hätte ja auch veranlassen können, dass ich anderswo untergebracht würde. Aber wir besprachen den Vorfall damals nicht weiter.
Da bekanntlich mit zunehmendem Alter Kindheitserinnerungen wieder stärker bewusst werden, ist mir auch dieser Vorfall in letzter Zeit wieder mehr bewusst geworden, vermutlich aber auch veranlasst durch die inzwischen darüber entfachte Diskussion.
Noch einige Bemerkungen zu diesem Thema:
Ich bin empört über die Reaktion von Papst Benedikt auf den Murphy Report – zumindest wie sie von den katholischen Medien dargestellt wird: der Papst sei „bestürzt“ gewesen, als er „jetzt“ davon erfuhr. Hatte er nicht 2001 als Kardinal die 1962 von Kardinal Ottaviani erlassene Anordnung bekräftigt, jedes Mitglied eines Kirchentribunals, das Berichte über solche Missbräuche an die Öffentlichkeit bringe, werde mit Exkommunikation bestraft?
Die vier jetzt zurückgetretenen irischen Bischöfe haben nichts anderes getan, als diese Anordnung befolgt.
In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung „Die Furche“ vom12. Februar 2004 hatte der damals neu ernannte Erzbischof Diarmuid Martin von Dublin offen über diese Missbräuche gesprochen und dabei erwähnt, dass etwa 3% der pädophilen Täter Priester seien. Wenn aber nur etwa 0,1% der erwachsenen männlichen Bevölkerung Priester sind, dann bedeutet das, dass Priester etwa dreißigmal eher zu Tätern werden als durchschnittliche Männer. Man könnte sagen: ein Glück für unsere Kinder und Jugendlichen, dass es immer weniger Priester gibt. Allerdings verleitet der Priestermangel dazu, trotz aller gebotenen Vorsicht doch immer wieder ungeeignete Kandidaten aufzunehmen.
Wie neuere Fälle zeigen, werden strengere Strafen das Problem nicht beheben. Eine grundlegende Reform des Systems „Katholische Kirche“ ist nötig, wie sie zum Beispiel Bischof Geoffrey Robinson in seinem Buch „Confronting Power and Sex in the Catholic Church – Reclaiming the Spirit of Jesus“ skizziert hat.
Friedrich Griess
Doppelngasse 117
3412 Kierling
Österreich
Tel.: +43 664 49 250 49
http://griess.st1.at
Einen Zusammenhang zwischen dem Stress-Hormon “Corticotropin Releasing Factor” (CRF) und der Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit haben Wissenschafter um Marisa Roberto vom The Scripps Research Institute in La Jolla in Kalifornien aufgedeckt. Bei Ratten gelang es experimentell sogar, die Symptome einer Alkohol-Abhängigkeit durch die Blockierung von CRF zu unterbinden.
Die Arbeiten wurden in der Wissenschaftszeitschrift “Biological Psychiatry” veröffentlicht. Die Studie sei ein wichtiger Schritt zu verstehen, wie sich das Gehirn beim Übergang zur Alkoholsucht verändert, so die Wissenschafterin. Dabei habe man sich auf “die dunkle Seite” der Krankheit konzentriert: also den Drang zu trinken, nicht weil es Vergnügen bereitet, sondern Ängste vor dem Entzug unterdrückt.
CRF ist Teil der Antwort des Körpers auf Stress. Ursprünglich wurde es in der Gehirnregion des Hypothalamus entdeckt. Nun konnte es aber auch in anderen Bereichen nachgewiesen werden, etwa in der Amygdala. Dieser auch Mandelkern genannte Abschnitt des Gehirns wird mit verstärkten Ängsten und auch exzessivem Trinken im Falle einer Alkoholsucht in Zusammenhang gebracht.
In Tierversuchen haben die amerikanischen Forscher den Stressfaktor CRF durch sogenannte Antagonisten chemisch blockiert. Bei Ratten zeigten sich durchschlagende Erfolge. So wurden alkoholabhängige Tiere durch längere Gabe des Antagonisten wieder zu moderaten Trinkern, ganz ähnlich wie gesunde Artgenossen. Mit anderen Worten, die Blockierung von CRF könnte exzessiven Alkoholkonsum verhindern, ist Roberto überzeugt.
apa.at
Quelle:
Diagnose, Neurobiologie und Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörung
Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, engl.: posttraumatic stress disorder, PTSD) wird klinisch charakterisiert durch die Symptomtrias „Wiedererinnern“ (so genannte intrusive Symptomatik, engl.: re-experiencing), „Vermeidung und Betäubung“ (engl.: avoidance and numbing) und „vegetative Übererregbarkeit“ (engl.: increased arousal). Diese Störung stellt insofern eine Ausnahme des phänomenologisch-beschreibenden, diagnostischen Ansatzes der modernen psychiatrischen Diagnosesysteme dar, als sie einen eindeutigen ätiologischen Bezug nimmt – nämlich auf ein erlebtes Trauma. Im Folgenden sollen spezielle Aspekte der PTBS zur geschichtlichen Entwicklung der Erfassung des Störungsbildes sowie betreffend Diagnose, Risiko- und Resilienzfaktoren, Neurobiologie und Therapie dargestellt werden.
Dass ein erlebtes Trauma zu bleibenden Veränderungen in den psychophysiologischen Funktionen eines Menschen führen kann, wurde schon früh erkannt. Schon Herodot beschrieb 490 v. Chr. den Fall eines Soldaten, der erblindete, nachdem er den Tod eines Mitsoldaten am Schlachtfeld gesehen hatte. Bemerkenswerterweise sollten die hinzugezogenen Ärzte keine körperliche Ursache für diese Erblindung gefunden haben.
Weiter lesen:
http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/p-z/psychiatrie-und-psychotherapie/?full=14613
75-Jähriger missbraucht Mädchen
Lichtenfels – Er galt als lieber Opa, der einem neunjährigen Mädchen unentgeltlich bei den Hausaufgaben half. Doch der angeblich so freundliche Nachbar, ein 75-jähriger Mann aus dem Landkreis Lichtenfels, missbrauchte die Unbekümmertheit seines Schützlings und griff dem Mädchen im vergangenen Jahr mehrmals in den Schlüpfer.
Verurteilt zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten wurde der 75-Jährige am Montag wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen und Kindern sowie wegen sexueller Nötigung. Zusätzlich muss der Mann 15 000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer und 3000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. In seinem Urteil kritisierte Richter Armin Wagner: “Sie haben einst Ihre Existenz damit bestritten, Kinder zu lebenstauglichen Menschen zu erziehen und kriegen jetzt ihre Rente dafür. Was sie getan haben ist nicht nur unmoralisch, sondern eine Straftat.” Wäre der Angeklagte noch im aktiven Dienst, hätte dieser eine Gefängnisstrafe bekommen.
Fast ein Jahr lang soll der 75-Jährige die damals Neunjährige – laut Anklage – in seiner Wohnung bei den Hausaufgaben betreut haben. Regelmäßig soll er dem Kind dabei nicht nur den Rücken und die Brust gestreichelt, sondern auch in unzähligen Fällen in die Hose und an das nackte Geschlechtsteil gegriffen haben. Zusätzlich soll er im August die Schülerin in seiner Gartenhütte mit seinen Armen umklammert haben und sie wissen lassen, dass er sie nur loslassen werde, wenn er ihre Brust küssen dürfe. Erst nachdem die Kleine eingewilligt hatte, konnte diese sich aus dem Griff des Angeklagten befreien und flüchten. Zu Tage kamen die Übergriffe des Seniors, weil sich das Kind seinen Eltern anvertraute.
Obwohl der Angeklagte im Vorfeld ein Geständnis angekündigt hatte, kam ihm im Gerichtssaal dieses nur zäh über die Lippen. Er gestand, er habe das kleine Mädchen sehr gemocht, deshalb habe er ihr hin und wieder über den Rücken gestrichen und sie dabei gelobt. Der 75-Jährige: “Ich habe mich zu ihr hingezogen gefühlt.” Richter Wagner: “Es ist aber keine pädagogische Handlung, einem Kind in die Unterhose zu greifen, mir ist das unvorstellbar.” Mit Gedächtnislücken glänzte der Senior, als es um das Erzählen von Details ging und er schimpfte: “Sie stellen Fragen, da kann ich mich doch nicht mehr erinnern.” Wagner: “Es ist doch wohl was anderes als wenn man irgendwo mal einen Kuchen isst.”
Vorgehalten wurde dem Senior von der Staatsanwältin Ulrike Barausch außerhalb der Anklage, dass der Senior auch einmal die Neunjährige und deren Freundin mit dem Fernrohr beim Nacktbaden im Garten beobachtet haben soll. Der Angeklagte verteidigte sich: “Ich habe das Fernglas geholt, weil ich die Fernbrille nicht finden konnte.” Er bestritt, dass die Kinder damals nichts an hatten. Nach nahezu einer Stunde Vernehmung, gab der Senior die Vorwürfe aus der Anklage mit “Es tut mir leid, ich habe sie angefasst” zu.
Eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren wollte die Staatsanwältin und eine Geldbuße von 2000 Euro. Sie erklärte, dass das Kind noch heute unter den Folgen der Übergriffe leide und sich deshalb in therapeutische Behandlung begeben musste. Der Angeklagte habe nicht nur das Vertrauen des Kindes, sondern auch das der Eltern missbraucht. Nebenklägerin Kristina von Imhoff begrüßte die Forderungen der Staatsanwältin und kritisierte: “Wenn ich mir vorstelle, dass der Angeklagte mal Lehrer war.” Der 75-Jährige habe wohl “ein Problem”, welches er in Angriff nehmen sollte.
“Er dachte nicht, welche Folgen das nach sich zieht”, sagte Verteidiger Rainer Taubert. Er glaubte, dass die Zeit alle “Wunden heilen werde”. Der Anwalt wollte eine Bewährungsstrafe von unter einem Jahr, auch damit der Angeklagte seine Pensionsansprüche nicht verliert. Taubert glaubte, dass das Urteil nur ein kleiner Teil der Härte sei, die seinen Mandanten nun treffe. “Es ist nur ein Stein in einem Mosaik”, so Taubert. dd
Quelle:
http://www.np-coburg.de/nachrichten/lokal/lichtenfels/art2395,1078413
Wir bitten Sie um Ihre Hilfe!
Bochum, 24.01.2010
Sehr geehrter Herr Denef,
wir schreiben Ihnen als Hinterbliebene unseres Lebensgefährten, Freundes und Papas Daniel Bongardt, der sich im Alter von 39 Jahren am 2. November 2009 das Leben genommen hat.
Daniel litt seit ca. zweieinhalb Jahren extrem an den Folgen sexualisierter Gewalt, die er seiner Meinung nach während eines Kinder-Kuraufenthaltes im damaligen Kurheim in Niendorf/Ostsee (Timmendorfer Strand) erlebt hat. Während des sechs Wochen dauernden Aufenthalts als sechsjähriger Junge, soll er auf bestialische Weise missbraucht, vergewaltigt, gefoltert und gequält worden sein.
Über dreißig Jahre lang, von 1977 bis 2007, sind Daniel, dem Kind, dem Jugendlichen, dem jungen Erwachsenen, dem Familienvater, diese Ereignisse nicht präsent gewesen.
Daniel war nach Bewusstwerdung der Ereignisse, nie wieder in der Lage ein „normales“ Leben zu führen.
Er hat bis zum Schluss so sehr gekämpft:
Gegen die urplötzlichen „Flashbacks“ am hellen Tage, die ihn mitten in der Stadt ereilten und ihn einfach umkippen ließen.
Gegen Todesängste und Panikattacken.
Gegen seine Alkoholsucht.
Gegen die Alpträume die ihn stundenlang gelähmt vor Furcht ans Bett fesselten.
Frau Pypker, seine Lebensgefährtin, hatte bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt (Anfrage beim Jugendamt der Stadt Bochum, über das die Kinder damals “verschickt” wurden, Anfragen bei Polizei und Staatsanwaltschaft, umfangreiche Internet-Recherche), um in Erfahrung zu bringen, wie das Kinderkurheim hieß, wer die damals Verantwortlichen waren.
Leider bisher ohne Erfolg.
Das einzige, was in Erfahrung gebracht werden konnte ist, dass es bis 1981 zwei Kinderheime in Niendorf/Ostsee gab, in denen Kinderkuren durchgeführt wurden. Einmal in St. Johann und zum anderen im Antoniushaus. Noch ist unklar, in welchen der beiden Heime der Missbrauch sich ereignet haben soll. Die folgenden Fotos beabsichtigen nicht, mit der jetzigen Einrichtung Maria Meeresstern, zu den damaligen angeblichen Verbrechen einen Bezug herzustellen. Vielleicht kann sich aber dadurch jemand an Daniel Bongardt erinnern und war eventuell mit ihm zur gleichen Zeit dort in dem Kinderheim, Ostern 1977 und kann uns bei der Aufarbeitung helfen.
Beim Jugendamt der Stadt Bochum existieren nach so vielen Jahren keine Unterlagen mehr. Polizei und Staatsanwaltschaft sahen keinen Handlungsbedarf, da das angebliche Verbrechen als solches verjährt sei. Was uns alle fassungslos gemacht hat und immer noch macht.
Daniel war bis zum Schluss beseelt von dem Gedanken, mit anderen Opfern in Verbindung treten zu können, denen vielleicht gleiches widerfahren ist.
Wir vier (Mathilda, seine Tochter, ist erst drei Jahre alt) möchten nun stellvertretend für unseren Freund, Liebsten und Papa Licht in das Dunkel bringen. Wir möchten gegebenenfalls die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.
Wir möchten denen, die vielleicht auch betroffen sind Mut machen, ihr Schweigen zu brechen, um mit uns gemeinsam die angeblichen Verbrechen aufzuarbeiten.
Wir wissen nicht mehr weiter und stehen vor einer Wand aus Schweigen und Schulterzucken. Wir sind der Meinung, dass eine Veröffentlichung von Daniels Geschichte auf Ihrer Seite helfen könnte, andere Betroffene zu finden, die im selben Jahr dort waren und gegebenenfalls ähnliches erleiden mussten.
Gerne sind wir zu Gesprächen und der Erörterung weiterer Details bereit.
Für Ihre Hilfe sind wir Ihnen unendlich dankbar.
Mit den allerbesten Grüßen
Gaby, Gisela, Julia und Mathilda
Ansprechpartnerin:
Gabriele Pypker, Ottilie-Schoenewald-Str. 16, 44789 Bochum, Tel 0234 34841
Für mich war immer klar, wenn ich von “Pädophilie” spreche, dann meine ich die gedankliche Hingezogenheit zu Kindern.
Sobald es die gedankliche Ebene verlässt, wenn also Kinder real missbraucht werden, sollte man nicht mehr von “Pädophilie” sprechen, sondern von “sexuellem Missbrauch” bzw. von “sexueller Gewalt.” Ich habe diese Unterscheidung für mich immer klar durchgezogen.
Ich bin mir auch keineswegs sicher, ob die Pädophilie (als sexuelle Präferenzstörung) wirklich die Ursache ist, wenn jemand Kinder missbraucht. Ich beweise ja durch mein eigenes Beispiel, dass ich die gedankliche Neigung unter Kontrolle halten kann, wenn man den Willen dazu hat.
Die eigentliche Ursache für sexuelle Gewalt sehe nicht so sehr in der fehlgeleiteten Sexualpräferenz, sondern im Fehlen von Mitgefühl und Respekt gegenüber dem Kind; also in dem, was man in der Fachwelt “fehlende Opferempathie” nennt.
Diese fehlende Opferempathie hat mit der sexuellen Präferenz wenig zu tun, sie ist ein Produkt von Erziehung und Sozialisation. Das heißt: Wer selbst nie Liebe, Mitgefühl oder Respekt erfahren hat, kann diese Werte später auch Anderen nicht entgegenbringen. Der sexuelle Trieb ist dann vielleicht Auslöser, aber nicht die eigentliche Ursache einer sexuellen Gewalttat.
Auch den Ausdruck “Triebtäter” finde ich irreführend, denn die Ursache eines sexuellen Übergriffs ist nicht der Trieb (auch wenn der Täter das für sich vielleicht so empfindet), sondern die gestörte Persönlichkeit. Man muss an er gestörten Persönlichkeit arbeiteten, dann ergibt sich das mit der Triebkontrolle ganz von selbst, denn ein Mensch mit einer reifen und gefestigten Persönlichkeit hat seinen Trieb unter Kontrolle, egal ob er pädophil ist oder nicht.
Marco
Ausschnitt aus TV.B Stadtgespräch Porträt mit Prof. Klaus Beier – Teil 2 (12.06.2007)
Zitat:
“…Die Betroffenen wissen genau, welche Medikamente kann ich einsetzen, wie wirken die und die wirken zum Teil sehr stark, dass heißt man kann zusätzlich die sexuellen Impulse herunter regulieren. Die sind dann nicht mehr so stark im Körper, im Gehirn, nicht mehr so präsent und damit haben sie eine weitere gute Schutzmöglichkeit, um eben Kinder zu schützen.
Aber mit starken Nebenwirkungen oder? Das ist doch ein Faktor oder kann ich auch die Medikamente bei jedem Betroffenen einsetzen?
Es ist ja vor allem Mal entscheidend, dass der Betroffene selber das möchte. Man würde es ja nie über seinen Kopf hinweg verschreiben, aber wenn jemand diese Verantwortung ernst nimmt, problembewusst ist und erkennt die Impulse sind stark, es gibt Gefahrensituationen, es gibt Kinder in die ich mich verliebt habe, ich würde diesen Kontakt gerne ausweiten, ich muss dafür Sorge tragen, dass das nicht geschieht und ich greife zusätzlich zurück auf ein Medikament, dann ist das ein sinnvoller Schritt…”
Zitatende
Quelle: http://www.kewego.de/video/iLyROoaftbe9.html
Wie aus dem Zitat oben von Prof. Klaus Beier zu entnehmen ist, vergleicht die Charité nicht nur in ihrem Werbespot “Lieben Sie Kinder mehr als Ihnen lieb ist?” Liebe mit sexualisierter Gewalt.
Die so genanten Psychoexperten sollten wissen, wie sehr Worte verletzen können und wie schnell sie zur Waffe werden, zur Waffe gegen die Opfer, um das Verbrechen der sexualisierten Gewalt herunter zu spielen.
Es ist die Sprache der Täter, Liebe mit sexualisierter Gewalt gleichzusetzen und aus meiner Sicht ein Verbrechen.
“Lieben Sie Juden mehr als Ihnen lieb ist?”
Würde man diesen Spot bewusst verwenden, um Nazis anzusprechen, damit sie eine Therapie machen?
Ich glaube nicht!
Würde unsere Gesellschaft einen solchen Vergleich zulassen, das Verbrechen an den Juden mit Liebe zu vergleichen?
Ich glaube nicht!
Herrn Prof. Klaus Beier von der Charité und all denen die es nicht lassen können/wollen, Liebe mit sexualisierter Gewalt zu vergleichen, empfehle ich dringend das Buch von Monika Gerstendörfer:
“Der verlorene Kampf um die Wörter”
Opferfeindliche Sprache bei sexualisierter Gewalt – Ein Plädoyer für eine angemessenere Sprachführung
Tätersprache ist unerträglich für die Opfer – damit muss endlich Schluss sein.
Deshalb bitte ich darum, dass auf dieser Webseite darauf geachtet wird, sich nicht der Tätersprache zu bedienen. Sollten versehendlich Kommentare freigeschaltet werden wo das nicht der Fall ist, dann informieren Sie mich bitte. Diese werde ich umgehend löschen.
Hoffnungsvoll
Norbert Denef
Zum Thema “Sexueller Missbrauch – Auswirkungen auf das Kind” werden demnächst hier Artikel eingefügt.
Gern können Sie daran mitarbeiten. Nachfragen per e-mail an: norbert@denef.com
Zitat Luise Reddemann (SWR Nachtcafé 17.02.2006):
“Also es gibt Forschung die sagt, ungefähr 50 % der TraumaOpfer wollen verdrängen und tun’s auch und fahr’n damit gut und die andere Hälfte will eben nicht verdrängen, will sich auseinandersetzen und dann ist es auch gut.”
Mein Buch “Ich wurde sexuell missbraucht” ist nicht mehr über den Buchhandel zu bestellen, da ich die restlichen Exemplare von meinem Verlag erworben habe.
Ich habe wieder das Recht über mein Buch, meine Geschichte, selbst zu bestimmen – ich wollte frei sein.
Den Erlös meines Buches verwende ich für die Beschwerde an den Europäischen Gerichtshof. Für den Betrag von 10,- Euro, zuzüglich 3,- Euro Versandgebühr können Sie Exemplare bestellen unter:
norbert@denef.com
Sobald Sie mir Ihre Lieferadresse senden, schicke ich Ihnen die gewünschte Menge. Die Bankverbindung stelle ich Ihnen auf Nachfrage zu.
Klappentext:
… den ganzen Beitrag lesen »
Leseprobe aus dem Buch “Ich wurde sexuell missbraucht” von Norbert Denef
Die Schweigeklausel
Ein Verantwortlicher des Bistums Limburg teilte mir in einem Telefongespräch mit, dass jedes Bistum über zwei unterschiedliche Aktenarchivlager verfügt. Eines davon ist streng geheim, zu dem nur der Bischof oder ein von ihm Beauftragter Zugang hat. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es keine Unterlagen über die Gründe der Versetzungen mehr geben sollte.
Pfarrer K. wurde in folgende Gemeinden versetzt: Propstei zu Halle, Droyßig, Delitzsch, Nordhausen, Langenweddingen, Hecklingen, Wittenberg-Pisteritz und Niedertiefenbach. Er meinte, es sei auffällig, dass ein Pfarrer von Delitzsch nach Nordhausen und damit in ein anderes Bistum versetzt worden sei. Diese Tatsache lege den Gedanken nahe, dass es sich dabei um eine Versetzung aus einem bestimmten Grund handelte.
… den ganzen Beitrag lesen »
Ein Theaterstück
von Wolfgang Spielvogel
mit Viktor Vössing
Der Text basiert auf Denefs autobiografischem Bericht: “Ich wurde sexuell missbraucht”.
Wolfgang Spielvogel schrieb “Alles muss raus” für das Frankfurter Autoren Theater
Das Theaterstück dauert 30 Minuten und wird mit anschließender Gesprächsrunde (Publikum, Regisseur, Schauspieler und Norbert Denef) für Schulen, Hochschulen und sonstigen Einrichtungen als Projekt angeboten.
Es wird finanziell unterstützt vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.
Anfragen für Gastspiele in Ihrer Einrichtung richten Sie bitte an: … den ganzen Beitrag lesen »
E-Mail norbert@denef.com
oder Telefon: 04503 892782
NDR Fernsehen – Kulturjournal – Sendungsinformation
Zitat Karl Kardinal Lehmann (15.11.2007):
“Es gibt ja von der medizinischen, – psychiatrischen Seite her auch die Situation, dass es, eh, eh, Täter gibt die, ich sag’s mal etwas banal, einmal ausrutschen. Die man aber nicht auf ein Leben lang einfach, eh, jetzt aus der beruflichen Aktivität ausschließen kann.”
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